Bestraft für revolutionäre Ideen

Leisnig: Bürgermeister stirbt im Gefängnis der Burg Mildenstein

Im Kerker der Burg Mildenstein findet Sigismund Reschke den Tod.

Im Kerker der Burg Mildenstein findet Sigismund Reschke den Tod.

Leisnig. Revolutionäre Bürgermeister haben in Leisnig ein schweres Los: Sie werden kalt gestellt. Sigismund Reschke zum Beispiel kam sogar ins Gefängnis. Zwar kennt in Leisnig jedes Kind ab dem Grundschulalter seinen Namen. Doch trotz seiner Funktion als Bürgermeister ist im städtischen Archiv über ihn fast nichts zu finden. Des Rätsels Lösung: Wegen unliebsamer politischer Gesinnung könnte das Andenken an ihn und seine Amtszeit absichtlich bis auf ein Minimum getilgt worden sein. Reschke war ein so genannter "Putscher". Er starb auf der Burg Mildenstein.

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Name fast völlig ausradiert

Reschke sympathisiert 1848 mit revolutionären Kräften der deutschen Märzrevolution. Nach deren Scheitern ist es den Leisnigern wohl peinlich, so einen Bürgermeister gehabt zu haben. Die siegreichen Feinde der Revolution wollen den Namen Reschke aus Leisnigs Geschichte am liebsten vollständig ausradieren. Was war da geschehen?

Finsteres Kapitel

Finsteres Kapitel: Bis 1953, insgesamt 500 Jahre lang, dient die Burg Mildenstein als Gefängnis. Über den Strafvollzug, von Folter bis Freiheitsstrafe, erzählt die Ausstellung „Gefangen-Gefoltert-Gerichtet“ im Burgmuseum. Es sind sogar authentische Objekte zu sehen.

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Es brodelt in Europa

In den Jahren 1848/49, erheben sich in den einzelnen Fürstentümern in weiten Teilen Europas die Bürger gegen die Vorherrschaft des Adels. Das napoleonische Reich existiert schon mehrere Jahrzehnte nicht mehr, die Fürsten in deutschen Landen halten wieder alle Gewalt in ihren Händen. In Europa brodelt es. Soziale Spannungen, insbesondere in der wachsenden Schicht der lohnabhängigen Arbeiter, gehören zu den Zeichen der Zeit. Forderungen nach sozialer Gerechtigkeit werden laut. Erstmals formiert sich die Arbeiterbewegung. Politische Freiheiten im Sinne demokratischer Reformen, zum Beispiel das Wahlrecht, sowie die Einigung der Fürstentümer gehören zu den Zielen der Revolutionäre.

Für Freiheit geworben und bestraft

„Reschke bringt dieser Erhebung möglicherweise in einem Maße Sympathie entgegen, die ihm später zum Verhängnis wird“, vermutet Reichel. In Leisnig hebt er zum Beispiel den freiheitlich gesinnten Leisniger Turnverein mit aus der Taufe und wirbt offen für die Freiheitsbewegung.

Revolution blutig niedergeschlagen

Mit Hilfe des Preußischen Heeres lässt der Adel die Revolution blutig niederschlagen. Im Sommer 1848 ist alles Geschichte. Die Adligen rächen sich an den Revolutionären und ihren Unterstützern. Für Reschke bedeutet das Kerkerhaft auf Mildenstein. Er stirb dort 1850.

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Kaum Akten über den Verstorbenen

Dass die Leisniger hinterher mit Reschke nichts mehr zu tun haben wollten, scheint logisch. „Das legen jedenfalls die äußeren Umstände nahe“, so Reichel. Der Vorsitzende des Leisniger Geschichts- und Heimatvereins spricht davon, Sigismund Reschke habe als Anhänger, als lokaler Akteur dieser so genannten Märzrevolution gegolten.

Absichtlich vernichtet?

Ein gemeinsames Projekt des Vereins mit der Grundschule soll nun das Andenken an Sigismund Reschke beleben und seine Verdienste würdigen. „Das wird nicht leicht angesichts der dünnen Aktenlage“, so Reichel. Ob die Akten absichtlich vernichtet wurden oder ob sich Reschke als Bürgermeister doch nicht so viel Mühe gegeben hat, lässt sich kaum feststellen.

Geburtstag jährt sich zum 200. Mal

In das Recherche-Projekt sind neben den Lehrern der Schule auch Siegfried Bretsch vom Geschichts- und Heimatverein auch das Burgmuseum Mildenstein und die Stadt Markneukirchen als Reschkes Geburtsort eingebunden. Am 10. Juni jährt sich sein Geburtstag zum 200. Mal. Eine Gedenkveranstaltung in Leisnig ist geplant. An deren Vorbereitung wirken die Grundschüler maßgeblich mit.

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Kinder pflegen Grab auf dem Friedhof

Lehrer und Schüler pflegen schon jetzt Sigismund Reschkes Grab mit dem dazugehörigen Stein auf dem Leisniger Friedhof. Es befindet sich fast am Ende des Hauptweges, unter Buchen. Perspektivisch soll es einen Reschke-Gedenkbaum in der Nähe der Schule geben. Zunächst symbolisch in einen Kübel gesetzt, erhält er seinen festen Platz, sobald die Sanierung des Lindenplatzes abgeschlossen ist.

Von Steffi Robak

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