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Justiz

Region Döbeln: Automatensprenger machen 20000 Euro Schaden

Auch diesen Automaten in Polkenberg soll ein 23-Jähriger im Januar 2016 aufgesprengt haben. Die Staatsanwaltschaft hatte ihn noch fünf weiterer Fälle angeklagt.

Auch diesen Automaten in Polkenberg soll ein 23-Jähriger im Januar 2016 aufgesprengt haben. Die Staatsanwaltschaft hatte ihn noch fünf weiterer Fälle angeklagt.

Region Döbeln.Es knallte oft Anfang 2016 in der Region Döbeln. In Döbeln, Roßwein, Großweitzschen, Polkenberg, Berbersdorf und Marbach flogen Zigarettenautomaten in die Luft. Dabei entstanden insgesamt 20 000 Euro Schaden. Hatte die Sore in Form von Bargeld und Kippen noch einen überschaubaren Wert von insgesamt rund 3500 Euro, schlug der angerichtete Sachschaden mit etwa 16 500 Euro wesentlich happiger zu Buche.

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Geld und Zigaretten erbeutet?

Nun, drei Jahre später, saß ein mittlerweile 23-Jähriger auf der Anklagebank des Amtsgerichtes Döbeln. Ihm legte die Staatsanwaltschaft zur Last, sechs Mal die Automaten aufgesprengt zu haben und in fünf Fällen auch Zigaretten und Geld erbeutet zu haben. In Berbersdorf blieb es beim Versuch. Angeklagt war das als sechsmaliges Herbeiführen einer Sprengstoffexplosion jeweils in Tateinheit mit Sachbeschädigung, fünfmal mit Diebstahl und einmal mit versuchtem Diebstahl.

Angeklagter streitet Tatvorwürfe ab

Heftige Tatvorwürfe also, die auch nach Jugendstrafrecht zu einem Gefängnisaufenthalt führen können. „Mein Mandant bestreitet vehement die Taten“, sagte Rechtsanwalt Tom Hanke, der Verteidiger des Ostrauers. Er lieferte dem Gericht Erklärungen, weshalb die Spürhunde der Polizei – sogenannte Mantrailer – die Spuren seines Mandanten an einigen Tatorten erschnüffelt hatten. So sei der junge Mann häufig in Döbeln an der Badischen Straße bei der Post gewesen, der Tatort in Großweitzschen lag an seiner Mopedroute, in Polkenberg habe er mal gewohnt und an dem später gesprengten Automaten Zigaretten gekauft. Wie die Spur nach Roßwein kommt, konnte sich der Anwalt nicht erklären. Die Tatorte in Berbersdorf und Marbach wiederum lagen an der Zustelltour des 23-Jährigen, der damals für einen Paketdienst fuhr.

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Knall reißt Marbacher aus Mitternachts-Plausch

Die nächtliche Sichtung des Autos eines solchen Lieferdienstes in Marbach brachte die Polizei auf die Spur des jungen Mannes, lieferte Anhaltspunkte für weitere Ermittlungen und führte letztlich zur Anklage. „Es gab einen übelsten Knall. Da tat sogar die Tür wackeln“, schilderte ein 38-Jähriger Marbacher, wie ihn am 6. Februar 2016 gegen 0.24 Uhr eine heftige Detonation aus dem Plausch mit seinem Kumpel riss. Die Männer gingen vor die Tür, sahen den demolierten Automaten und eine Person wegrennen. Hinterlaufen brachte nichts, die flüchtige Person war zu flink. Also fuhr der 38-Jährige mit dem Auto durch das Dorf, sah dabei den abgestellten Lieferwagen eines Paketdienstes. Er habe bis zu 20 Minuten gewartet, ob der Fahrer zurückkommt. Als keiner kam, fuhr der Marbacher wieder weiter und sah später die Rücklichter des verdächtigen Autos.

Basko findet nichts

Das hielt später sogar bei dem Kumpel des Marbachers an. Der Fahrer fragte, was passiert sei, bot sogar an, seinen Ausweis abfotografieren zu lassen. Aber wie der Mann hinter dem Steuer ausgesehen hat, konnte weder der Marbacher noch sein Bekannter mehr sagen. Ob da einer den Scheinheiligen spielte, bleibt somit unklar. Jedoch hatten sich die Marbacher das Kennzeichen gemerkt und der Polizei mitgeteilt. Das führte die Ermittler zu dem Ostrauer als Tatverdächtigem. Aber sowohl eine richterlich angeordnete Durchsuchung seiner Wohnung noch die Suche mit Basko, einem Sprengstoffspürhund der Polizei, brachte weitere Beweise, wie etwa Polenböller und Diebesgut.

Wissenswertes über Mantrailer

Bleiben die Geruchsspuren des Angeklagten, welche die Mantrailer an den Sprengstellen gefunden hatten. Diese Schnüffelprofis auf vier Pfoten sind darauf spezialisiert, Menschen aufzuspüren oder Geruchsspuren von Menschen an bestimmten Orten zu finden. „Diese Personenspürhunde sind reine Spezialhunde, die machen nichts anderes. Wir nehmen dafür Hunde der Rasse Bloodhound. Die sind für diese Nasenarbeit gemacht“, sagte ein 46-Jähriger Polizist aus Zwickau. Zur dortigen Polizeidirektion gehört ein solches Mantrailer-Team. Der Beamte berichtete viel Wissenswertes über die Arbeit mit diesen Hunden, über den Individualgeruch eines Menschen und dass die Hunde diesen auch finden können, wenn der Spurenverursacher bereits vor Wochen oder Monaten an einem bestimmten Ort war. Auch dass ein Mopedfahrer eine Geruchsspur hinterlässt, die solch ein Mantrailer finden kann, hielt der Beamte für möglich. Allerdings kann der Hund nur sagen, ob jemand an einem bestimmten Ort gewesen ist, nicht aber, wann.

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Verteidiger weist auf Widersprüche hin

„Über die Mantrailer wurde hier sehr ausführlich gesprochen. Diese Methode steckt aber noch in den Kinderschuhen. Der Hund kann mir nicht sagen, wann eine Spur verursacht wurde“, sagte Rechtsanwalt Hanke. Er wies zudem auf einen Widerspruch hin: In Roßwein war die Trailerspur seines Mandanten 370 Meter lang. Der Zeuge berichtete aber, dass der schwarze Audi gleich neben dem Automaten stand, den die Sprenger damals als Tatfahrzeug nutzten. Es gibt weiterhin keine Spuren, die dieses gestohlene Auto mit dem Angeklagten in Verbindung bringen, weder DNA, noch Fingerabdrücke. Dass die Sprenger mit zwei Autos zu den Automaten fuhren, lässt sich nicht beweisen. Ebenso wenig, dass der Ostrauer mit Kapuze und Handschuhen im Audi saß und deswegen keine Spuren hinterlassen hat. Diese Theorie hatte ein Polizist im Zeugenstand geäußert.

in dubio pro reo

„Wir haben nicht genügend Nachweise, um die zweifelsfreie Täterschaft des Angeklagten beweisen zu können“, sagte Richterin Marion Zöllner, die Vorsitzend des Jugendschöffengerichtes, als sie dessen Urteil begründete: Freispruch im Zweifel für den Angeklagten. Das Gericht folgte damit den Anträgen von Staatsanwältin Jana Wegert und Rechtsanwalt Hanke. „Die Polizei hat sehr aufwendig ermittelt. Es trägt sicher zur Beruhigung der Bevölkerung bei, wenn solche Fälle aufgeklärt werden können. Aber wir können dem Angeklagten nicht zweifelsfrei nachweisen, dass er für diese Sprengungen verantwortlich ist“, sagte die Vorsitzende.

Sprengversuch in Leisnig

Sie kannte den jungen Mann bereits aus einem früheren Verfahren. Im Januar 2016 hatte er gemeinsam mit einem Älteren einen Sprengversuch in Leisnig unternommen. Mit zwei Tschechen-Böllern der Marke Super Cobra 12 jagten sie am 3. Januar 2016 einen alten Ford-Escort in die Luft und filmten das. "Wir wollten mal ausprobieren, was diese Böller anrichten können. Ich habe schon vorher Videos im Internet mit Sprengversuchen gesehen", sagte der 21-jährige Ostrauer damals. Die beiden hatten Glück, dass ihnen die Staatsanwaltschaft damals nur eines Vergehens angeklagt hatte – "strafbarer Umgang und Verkehr sowie strafbarer Beförderung und Einfuhr nach SprengGesetz", so der sperrige Name dieser Straftat – und nicht auch des Verbrechens des Herbeiführens einer Sprengstoffexplosion. So kam der junge Mann damals mit einer Einstellung des Verfahrens gegen Arbeitsstunden davon.

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Von Dirk Wurzel

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