Mittelalter

Zum Backtag auf die Burg Mildenstein

Brot schmeckt viel besser, wenn man den Teig vorm Backen selbst geknetet hat. Auf der Burg Mildenstein können die Besucher das persönlich ausprobieren.

Brot schmeckt viel besser, wenn man den Teig vorm Backen selbst geknetet hat. Auf der Burg Mildenstein können die Besucher das persönlich ausprobieren.

Leisnig. Ferienkinder sind auf der Burg Mildenstein angekündigt – für Obermagd Anna heißt das: Früh aufstehen. Weil sie mit den Gästen Brot backen möchte, wurde der große Ofen auf dem Burghof vor drei Stunden angeheizt. Für die Kinder soll es ein erlebnisreicher Tag werden. Sie gehen der Obermagd Anna alias Annett Steinert zur Hand.

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Brot backen auf Burg Mildenstein. Video Sven Bartsch

Brot backen auf Burg Mildenstein. Video Sven Bartsch

Zu zwei erlebnisreichen Stunden „Rund ums Brot“ wird in die Schwarzküche des Herrenhauses der Burg Mildenstein eingeladen

Zu zwei erlebnisreichen Stunden „Rund ums Brot“ wird in die Schwarzküche des Herrenhauses der Burg Mildenstein eingeladen.

„Ich freue mich, dass ich so viele eifrige Knechte und Mägde begrüßen darf“, begrüßt die freundliche Magd im historischen Gewand ihre Gäste. Neben dem Eingang zur großen Schwarzküche lodert ein Feuerchen in der Feuerschale, darin steht ein eisernes Dreibein, darauf ein Kessel mit Wasser. Darin soll bis zur Mittagsstunde leckerer Hirsebrei gekocht werden.

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Die Zutaten bereiten die Ferienkinder ebenso selbst zu wie sie den Brotteig kneten, Laibe formen und sie auf die Bleche legen. Im hölzernen Trog wartet der Teig darauf, in Form gebracht zu werden.

Den Teig für das Brot hat Annett Steinert für diesen Backtag bereits vorbereitet

Den Teig für das Brot hat Annett Steinert für diesen Backtag bereits vorbereitet.

Auf dem Tisch stehen Kräuter bereit als Zutaten für den Quark, in den das frische Brot nachher gestippt wird. Fünf Kräuter sollen es werden. Die Besucher sollen sie korrekt benennen. Keine Fragen gibt es bei Schnittlauch. Dazu kommen Melisse, Rosmarin, zudem der als Pizza-Gewürz bekannte Oregano, er auch einen deutschen Namen hat, nämlich Dost. Die sechsjährige Lenka erkennt außerdem sofort den Boretsch.

Fünf Kräuter kommen in den Quarkdipp fürs Brot, hier

Fünf Kräuter kommen in den Quarkdipp fürs Brot, hier: der Boretsch.

„Wenn ich koche oder backe, verwende ich gern drei oder fünf Gewürze“, verrät die Magd. Die Drei und die Fünf sind magische Zahlen. Im Mittelalter wurde in den alltäglichen Dingen darauf geachtet, dass alles seine Ordnung hat. Die Fünf findet sich in den fünf Mose-Büchern der Bibel wieder, die Drei in der Dreifaltigkeit Vater Sohn und heiliger Geist.

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Bevor die Gäste die Zutaten für den Quark und dann das Obst für den süßen Hirsebrei schneiden, erzählt die Obermagd, aus welchen Getreidesorten im Mittelalter Brot gebacken wurde. Auch da erkennen einige der kleinen Gäste schon an den Körnern die Getreidesorte. Die neunjährige Selma erkennt in dem einen Glas den Weizen. Brot aus Weizen, so weiß die Magd Anna, gab es früher nur für reiche Leute. Die Armen aßen das dunkle Brot aus Roggen – „die lebten in dieser Hinsicht gesünder als die Reichen“, stellt eine Mutter fest.

Ob großer oder kleiner Besucher – jeder darf sich eine oder zwei Portionen vom fertigen Teig nehmen und ein Brot in der Form seiner Wahl darau

Ob großer oder kleiner Besucher – jeder darf sich eine oder zwei Portionen vom fertigen Teig nehmen und ein Brot in der Form seiner Wahl daraus kneten. g

Sind alle Zutaten vorbereitet, schnappen sich die kleinen Helfer die Backbleche, um sie zum großen Ofen hinaus zu tragen. „ Wir folgen dem Kochlöffel“, gibt die Magd Anweisung und hält das große, mittelalterliche Rührgerät gut sichtbar in die Höhe. Bevor die Bleche in den Ofen dürfen, muss der Riesenherd die Mehlprobe bestehen. Ein kleines Mädchen wirft eine Handvoll Mehl weit hinein. Das Mehl wird schwarz.

Das Innere des noch zu heißen Ofens muss mit einem nassen Wisch am Besenstiel gekühlt werden. Schließlich soll das Brot nicht verbrennen. Plötzlich taucht die Mittelmagd Anni am Backofen auf – viel zu spät natürlich, denn ein Großteil der Arbeit ist ja getan. Deshalb wird sie von der Obermagd gescholten: Sie hätte helfen sollen, ist jedoch ein bisschen faul und noch dazu neugierig. Heimlich belauscht sie die hohe Herrschaft – und weiß deshalb manches Geheimnis, was der arbeitsamen Anna sonst verborgen bliebe.

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Die Beiden Mägde passen gut zusammen, wie sich zeigt. Denn nun lädt Magd Anni alias Annett Böhmer die Besuchergruppe ein, mit ihr die Burg zu durchstreifen. Da wird hinab gestiegen in den riesigen Vorratskeller, und außerdem kennt sie den Weg zum Gefängnis.

Annett Böhmer (links) erläutert, wie die Eingekerkerten im Gefängnis der Burg Mildenstein ihr Dasein fristen mussten

Annett Böhmer (links) erläutert, wie die Eingekerkerten im Gefängnis der Burg Mildenstein ihr Dasein fristen mussten.

Gegen Mittag erwartet der fast fertige Hirsebrei die Gäste. Bis er richtig dick ist, liest Magd Anna das Märchen der Gebrüder Grimm vom süßen Brei vor, dann geht es los, denn das Beste ist: Die Brote sind pünktlich zur Mittagszeit fertig. Die Kinder dürfen die Bleche selbst aus dem Ofen nehmen und ziehen dafür riesengroße Handschuhe an.

Die Kinder nehmen die noch heißen Bleche von Magd Anna entgegen

Die Kinder nehmen die noch heißen Bleche von Magd Anna entgegen. Unter freiem Himmel kühlen die Brote aus, damit sie anschließend verspeist werden können.

Die Kinder nehmen die noch heißen Bleche von Magd Anna entgegen

Die Kinder nehmen die noch heißen Bleche von Magd Anna entgegen. Unter freiem Himmel kühlen die Brote aus, damit sie anschließend verspeist werden können.

In der Schwarzküche verspeisen alle das gemeinsam zubereitete mittelalterliche Mahl. Der Hirsebrei, ohne Zucker und demnach lediglich gesüßt mit den hinein geschnittenen Äpfeln und ein paar Rosinen, reißt die Kinder nicht vom Hocker. Das Brot um so mehr, denn: Das Formen des Teigs mit den eigenen Händen hat am meisten Spaß gemacht. Auf den Backblechen schlummern runde dicke Brotlaibe neben Zöpfen und vielen Herzen.

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Als die Besucher gegangen sind, räumen die beiden Mägde die Schwarzküche auf und waschen ab. Sie haben einen anstrengenden Tag hinter sich. Doch sie freuen sich, dass alles wunderbar funktioniert hat. „Mich freut es, wenn mit den Besuchern ein Dialog entsteht und auch Fragen kommen“, sagt Annett Steinert.

Gerne verrät sie ihre Rezepte und freut sich, wenn die Gäste sie nachkochen möchten. Annett Böhmer gestaltet die Führungen sehr authentisch, möchte die Gäste in die Mittelalterzeit holen: „Manchmal fragen Kinder, ob wir auf der Burg wohnen“, lacht sie. „Dann ist eine Führung gelungen, denn dann werden wir als authentische Personen aus der damaligen Zeit wahrgenommen.“

Von Steffi Robak

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