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Roßweiner Bürgermeisterkandidat macht Musik mit seiner Familien-Band(e)

Ruben Grimme, Tischlermeister aus Niederforst und bis Juni Bürgermeisterkandidat in Roßwein, macht gemeinsam mit seinen Kindern Musik in der eigenen Band.

Ruben Grimme, Tischlermeister aus Niederforst und bis Juni Bürgermeisterkandidat in Roßwein, macht gemeinsam mit seinen Kindern Musik in der eigenen Band.

Roßwein. Ruben Grimmes Leben ist wieder ein wenig ruhiger geworden, als es das vor der Bürgermeisterwahl im Juni gewesen ist. Der Tischlermeister aus Niederforst hat die Wahl nicht gewonnen. Traurig ist er deswegen nicht, ein bisschen erleichtert schon. „Ich fühle mich wohl dabei, es nicht geworden zu sein“, sagt er und schmunzelt. „Jetzt werden mir nicht mehr so viele Fragen gestellt.“ Er lacht. Ruben Grimme war bereit, einzuspringen im Bürgermeisteramt. Sich für andere verbiegen will er auch weiterhin nicht. Gerade hat er seinen 50. Geburtstag gefeiert. Dass viele Roßweiner für ihn gestimmt und damit für einen knappen Wahlausgang gesorgt haben, ist für ihn bei aller Gelassenheit auch Auftrag, etwas zu tun. Er schließt eine nächste Kandidatur nicht aus. „Ich kann jetzt sieben Jahre Erfahrungen sammeln. Dass es jetzt nichts geworden ist, hat seinen Sinn“, sagt er. „Dann war es jetzt einfach noch nicht dran.“

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Das Leben ist ein Geschenk

Ruben Grimme, der viele Jahre im Roßweiner Kirchenvorstand mitgearbeitet hat und seit 2014 den Posaunenchor leitet, ist in allem, was er tut, geprägt von seinem tiefen Glauben. Und der Bereitschaft, die Dinge anzunehmen wie sie sind. Zufrieden zu sein. Ein schwerer Autounfall in der Gake auf der B175 hätte seinem Leben schon mit 22 Jahren ein Ende setzen können. Dass es anders gekommen ist, ist für ihn ein Geschenk. Seine vier Kinder – die 23-jährigen Zwillinge Emma und Gustav, der 20-jährige Josef und die 17-jährige Charlotte – sind das auch. Seine Familie hat ihn zu seiner Kandidatur ermuntert und ihn unterstützt. Und mit ihr teilt Ruben Grimme auch die Leidenschaft für Musik. Nicht nur im Posaunenchor sind fast alle Familienmitglieder vertreten. Seit fünf Jahren gibt es auch eine Band, deren Ursprung und Herz Ruben Grimme und seine Kinder sind.

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Instrumental vielseitiger Nachwuchs

Gustav gehört dazu, der als Fünfjähriger mit Geige angefangen hat und heute hauptsächlich Trompete und Gitarre spielt. Der 23-Jährige studiert Forstwissenschaft. Zwillingsschwester Emma, die jetzt eine Hebammenausbildung beginnt, hat verschiedene Instrumente probiert und ist bei der Querflöte geblieben, die sie auch im Jugendblasorchester der Döbelner Musikschule spielt. Und da ist Josef, der 20-jährige Fleischer-Azubi, der mal Klavier spielen sollte, dann Trompete gelernt und sich nach der Konfirmation ein Schlagzeug zugelegt hat. „Dann wurde es laut“, schmunzelt Ruben Grimme, der seine Familie sonntags gern mit seiner Posaune weckt – nicht immer zur Freude aller im Haus. Die Jüngste in der Familienbande, die als „Grimme-Family“ der Gegenentwurf zum Musikmachen im Posaunenchor ist, ist Charlotte. Die Abiturientin kann Klavier spielen, bläst Bariton im Posaunenchor, nimmt Gesangsunterricht und haut inzwischen statt in die Tasten lieber in die Saiten der Gitarre.

Premiere mit „Smoke on the water“

Die Band, mit der die Familie mittlerweile auf Feiern, Festen, Geburtstagen unterwegs ist, ist ein Zufallsprodukt, natürlich gewachsen. Gespielt wird ohne Noten, regelmäßig gemeinsam geprobt aus Zeitgründen auch nicht. 2015 hatte Ruben Grimme sein Herz für die Bassgitarre entdeckt, irgendwann spielte der Vater mit den beiden Söhnen für einen Freund und Stones-Fan „Smoke on the water“. „Mehr schlecht als recht“, lacht Sohn Gustav und erinnert sich an den ersten richtigen Auftritt zu Pfingsten 2017: da war das Carport auf dem Grundstück fertig gebaut, das Dorf wurde eingeladen und nach einer von ihm erstellten Playlist gemeinsam Musik gemacht. Uwe Weichert, ehemaliger Musiklehrer an Roßweins Oberschule und mit Klavier, Gesang und Gitarre auch ein Multitalent, hatte sich das Grimme-Trio da schon ins Boot geholt. Und seit Charlotte sich als Leiterin der Jungen Gemeinde für die Jugendgottesdienste um eine Band kümmern sollte und noch jemand fürs Klavier gesucht wurde, gehört Lukas Grüneberger dazu. Emma, die am wenigsten daheim ist, kümmert sich bei Auftritten meist um das leibliche Wohl der Band, ist aber auch mit ihrer Querflöte dabei, wenn es sich ergibt. So wie vergangene Woche, als Ruben Grimme seinen runden Geburtstag mit mehr als einhundert Gästen und – natürlich – Musik von der eigenen Band gefeiert hat.

Im Herbst einen Ortschaftsrat gründen

„Man wird kein Meister, aber mir macht es Freude“, sagt Ruben Grimme über sein Gitarrespiel, und auch dass er zu wenig Zeit zum Üben hat. „Aber den Kindern macht’s Spaß und denen, die zuhören auch.“ Er ist nicht stolz auf seine Söhne und die Töchter, weil das seinen Anteil an ihrem Werden für seine Begriffe zu hoch anbinden würde. Vielmehr sind seine Kinder mit all ihren Facetten und ihrer individuellen Verschiedenheit für ihn ein Geschenk. „Ich genieße es sehr, zusammen mit ihnen Musik zu machen.

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Den Sommer jetzt, der in der Freizeit neben der eigenen Tischlereiwerkstatt auch voll ist mit musikalischen Verpflichtungen, will Ruben Grimme noch verstreichen lassen, dann möchte er intensiver über die Gründung eines Ortschaftsrates für Haßlau nachdenken. Bei der nächsten Stadtratswahl würde er kandidieren, will aber nicht „der Laufbursche der CDU sein“. Der 50-Jährige macht es, wie er schon seine Kandidatur gehandhabt hat und wie er Konzerte mit seiner Grimme-Family angeht: Er lässt die Dinge auf sich zukommen.

Von Manuela Engelmann-Bunk

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