Norma Austinat

Kettensägen-Kunst aus der Dübener Heide

Norma Austinat bei der Arbeit.

Norma Austinat bei der Arbeit.

Tornau. Als vor einigen Jahren die Köhlerei Eisenhammer durch eine junge Familie aus Leipzig übernommen wurde, gab es ein Aufatmen in der Dübener Heide, denn nur dadurch erfuhr das alte Traditionshandwerk eine Fortführung. Und wenn nun die weißen Rauchwolken durch den Buchenwald schweben, weiß man, die neuen Köhler verrichten ihr Werk.

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Das weitläufige Gelände mit bunter Kaninchenvilla ist auch ein beliebtes Ausflugsziel für Touristen in der Dübener Heide und machte erst kürzlich von sich reden, als Schulklassen aus Eilenburg und Krostitz dort Naturaktivtage verbrachten. Zum einen erkundeten sie das „Reich des Bibers“ und zum anderen erfuhren sie Wissenswertes über den Lebensraum von Hirsch- und Nashornkäfern. Des weiteren ist die nahegelegene Hammerbachhütte ein beliebter Ausgangspunkt für Spaziergänge und Wanderungen und demnächst wird zum Köhlereifest geladen.

Neue Attraktion

Doch nun hat sich eine, bisher von der Öffentlichkeit nahezu unbemerkte, neue Attraktion ergeben. In einem hinteren Teil des Geländes gibt es eine kleine Kunstgalerie, in der Holzskulpturen regionaler Künstler ausgestellt sind. Zahlreiche gelungene Figuren stammen auch von Köhlerin Norma Austinat persönlich, die nun bereits seit einigen Jahren mit ihrer Familie mitten im Wald im Herzen der Dübener Heide wohnt.

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„Kunst hat mich schon als Kind interessiert“, erzählt sie und erinnert sich daran, dass sie in jungen Jahren gern malte, zeichnete und Druckgrafiken anfertigte. Aber dass sie eines Tages zu einer Kettensäge greifen würde, schien eher unwahrscheinlich. Doch das Leben spielt eben immer anders, als ursprünglich geplant. Seit ihrem Umzug von der Großstadt in den Tornauer Wald ist sie nun den ganzen Tag von Bäumen sowie von Holzstämmen für die Kohlemeiler umgeben. Und dann ist da noch der berühmte Tornauer Holzskulpturenwettbewerb an Weichers Mühle, der jährlich tausende Gäste in seinen Bann zieht. So auch an diesem Wochenende, wenn Norma Austinat ihr schwarzes Kleid anziehen wird, um beim Fest traditionell die Köhlerliesel zu mimen.

Kettensäge geschenkt

Vor einem Jahr nahm sich Kettensägenkünstler Torsten Wagner etwas Zeit und zeigte Norma Austinat den Umgang mit einer Kettensäge und wie aus einem Stück Holz nach und nach eine Figur entsteht. „Das Ganze hat mich schon immer fasziniert und ich habe einen gewaltigen Respekt vor dieser Arbeit“, so die Zugezogene. Als ihr dann noch ein Bekannter wenig später eine kleine handliche Kettensäge schenkte, gab es kein Halten mehr. „Pilze sind die beste Form, um klein anzufangen“, ist sie sich sicher. Und als Freunde und Bekannte ihre Erstlingswerke trotz mancher Ecken und Kanten lobten, wurde ihr Mut größer und sie wagte sich an Igelfiguren heran. Beim Schnitzen dieser noch relativ einfachen, überschaubaren Figur bekommt man ein gutes „3-D-Gefühl“ und freut sich über erste Erfolgserlebnisse, so dass man bald mehr wagt.

„Ich habe geübt, experimentiert und auch wieder verworfen“, erinnert sich Norma Austinat an zurückliegende spannende Monate des Entdeckens einer völlig neuen Welt. Dank sei an dieser Stelle an einige Kettensägenkünstler ausgesprochen, die hin und wieder am Eisenhammer vorbeischauten, um der jungen Frau in ihrer Lernphase hilfreich über die Schultern zu schauen, und auch mit Tipps und Hinweisen nicht sparten.

Ansehnliche Figurenansammlung entstanden

Inzwischen ist eine ansehnliche Figurenansammlung am Waldrand entstanden, bei deren Besichtigung man sich kaum vorstellen kann, dass die Holzkünstlerin erst vor einem Jahr mit ihrem Hobby begann. Der Betrachter erfreut sich an Raben, Adler, Igel, Maus und Eule, die in guter Arbeit ausgeführt wurden. Der absolute Hingucker ist aber zweifelsohne ein lebensgroßer Wolf.

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„An Holz mangelt es der Kreativen sicher nicht“, denkt der Gast vielleicht, wenn er sich auf dem Köhlereigelände umschaut und die riesigen, für den Kohlemeiler bestimmten Buchenstämme sieht. Aber falsch gedacht, klärt die Köhlerin auf, denn Buchenholz eigne sich kaum zum Schnitzen. Sie bevorzugt das Holz von Roterle, Eiche und Kirsche, weil sich ihrer Meinung nach diese Stämme am besten verarbeiten lassen.

Experimente mit Holz

Neuerdings experimentiert sie mit einem sehr harten und äußerst trockenen, köhlereispezifischen Material – mit halbverkohlten Stammteilen. Bei der Herstellung von Holzkohle bleiben gelegentlich sogenannte Brenner übrig – also Hölzer, die nicht ganz durchgeschwelt und demzufolge nicht verkohlt sind. Je nach Verschwelungspunkt gibt es innerhalb des Stückes verschiedene Härtegrade und unterschiedlich gefärbte Bereiche. Die halbverkohlten Brenner zu bearbeiten, stellt eine wahre Herausforderung dar. Ganz zu schweigen vom umherfliegenden Kohlestaub, der die Schnitzerin bei der Arbeit umgibt. Aber das Resultat kann sich sehen lassen und verfügt der außergewöhnlichen Herstellungsweise wegen durchaus über ein Alleinstellungsmerkmal.

Von Heike Nyari

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