Schulbus

Probleme mit Schülerverkehr in Bad Düben, Löbnitz und Zwochau: Gibt es bald eine Lösung?

Volle Busse, unzureichende Taktung: Viele Eltern von Bad Dübener Schulkinder beschweren sich über den neuen Netzplan. (Symbolfoto)

Volle Busse, unzureichende Taktung: Viele Eltern von Bad Dübener Schulkinder beschweren sich über den neuen Netzplan. (Symbolfoto)

Bad Düben. Das umgestaltete Liniennetz der Busgesellschaft Nordsachsen Mobil GmbH (Nomo) hat in Bad Düben den Schülerverkehr aus dem Takt gebracht. Das ist die Meinung vieler Eltern, die in den letzten Wochen mit der LVZ in Verbindung getreten sind. Auch dem Landratsamt Nordsachsen sowie der Nomo liegen die Beschwerden vor. Im November soll es zu Gesprächen kommen. Aber in welchen Fällen ist eine erneute Änderung überhaupt sinnvoll? Und was kann man Schulkindern vielleicht doch zumuten? Die LVZ hat nachgefragt.

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Was genau ist eigentlich das Problem?

Viele Kritikpunkte beziehen sich auf die Verbindungen zum Evangelischen Schulzentrum (ESZ) in Bad Düben. Zahlreiche Eltern beklagen sich über fehlende Verbindungen am Nachmittag, lange Wartezeiten von mehr als 40 Minuten und zusätzliche Wege zu weiteren Bushaltestellen. Denn nicht immer fährt die schnellste Verbindung direkt vor der Schule ab. Anja Rackwitz, deren Tochter die fünfte Klasse besucht, schildert beispielhaft, was das für ihr Kind bedeutet: „Wenn sie nach acht Stunden um 14.30 Uhr Schluss hat, fährt der nächste Bus um 15.30 Uhr zum Paradeplatz. Von dort aus muss sie dann noch mit der 210 weiter nach Löbnitz.“ Für den Fußweg brauche ihre zehnjährige Tochter mehr als 20 Minuten. „Und das bei Wind und Wetter, jetzt in der dunklen Jahreszeit. Das kann doch nicht sein.“ Für Kinder, die in den Dübener Stadtteil Alaunwerk müssen, wird es nach der sechsten und achten Stunde noch schwieriger. Denn dorthin fahren die Busse zu dieser Zeit nur vom Paradeplatz aus – und zwar sieben Minuten nach Schulschluss. Nicht zu schaffen.

Auch Ausfälle und Verspätungen sind ein Thema, wie mehrere Eltern der LVZ übereinstimmend berichten. Dazu komme ein ständiger Wechsel der Busfahrer, die sich in einigen Fällen Kindern gegenüber gestresst und unfreundlich verhalten sollen. „Früher kannte man die Fahrer noch und es konnte eine Beziehung aufgebaut werden“, schildert eine Mutter. „Jetzt sind alle unterschiedlich drauf – einer gut, einer schlecht gelaunt.“

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Ähnliches schildern auch Eltern aus Löbnitz, deren Töchter die evangelische Grundschule und das ESZ besuchen. Noch größer sei allerdings das Problem der vollen Busse am Morgen. „Wir haben uns nicht getraut, unsere 7-Jährige fahren zu lassen, da der Bus dermaßen überfüllt ist, dass die Kinder an der evangelischen Grundschule kaum aussteigen können“, so eine Mutter. Zwar würden in der Früh gleich zwei Busse von Löbnitz aus Bad Düben ansteuern – aber nur einer davon auch direkt in Richtung ESZ. Dieser sei nun dauervoll, der andere oft nahezu leer. „Viele Eltern und Schüler der Mittelschule Bad Düben haben nicht verstanden, dass der erste Bus ausschließlich für sie ist“, nimmt sie an. So säßen bereits viele Mittelschul-Kinder aus Delitzsch im zweiten Bus, wenn der in Löbnitz ankomme.

Was sagt das Landratsamt?

Dem Landratsamt sind viele dieser Punkte bekannt. „Die im August durchgeführte Liniennetzreform war die bisher größte und komplexeste Umstrukturierung im nordsächsischen ÖPNV-System“, heißt es von Christian Hoyas, dem Sachgebietsleiter für Schülerbeförderung im Landratsamt Nordsachsen. Da sei es nicht ungewöhnlich, dass eine Vielzahl von Beschwerden auflaufe – schließlich seien die Menschen ihre Nahverkehrsverbindung gewohnt. Aufgabe der Nordsachsen Mobil GmbH und des Landkreises sei es nun, die Anfragen schnellstmöglich zu analysieren und zu schauen, ob und mit welchem Aufwand Probleme gelöst werden können.

Welche Wartezeiten gelten für Kinder als zumutbar?

Rechtlich ist die Sache klar: In Nordsachsen muss den Schülern eine Fahrt zum Unterrichtsbeginn zur ersten Stunde und zu zwei Unterrichtsendzeiten zur Verfügung gestellt werden. Die maximale Fahrzeit – ohne Wartezeiten – soll 60 Minuten nicht überschreiten. Nach dem Unterricht ist für Schüler ab der fünften Klasse eine Wartezeit von bis zu einer Stunde zulässig. Umsteigefrei müssen nur Grundschüler befördert werden. Busunternehmen und Landratsamt haben aber angekündigt, wenn möglich, auch jenseits dieser Vorgaben nach Lösungsmöglichkeiten zu suchen.

Werden staatliche Schulen bei der Verkehrsplanung bevorzugt behandelt?

Diese Sorge treibt viele der Eltern um, die sich bei der LVZ gemeldet haben. Laut Christian Hoyas sowie Holger Klemens, dem Geschäftsführer der Nomo, spielt der Träger bei der Planung jedoch keine Rolle. „Alle Schulen werden gemäß der rechtlichen Grundlagen behandelt“, hieß es.

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Anders sieht die Lage aus, wenn Eltern ihre Kinder nicht im zugewiesenen Grundschulbezirk beschulen lassen. Das betrifft etwa Schüler aus Wiedemar, die die St-Martin-Grundschule in Zwochau besuchen und hierfür aktuell umsteigen müssen.

Wie geht es nun konkret in Bad Düben weiter?

Was den Schülerverkehr in Bad Düben angeht, so haben alle Beteiligten Gesprächsbereitschaft signalisiert. „Wir haben die Beschwerden der Eltern gesammelt, konnten aber im Vorhinein schon einiges entkräften“, sagt etwa Gisbert Helbing, Geschäftsführer des ESZs. „Zum Beispiel können wir es unseren Kindern schon zumuten, mal 600 Meter zur nächsten Bushaltestelle zu laufen.“ Auch Wartezeiten von 40 Minuten halte die Schule nicht für problematisch – vor allem, da die Kinder währenddessen auch betreut würden.

An einigen Stellen soll trotzdem nachgebessert werden. Hierfür werden sich nach den Ferien Vertreter der Nomo und der beteiligten Busunternehmen mit den Schulleitungen sowie den Elternvertretern zusammen setzen. Für die staatliche Oberschule ist ein solcher Termin für den zweiten November angesetzt, kurz darauf soll ein Treffen mit Vertretern des ESZ folgen. „Es wird zu klären sein, was sich nachjustieren lässt und was nicht. Ich bin überzeugt, dass wir dies in konstruktiven Gesprächen miteinander klären können“, sagt Nomo-Geschäftsführer Holger Klemens.

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