Gerichtsvollzieher

Zwangsräumung: Schloss Schnaditz wieder im Besitz von Bad Düben

Schloss Schnaditz wurde am Freitagmorgen zwangsgeräumt.

Schloss Schnaditz wurde am Freitagmorgen zwangsgeräumt.

Schnaditz. Schloss Schnaditz ist wieder im Besitz der Stadt Bad Düben. Bereits seit Sommer war die Kommune nach der Rückabwicklung des 2014 geschlossenen Kaufvertrages mit der Schloss Schnaditz GmbH Eigentümer der Immobilie. Nachdem zwei vereinbarte Übergabetermine seitens der amerikanischen Investorengruppe scheiterten, beraumte die Stadt die Zwangsräumung an.

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Stadt, Polizei, Gerichtsvollzieher und Schlüsseldienst sind vor Ort

Freitag, kurz vor 8 Uhr. Vor dem Schloss im Bad Dübener Ortsteil fahren mehrere Fahrzeuge vor. Mitarbeiter des Ordnungsamtes, Bürgermeisterin Astrid Münster, Gerichtsvollzieher, Polizei sowie der Schlüsseldienst beginnen mit der lange angekündigten Maßnahme der Zwangsvollstreckung. Helga van Horn, die für die Investorengruppe verhandelte, und ihr Sohn Nick wohnten zuletzt noch im Schloss. Im Vorfeld waren sie über den Termin informiert worden.

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Zunächst scheint niemand da zu sein. Stadtmitarbeiter, Polizei und Schlüsseldienst laufen mehrfach um das alte Gemäuer. Dann geht plötzlich Licht in einem Zimmer an. Zu sehen ist, wie Polizei und Stadtmitarbeiter mit einer Person diskutieren. Blitzlicht zuckt. Es werden Fotos gemacht. Währenddessen steht ein Polizist vor dem Schloss und beobachtet die Situation. Eine Mitarbeiterin der Stadtverwaltung kommt mit dem Schlüsseldienst vor das Gebäude. Der Mann öffnet mit ein paar Handgriffen eine große Holztür.

Schlüsseldienst tauscht die Schlösser aus

Kurz nach halb neun wird das Licht im Schloss wieder gelöscht. Wenig später taucht Nick van Horn, der erwachsene Sohn der deutschstämmigen US-Amerikanerin Helga von Horn mit einem Rucksack und in Begleitung von Polizeibeamten auf dem Vorplatz auf, wird dann zum Auto geleitet. Um einen neuen Wohnsitz muss er sich selbst kümmern. Wo sich seine Mutter aufhält, ist unklar. Der Schlüsseldienst tauscht die Schlösser aus. Zutritt hat jetzt nur noch die Stadt Bad Düben.

Zwangsvollstreckung läuft ohne Probleme ab

Die Zwangsvollstreckung ist ohne Zwischenfälle und ganz ruhig über die Bühne gegangen. Es sei allerdings für alle Beteiligten und Betroffenen die denkbar „unangenehmste und unwürdigste Lösung“ gewesen, so Münster: „Das hätte anders geregelt werden können.“ Im Sommer hatte es noch danach ausgesehen, als Helga van Horn nach der Rückabwicklung des Kaufvertrages zum 30. Juni erklärte, die Räume ohne Probleme an die Stadt zurückzugeben. Mittlerweile war auch die Überschreibung im Grundbuch erfolgt, alle Rückübertragungsunterlagen waren unterschrieben. Über den Sommer hatten die Investoren Zeit für den geordneten Auszug.

Zum vereinbarten Übergabetermin Ende September erschienen Helga van Horn und ihr Sohn zwar, erklärten aber, dass sich ihre Anwälte an die Stadt wenden werden. Ende Oktober platzte der zweite Termin, kurzfristig avisierte potenzielle Investoren aus Südafrika tauchten nicht auf. In einem Schreiben an die LVZ begründeten die van Horns ihr Verhalten unter anderem damit, dass sie die investierten 400 000 Euro nicht verlieren wollten.

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Amerikaner wollten Hotel- und Gastronomiebetrieb errichten

2014 war die amerikanische Investorengruppe mit dem Ziel angetreten, das Schloss zum Hotel- und Gastronomiebetrieb umzubauen. Über drei Millionen Euro sollten investiert werden. Aus Sicht der Stadt haben die Amerikaner die mehrfach und zuletzt im Juli 2017 gelockerten Vertragsbedingungen nicht erfüllt, bis zuletzt "weder verwendbare Belege oder Nachweise über getätigte Investitionen vorgelegt als auch, obwohl explizit vereinbart, keinen mit deutschem Baurecht vertrauten Bauleiter auf arbeitsvertraglicher Grundlage eingestellt".

Schloss Schnaditz steht wieder zum Verkauf

Als nächste Schritte kündigte Münster die weitere Sicherung von Schloss und Innenhof an. Sie habe sich selbst im Innern einen ersten Überblick verschafft. „Der Zustand ist nicht wesentlich anders als der vor fünf Jahren. Es wurden noch provisorische Einbauten gemacht, um dort einigermaßen leben zu können.“ Im Großen und Ganzen sei es aber ein Schloss, das dringend sanierungsbedürftig sei. Es sei nichts einsturzgefährdet, der Zahn der Zeit habe am Bau genagt, insbesondere an den Holzteilen.

Das Schloss steht nun wieder zum Verkauf, das Ringen um eine Zukunft des historischen Gebäudes beginnt von vorn.

Von Kathrin Kabelitz und Steffen Brost

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