Nachwuchsschauspieler

David Leubner fällt in Delitzsch nicht aus der Rolle

Halbzeit im Schauspielstudium: David Leubner (26) schätzt an seinem Beruf die unterschiedlichen Situationen, die er nacherleben kann.

Halbzeit im Schauspielstudium: David Leubner (26) schätzt an seinem Beruf die unterschiedlichen Situationen, die er nacherleben kann.

Delitzsch. Drei Semester, eineinhalb Jahre ist David Leubner jetzt in Delitzsch. Halbzeit bei seinem Schauspielstudium an der Sächsischen Theaterakademie. Am Ende wird ihn das Studium an die Landesbühne Radebeul führen, wo er, das ist Teil der Ausbildung, für einige Monate angestellt sein wird. Danach möchte er vor allem eine Gruppe finden, mit der er spannende Stücke mit einem aktuellen Bezug erarbeiten kann. Ob auf der großen Bühne oder nicht sei fast egal. Er könne es sich auch vorstellen, mit Schulklassen zusammenzuarbeiten. „Durch Theater wird man unheimlich mutig, das macht etwas mit einem, wenn man ab und zu ernsthaft Situationen erlebt“, beschreibt er.

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Wanderjahre im Ausland

Nach dem Bankrott seiner alten Schule, der Leipziger Theaterfabrik, zog es ihn nach Delitzsch. „Davor war ich viele Jahre unterwegs“, sagt der 26-Jährige. „In der Schule dachte ich immer, man muss ja nicht überall gut sein“, erzählt er im ruhigen Ton, mit einer fast linkischen Offenheit. Biologie oder Mathe begeisterten ihn, Sprachen kamen zu kurz. Erst als es Richtung Abschluss ging, begann er umzudenken. Also ging er für ein Austauschjahr nach England: Nach zehn Klassen mit „zehn oder zwölf englischen Wörtern“ im Gepäck. Er arbeitete auf Bauernhöfen und für Familien – ein bisschen Unkraut zupfen, um die Wasserflasche aufzufüllen oder sein Essen aufzuwärmen. Wenn man es mit Humor und Witz angehe, seien die Leute immer sehr offen. „Wenn man ein bisschen handwerklich geschickt ist, kriegt man eigentlich überall ein bisschen Arbeit. Solange man nicht bezahlt werden will und es nur für Kost und Logis macht.“ Oft wurde er zum Essen oder über Nacht eingeladen, ihm die Gegend gezeigt, manchmal ganz ohne Unkrautzupfen. „Ich habe selbst kaum gemerkt, wie schnell ich dann Englisch sprechen konnte.“

Zu Fuß zurück nach Leipzig

Dorchester, im Süden Englands, und Wales bereiste er so. Später wanderte er zurück, die ganze englische Küste von Bristol nach Dover zu Fuß und per Anhalter. Drei Wochen in Frankreich folgten. Nach seinem Schulabschluss ging er dann für ein Jahr nach Neuseeland. Das war gerade von einem Erdbeben erschüttert worden. So wurde er kurzentschlossen zum Helfer bei einer Zimmermannsfirma. „Ich habe als Kind schon viel mitgearbeitet, in einer Bäckerei oder in einer Tischlerei.“ An seiner Schule wurde dies durch Praktika und Fächer wie Schmieden und Korbflechten gefördert. So schön wie das sei, aber man könne nicht immer als Landstreicher durch die Welt ziehen.

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Liebe zum Theater

Bevor er aber einen richtigen Beruf erlernen wollte, wo man auch Geld verdiene, wollte er ein Mal ein Schauspieler sein. In Bochum bewarb er sich bei TheaterTotal, bei dem Jugendliche mitverantwortlich ein komplettes Stück erarbeiten und realisieren: Vom Schauspiel, zum Bau der Kulissen, zur Pressearbeit bis zur Organisation einer dreimonatigen, deutschlandlandweiten Tournee. Die Liebe zum Schauspielhandwerk blieb: Der Lehre in der Orthopädietechnik, die in drei Wochen in Markleeberg beginnen sollte, kehrte er den Rücken. Eigentlich wollte er bei den Proben in der Theaterfabrik nur zusehen „und dann hat es mich so unter den Fingern gejuckt, wieder Theater zu machen.“ Als bei einer Lichtprobe jemand ausfiel, sprang er ein.

Von Manuel Niemann

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