Allianz pro Schiene

Delitzscher Bahnwerk hat Platz für neue Entwicklungen

Die Allianz pro Schiene trifft sich im Delitzscher RailMaint-Werk. Andy Friedrich ist hier Vertriebsleiter Personenverkehr.

Die Allianz pro Schiene trifft sich im Delitzscher RailMaint-Werk. Andy Friedrich ist hier Vertriebsleiter Personenverkehr.

Delitzsch. Das war der Sonderzug nach Delitzsch: Ein Triebzug aus der Bombardier- Fahrzeugbaureihe Talent VT 643 steuerte im Spaziergänger-Tempo in die Halle des RailMaint-Werkes. Ganz vorsichtig, denn die Gleise laufen auf dem Werksgelände nicht so gerade aus, wie es auf ständigen Verkehrswegen der Fall ist. An Bord hatte er Teilnehmer des Förderertreffens der Allianz pro Schiene. Derartige Treffen finden reihum bei Mitgliedsunternehmen und – institutionen statt. Der silbrige Zug, der sonst für die Mitteldeutsche Regiobahn zwischen Leipzig und Döbeln unterwegs ist, sollte das Werk ohnehin zur regelmäßigen betriebsnahen Instandhaltung ansteuern. Nun diente er gleich als Zubringer für diejenigen Teilnehmer, die per Schiene anreisten. Doch welchem Zweck dienen die Allianz-pro-Schiene-Treffen? Was brachte die Zusammenkunft in der Loberstadt? Andy Friedrich, Vertriebsleiter bei RailMaint Delitzsch, erklärt es im Gespräch mit der LVZ.

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Die Allianz-pro-Schiene nimmt für sich in Anspruch, den umweltfreundlichen Schienenverkehr voranzubringen. Das ist natürlich besonders im Interesse der Unternehmen, die hier zusammenkommen?

Das mag zutreffen, doch die zukünftige Ausrichtung des Schienenverkehrs muss auch immer durch die Erfahrungen der Industrie, deren technische Möglichkeiten und den grundsätzlichen Rahmenbedingungen flankiert werden. Unsere Branche ist nun mal überschaubar, da ist es auch gut, wenn man weiß, was ein Unternehmen leisten kann. Hier treffen sich Vertreter der Infrastruktur, Instandhaltung und ebenso die Zulieferer. Für uns ist es also eine passende Gelegenheit, den anderen nahezubringen, was genau wir hier machen.

Hat RailMaint Delitzsch Außergewöhnliches zu bieten?

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Das umfassende Portfolio bei der Bearbeitung von Umbau,- Modernisierungsleistungen oder ganzheitlichen Fahrzeugrevisionen ist ein deutliches Alleinstellungsmerkmal in der Branche. Bei der Radsatzinstandhaltung ist ein moderner Maschinenpark notwendig, der hier, im internen Kompetenzzentrum für Radsätze täglich im Drei-Schicht-Betrieb zur Anwendung kommt. Dieser Fertigungsbereich bietet eine Menge Potenzial. Denn wegen des seriellen Charakters und den hohen Stückzahlen lassen optimierende Eingriffe, zum Bespiel in Logistik und IT, umgehend positive Wirkung erkennen.

Jedes andere Fahrzeug, jede andere Anforderung wird ansonsten individuell behandelt. Vergleichbar mit einer Autowerkstatt?

Stimmt. Allerdings in groß und immer gleisgebunden. Wobei wir zum Beispiel auch auf die eigenen Gewerke wie Polsterei und Farbgebung zurückgreifen können. Bei immer geringeren Durchlaufzeiten ist es gut, wenn solche Leistungen ohne zusätzliche Schnittstellen bearbeitet werden können.

Was hat Ihnen das Allianz pro Schiene-Treffen in Delitzsch gebracht?

Wir sind ja auch immer wieder bei solchen Treffen gern dabei. Es ist wichtig zu erfahren, was passiert. Wie der Stand der Dinge ist, wie die Perspektiven. Wir sind zwar nicht die Entwickler, sondern Instandhalter, aber es ist ebenso interessant und wichtig, wenn wir etwas über Infrastruktur-Themen, Entwicklung von Fahrgastzahlen, Trassenpreise, zukünftige Antriebskonzepte für Schienenfahrzeuge zu erfahren. Wir haben von den unterschiedlichsten Alternativen gehört, da war Wasserstoff ebenso wie Batterie-Hybridtechnologie im Gespräch. Auch wenn wir am Ende Instandhalter und nicht die Entwickler sind, müssen wir die Trends erkennen und uns strategisch ausrichten.

Die Teilnehmer kamen dabei aus ganz Deutschland?

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Auch Gäste aus Frankreich und der Schweiz waren unter anderem vertreten. Beim Sicherungssystem ETCS (European Train Control System, deutsch: Europäisches Zugbeeinflussungssystem, A. d.Red.) zum Beispiel ist Dänemark schon sehr weit in der Einführung. Deutschland muss da noch aufholen. Und wichtig ist es, in Europa zu einem einheitlichen Standard zu kommen.

Welche Auswirkungen hat die Einführung solcher Systeme auf einen Instandhaltungsbetrieb?

10 bis 20 Prozent dieser Technik wird in den Fahrzeugen umgesetzt. Das trifft dann natürlich auch unser Geschäftsfeld. Aber ebenso ist es auch wichtig für uns, mal zu hören, wie die er Trasse gewartet oder eine Oberleitung installiert wird. Das Gesamtsystem Bahn ist eben sehr komplex und spannend.

Und die Entwicklungen stehen insgesamt weniger im öffentlichen Fokus?

Stimmt. Das ist schon ein bisschen anders als bei Straßen, Autobahnen, Autos. Trotzdem ist wahrnehmbar, dass sich gerade die jüngere Generation immer mehr für Mobilität abseits vom Auto interessiert. Daneben entstehen sehr attraktive Konzepte im Bereich Fern- und Güterfernverkehr, die auch unter umweltpolitischen Gesichtspunkten gefördert und vorangetrieben werden müssen.

Nun sind den Mauern im Werk Delitzsch durchaus die mehr als 110-jährige Industriegeschichte anzusehen. Wie lässt die Wartung moderner Technik, lassen sich moderne Technologien hier einpassen?

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Wichtig ist eine gute Symbiose aus dem Erfahrungsschatz der Mitarbeiter, technischer Ausstattung und vorhandener Infrastruktur. Wir haben hier grundsätzlich sehr gute Voraussetzungen, zum Beispiel können wir mit 2,5 Kilometer überdachter Gleisfläche aufwarten. Das bietet gerade in der Bearbeitung ganzer Triebzüge mit einer Länge bis zu 90 Meter einen deutlichen Standortvorteil bietet.

Von Heike Liesaus

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