Streit um Fassadengestaltung

Soll Fischer-Art ein Haus am Delitzscher Markt gestalten?

Das Haus am Delitzscher Markt, Ecke Leipziger Straße, könnte von dem Künstler Michael Fischer-Art gestaltet werden. Die händische Skizze veranschaulicht die beabsichtigte Ausführung. Im Technischen Ausschuss gab es Gegenwind.

Das Haus am Delitzscher Markt, Ecke Leipziger Straße, könnte von dem Künstler Michael Fischer-Art gestaltet werden. Die händische Skizze veranschaulicht die beabsichtigte Ausführung. Im Technischen Ausschuss gab es Gegenwind.

Delitzsch. Als "mutig, aber nicht abwegig", stellte Delitzschs Oberbürgermeister Manfred Wilde (parteilos) die Pläne vor. Der Eigentümer des Hauses am Delitzscher Markt, Ecke Leipziger Straße, beabsichtigt, die Fassade des mehr als zehn Jahre leerstehenden Gebäudes vom Leipziger Künstler Michael Fischer-Art gestalten zu lassen. Bereits im August könnte es losgehen. Eine händische Skizze veranschaulicht die beabsichtigte Ausführung. Neben Zustimmung reagierten einige der Mitglieder des Technischen Ausschusses mit Ablehnung. Statt einer Entscheidung gibt es nun einige Tage Bedenkzeit.

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Belebung für den Marktplatz?

„Man kann darüber diskutieren“, sagte Wilde. Der Oberbürgermeister könne sich vorstellen, dass sich die Fassadengestaltung positiv auf die touristische Attraktivität des Delitzscher Zentrums auswirkt. Der Eigentümer müsse sich nach Jahren des Leerstands zudem etwas für das Gebäude einfallen lassen. „Ein toter Marktplatz ohne eine Attraktion ist weniger zu befürworten als eine Fassade wie diese“, wog der Rathaus-Chef ab. Seine Haltung dürfte damit klar sein.

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„Mehr Quatsch geht wohl nicht“, sagte dagegen Reinhard Zänker (SPD). Er habe seine Entscheidung bereits getroffen. Gemäßigter formulierten dagegen andere Mitglieder des Technischen Ausschusses ihre Bedenken. Der Künstler habe zwar bereits in großen Städten wie Leipzig, Berlin oder Stuttgart Häuserfassaden gestaltet und in der amerikanischen Hauptstadt Washington ausgestellt, dort würden die Werke jedoch weniger auffallen als in Delitzsch. Dennoch sprachen sich mehrere Räte für die Pläne aus.

Der Künstler Michael Fischer-Art

Werke von Michael Fischer-Art sind in über 100 Orten auf der ganzen Welt zu sehen. Die comicartigen Figuren des 1969 geborenen Leipzigers bedecken Fassaden in Europa, Amerika, Asien und Afrika. Eines seiner bekanntesten Werke dekoriert ein Haus gegenüber dem Leipziger Hauptbahnhof in Richtung Innenstadt. Das Wimmelbild zeigt die deutsche Wiedervereinigung. Sein Atelier hat der 50-Jährige seit dem Vorjahr in der früheren Brikettfabrik Witznitz in Borna. Wohl kein zweiter Künstler der Gegenwart hat so viel Fläche bemalt wie Michael Fischer-Art. Mehr als 20 Quadratkilometer, schätzt er selbst. Nach einer Ausbildung zum Maurer arbeitete er auch als Hausmeister und Krankenpfleger in einer Psychiatrie. Später studierte Fischer-Art an der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig. Seit 1997 ist er als freischaffender Künstler tätig.

Motiv soll die Geschichte und Gegenwart von Delitzsch auffangen

Im Vorfeld hatte Fischer-Art bereits das Gespräch mit Wilde gesucht, sich erkundigt, welche Motive in Frage kommen – besonders für Delitzsch stehen, erklärte der Oberbürgermeister. So tauchen im Entwurf Motive wie die

Türmerstochter

, die

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Genossenschaftsidee

mit Hermann-Schulze-Delitzsch, Christian Gottfried Ehrenberg oder

die Hexenprozesse

auf. Das Bild soll aber auch ganz normale Menschen zeigen, die an dem Haus vorbeikommen, erklärt Fischer-Art auf LVZ-Anfrage. Zudem liefere er eine Erklärung mit, die auch touristisch genutzt werden könne.

Der Leipziger Künstler Michael Fischer-Art vor einer von ihm gestalteten Fassade in Naunhof: „Die Welt braucht Farbe“,

Der Leipziger Künstler Michael Fischer-Art vor einer von ihm gestalteten Fassade in Naunhof: „Die Welt braucht Farbe“,

„Leben muss an den Markt“, sagt der 50-Jährige Künstler. Er habe für den Eigentümer bereits zuvor Fassaden gestaltet – in Berlin und Naunhof. Sollte Fischer-Art die Häuserwände gestalten, würde sich zudem ein Kreis schließen. Wie der Künstler erzählt, habe seine Tante zu DDR-Zeiten ein großes Wandbild in der Delitzscher Schokoladenfabrik für den Essenssaal entworfen.

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Nun haben die Mitglieder des Technischen Ausschusses ein paar Tage Bedenkzeit. „Es gibt nichts Schlimmeres als eine Stadt, über die gar nicht gesprochen wird“, gab ihnen Wilde mit auf den Weg.

Von Mathias Schönknecht

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