Integration

Syrer Muamar Dibo betreibt Laden in Delitzsch

Der Syrer Muamar Dibo betreibt in Delitzsch einen Laden.

Der Syrer Muamar Dibo betreibt in Delitzsch einen Laden.

Delitzsch. Die junge Deutsche mit kasachischen Wurzeln von gegenüber kommt manchmal nur, um einen Kaffee zu trinken und einen netten Plausch zu halten. Die Kroatin Ewa geht hier ein und aus, spielt mit den Kindern. Ansonsten kommen Türken, Araber, Afghanen. Sie kaufen bei Muamar Dibo ein, was es im deutschen Supermarkt nicht gibt. Und doch ist sein Laden in der Leipziger Straße mehr als nur ein Laden.

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Laden ist Treffpunkt

Er ist seit seiner Eröffnung vor einem Jahr zum Treffpunkt geworden. Eine Heimat für viele, die ihre Heimat vorerst verloren haben. So wie der Inhaber Muamar Dibo selbst. Er stammt aus Aleppo in Syrien, einer Stadt in Trümmern. 2014 ist er nach Deutschland und nach Delitzsch gekommen. Nur rumzusitzen und zu warten, die traurigen Nachrichten aus der Heimat ohnmächtig zu verfolgen und nur hoffen zu können, hat er irgendwann nicht mehr gewollt. Also eröffnete er einen Laden. Schon in seiner Heimat, erzählt der Notar, habe er mit Handel zu tun gehabt, in Delitzsch verkauft er nun Kichererbsen, Tee, Öle, Konserven und Gewürze. Dazu fertigt er süße und deftige gebackene Spezialitäten wie Baklava und Pide selbst.

Integration wird begleitet

„Das Kochen habe ich mir selbst beigebracht“, berichtet der 30-Jährige. Von früh bis spät steht er entweder in der kleinen Küche oder dem Laden, knetet Teig, brät Hackfleisch für die Pide und träufelt Sirup auf die Baklava. Er experimentiert gerne, würzt das Hackfleisch zum Beispiel mit Zitrone. Dennoch bleibe das irgendwie ein Hobby, den Traumjob hat Muamar Dibo im Notar gefunden und nicht hinter der Theke. Doch: „Ich will nicht einfach nur rumsitzen“, sagt der Familienvater. Und seine Familie will er auch hier in Deutschland selbst durchbringen. Zwei kleine Kinder haben er und seine Frau bereits, das dritte wird im November geboren. Aufwachsen müssen sie vorerst ohne ihre Großeltern. Die restliche Familie ist noch in Syrien. Muamar Dibo konnte 2016 aber seiner kleinen Schwester nach Deutschland helfen – nun macht die bald 19-Jährige eine Ausbildung zur Krankenschwester im Leipziger St.Georg-Klinikum.

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„Muamar und seine Familie sind gut integriert“, sagt die ehrenamtliche Betreuerin der Dibos. Die 63-Jährige engagiert sich seit Jahren in der Flüchtlingshilfe, will aber lieber anonym bleiben. Und eines Tages, hofft auch sie, kann Muamar wieder sein Leben als Notar führen – vielleicht in der Heimat, wenn dort Frieden herrscht.

Von Christine Jacob

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