Bildungsprojekt

Umerziehung in der DDR – ein Thema für Delitzscher Schüler

Die Delitzscher Ehrenberg-Schüler der neunten Klassen besuchten unter anderem den Jugendwerkhof in Torgau und sprachen mit Zeitzeuge Alexander Müller. Dazu sollten sie auch ihren Wert von Freiheit in Bildern festhalten.

Die Delitzscher Ehrenberg-Schüler der neunten Klassen besuchten unter anderem den Jugendwerkhof in Torgau und sprachen mit Zeitzeuge Alexander Müller. Dazu sollten sie auch ihren Wert von Freiheit in Bildern festhalten.

Delitzsch/Torgau. In der Woche vor den Sommerferien geht es an den Schulen meist etwas unaufgeregter zu. Dann werden Projekttage abgehalten und Themen behandelt, die ohne Frage wichtig sind, im Lehrplan jedoch nicht die Fülle erhalten, der es womöglich bedarf. Um Zusammenhänge darzustellen, um diese eindringlich zu unterfüttern.

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Projektthema: „Anders jung sein in der DDR“

Das Delitzscher Ehrenberg-Gymnasium nutzte die vergangenen Tage, um den 96 Schülern der neunten Klassen aufzuzeigen, wie es Jugendlichen in der Deutschen Demokratischen Republik (DDR) erging, die sich nicht regimekonform verhielten.

„Die Schüler sind heute so weit weg von dem Thema DDR“, sagt Manuela Rummel. Sie ist wissenschaftliche Referentin an der

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Gedenkstätte Geschlossener Jugendwerkhof Torgau

(GJWH), leitet dort die Bereiche Bildung, Vermittlung und Öffentlichkeitsarbeit. Sie hat das dreitägige Bildungsprojekt mit der Überschrift „Anders jung sein in der DDR“ für die Delitzscher Gymnasiasten gestaltet.

Die Delitzscher Ehrenberg-Schüler der neunten Klassen besuchten unter anderem den Jugendwerkhof in Torgau und sprachen mit Zeitzeugen Alexander

Die Delitzscher Ehrenberg-Schüler der neunten Klassen besuchten unter anderem den Jugendwerkhof in Torgau und sprachen mit Zeitzeugen Alexander Müller. Dazu sollten sie auch ihren Wert von Freiheit in Bildern festhalten.

Um die Jugendlichen an das Thema heranzuführen, startete das Projekt mit dem Hörspiel "Klang der Diktatur", das sich mit der Umerziehungspraxis in den DDR-Spezialheimen auseinandersetzt, erklärt die wissenschaftliche Referentin. Um die gewonnenen Eindrücke nicht verpuffen zu lassen, entwarfen die Schülern im Anschluss "Freiheitsbilder". Mit diesen sollten sie ihren Wert von Freiheit zum Ausdruck bringen, sagt Rummel. Am Dienstag besuchten die Schüler dann den Jugendwerkhof in Torgau, um einen Einblick in den Alltag und das Leben im DDR-Erziehungssystem zu gewinnen.

Schüler sollen eigene Schlüsse ziehen

Dass die Folgen der Umerziehung über das Ende der DDR hinaus nachhallen, verdeutlichte am dritten Tag Alexander Müller im Zeitzeugengespräch. Er wurde 1969 im Erzgebirge geboren. Seine Mutter war eine alleinerziehende und freischaffende Künstlerin. Nach der Ausbürgerung des

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Liedermachers Wolf Biermann

wurde sie wie viele andere Künstler unter Druck gesetzt, ihre Selbstständigkeit aufzugeben. So wurde auch die Jugendhilfe auf Alexander Müller aufmerksam. Im Alter von elf Jahren wird er in ein Spezialkinderheim zur „Umerziehung zur sozialistischen Persönlichkeit“ eingewiesen. Von da an durchläuft er verschiedene Einrichtungen, auch den GJWH. In Torgau erlebt er ein neues Ausmaß an Gewalt: Müller wird durch Erzieher geschlagen, verbal erniedrigt, mit Essenszwang und -entzug bestraft.

Die Schüler haben mit dem Zeitzeugen Alexander Müller gesprochen

Die Schüler haben mit dem Zeitzeugen Alexander Müller gesprochen.

„Es ist wichtig, dass die Geschehnisse der DDR an der Oberfläche bleiben“, sagt Müller, „weil sie sonst so wieder geschehen würden. Das müssen wir uns heute klarmachen.“ Und er appelliert: „Die Demokratie muss erhalten werden – mit all ihren Fehlern.“

„Zuerst dachte ich, dass dieses Thema mich nicht wirklich ansprechen wird“, erklärt Schülerin Lilli am Projektende, „doch ich bin positiv beeindruckt. Vor allem von dem Gespräch mit Alexander, der trotz der schlimmen Erinnerungen darüber erzählt. Ich denke, dass so ein Gespräch sehr wertvoll ist, da nicht viele Leute darüber reden.“ Die Schüler sollen erkennen, „dass sie mitgestalten können, dass so ein Ort wie der geschlossene Jugendwerkhof nie mehr entsteht“, fasst Manuela Rummel zusammen.

Von Mathias Schönknecht

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