Passender Spender gesucht

Eilenburg: Hoffen auf Stammzellenspender für Thoralf – Registrierungsaktion am 10. Juli

Thoralf Titze aus Doberschütz mit seinen beiden Kindern. Im vergangenen Jahr wurde bei ihm Leukämie diagnostiziert.

Thoralf Titze aus Doberschütz mit seinen beiden Kindern. Im vergangenen Jahr wurde bei ihm Leukämie diagnostiziert.

Eilenburg. Als Thoralf Titze im vergangenen Jahr von einem Auslandseinsatz der Bundeswehr zurückkehrt, spürt er, dass etwas nicht stimmt. Dass er an Leukämie erkrankt ist, weiß er zu diesem Zeitpunkt noch nicht. Doch jetzt benötigt er eine Stammzellenspende, für die am 10. Juli eine Typisierungsaktion in Eilenburg stattfindet. Bisher ist kein passender Spender oder eine passende Spenderin gefunden worden. Doch zum Überleben benötigt Thoralf dringend seinen genetischen Zwilling.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

So läuft die Typisierung

Familie und Freunde haben die Aktion zusammen mit der Deutschen Knochenmarkspendedatei mbH organisiert. Sie findet am 10. Juli von 13 bis 17 Uhr in der Cafeteria des DRK-Pflegeheims in Eilenburg, Walter-Stöcker-Straße 8a, statt. Neben der Registrierung erwartet die Besucher ein buntes Rahmenprogramm. Über 50 freiwillige Helfende warten auf die hoffentlich vielen potenziellen Lebensretterinnen und Lebensretter. Wer gesund und zwischen 17 und 55 Jahre alt ist, kann sich registrieren lassen. Das geht einfach und schnell: Nach dem Ausfüllen einer Einverständniserklärung wird bei den Spendern ein Wangenschleimhautabstrich mittels Wattestäbchen durchgeführt, damit die Gewebemerkmale im Labor bestimmt werden können.

Plötzlich die Diagnose Leukämie

Damals spürte Thoralf Titze ein beklemmendes Gefühl in der Lunge, Nachtschweiß, Müdigkeit, Kopfschmerzen. Symptome, die er zunächst auf die Corona-Impfung zurückführt. „Nach dem Einsatz werden wir routinemäßig durchgecheckt“, erzählt Thoralf Titze. Bei einem Blutbild fällt auf: Die Blutwerte sind sehr schlecht. Nicht einmal 24 Stunden später befindet sich der 36-jährige Familienvater aus Doberschütz (Landkreis Nordsachsen) im Krankenhaus. Für ihn und seine Familie bricht eine Welt zusammen, als er die Diagnose erfährt: Leukämie.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Registrierungsaktion in Eilenburg

Thoralf Titze kann nur mit einer Stammzellspende wieder gesund werden. Wer gesund und zwischen 17 und 55 Jahre alt ist, kann helfen und sich am 10. Juli zwischen 13 und 17 Uhr in der Cafeteria des DRK Pflegeheims Eilenburg (Walter-Stöcker-Straße 8a) als potenzielle Stammzellspenderin oder potenzieller Stammzellspender bei der DKMS registrieren lassen. Auch Geldspenden werden benötigt, da der gemeinnützigen Gesellschaft allein für die Registrierung jeder Spenderin und jeden Spenders Kosten in Höhe von 35 Euro entstehen.

Die Registrierung geht einfach und schnell: Nach dem Ausfüllen einer Einverständniserklärung wird bei den Spendern ein Wangenschleimhautabstrich mittels Wattestäbchen durchgeführt, damit ihre Gewebemerkmale im Labor bestimmt werden können. Spender, die sich bereits in der Vergangenheit in der Datei registrieren ließen, müssen nicht erneut mitmachen. Einmal aufgenommene Daten stehen auch weiterhin weltweit für Patienten zur Verfügung.

Chemotherapie und Intensivstation

Daraufhin folgen drei Zyklen Chemotherapie. Titze leidet an der sogenannten akuten myeloischen Leukämie. Bei dieser, am häufigsten auftretenden Art, wird keine Bestrahlung eingesetzt. Der Patient erhält hochdosierte Medikamente, die gezielt das Wachstum von Leukämiezellen hemmen. Bei der dritten Chemotherapie kam es zu Komplikationen und Thoralf Titze erlitt eine Blutvergiftung. Für mehrere Wochen musste er auf die Intensivstation. „Wenn unter den strengsten Hygieneauflagen die Ehefrau noch auf die Intensivstation kommen darf – da macht man sich schon Gedanken“, erinnert er sich.

Am 23. Dezember – kurz vor Weihnachten – durfte Thoralf Titze schließlich nach Hause zu seiner Familie. Die Blasten, also die funktionsuntüchtigen Zellen, lagen weit unter fünf Prozent. Für den Moment schien alles gut zu werden. „Man geht immer davon aus, dass es einem gerade gut geht. Aber es schwingt auch immer mit, dass man eben fünf Jahre gesund sein muss, um als geheilt zu gelten.“

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Stammzellenspender gesucht

Jeden Monat werden routinemäßige Tests gemacht. Dabei werden unter anderem Gewebeproben aus dem Knochenmarkt genommen. Als dies im Mai geschieht, erhält Thoralf kurz darauf einen Anruf. Es gibt Auffälligkeiten, der Blutkrebs scheint zurück zu sein. Am 30. Mai kommt er in das St. Georg Krankenhaus Leipzig, um erneut eine Chemotherapie zu erhalten. Doch langfristig ist das keine Lösung. Thoralf braucht eine Stammzellenspende.

Einen Besucher darf Thoralf aktuell pro Tag empfangen. Sein Immunsystem ist schlecht, er darf nicht unter Menschen. Seine beiden Kinder hat er seit einem Monat nicht mehr gesehen, nur über Videotelefonie. „Wir haben gemerkt, dass die Besuche die Kinder immer aus der Routine herausreißen. Den Papa so zu sehen, mit den Schläuchen im Hals.“

„Er sagt immer nur, dass ich nicht sterben soll“

Tochter Enie ist gerade einmal vier Jahre alt, letzte Woche hatte sie Geburtstag. So ganz verstanden habe sie die Krankheit und deren Folgen noch nicht, sagt Titze. „Das letzte Mal hat sie mir zum Abschied in den Bauch geboxt und gemeint, damit ist der Krebs jetzt weg aus meinem Bauch.“ Der siebenjährige Sohn Til habe vieles aufgenommen und verstanden. „Er sagt immer nur, dass ich nicht sterben soll.“

Titzes Geschichte verbreitet sich in der Region rasch über Facebook und Instagram. Seine Frau Mandy berichtet darüber, dass er eine Stammzellenspende braucht und organisiert nun gemeinsam mit der DKMS eine Registrierungsaktion in Eilenburg. Thoralf Titze selbst hat „mit sozialen Medien nichts am Hut.“ Dass die Reichweite etwas bringt, sehe er aber nun ein. „Meiner Frau war das sehr wichtig. Sie hat jetzt das Gefühl, etwas tun zu können.“ Neben ihrem Job beim Deutschen Roten Kreuz, verwendet sie die restliche Zeit und Energie für die Suche nach potenziellen Spendern.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Lesen Sie auch

Die Suche nach der letzten Chance

Die Überlebenschancen sind bei jedem Leukämiepatienten sehr individuell, sagt Titze. Und selbst wenn er den richtigen Spender findet – die Heilungschancen liegen in den ersten zwei Jahren bei 50 Prozent. Falls sich kein passender Spender findet, hat er einen Plan B: „Meine Eltern würden infrage kommen, da hätte man circa 25 bis 50 Prozent Übereinstimmung. Das wäre mein Plan B und meine einzige Chance, falls sich niemand anderes findet.“

Einen kühlen Kopf bewahren – das hilft ihm, um nicht den Mut zu verlieren. „Als Soldat und auch als Familienvater habe ich gelernt, dass man es nur mit einem kühlen Kopf schaffen kann.“ Nicht alle können so optimistisch bleiben, wie er im Gespräch mit anderen Patienten gemerkt hat. Depressive Phasen hatte er bislang nicht. Nur wenn er an seine Kinder denkt, rollen manchmal die Tränen.

Thoralf und Mandy mit ihren Kindern Til und Enie. Für die Zukunft wünscht sich Thoralf mehr Zeit mit der Familie.

Thoralf und Mandy mit ihren Kindern Til und Enie. Für die Zukunft wünscht sich Thoralf mehr Zeit mit der Familie.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Wunsch nach mehr Zeit mit der Familie

Für die Zukunft hat er eigentlich nur einen Wunsch: Mehr Zeit für die Familie zu haben. „Da ist es auch völlig egal, was wir machen. Meine Frau würde gerne auf die Malediven, mir reicht es auch, auf der Terrasse zu sitzen und meinen Kindern beim Spielen zuzusehen.“

Thoralf Titzes großes Hobby ist das Reenactment von historischen Ereignissen.

Thoralf Titzes großes Hobby ist das Reenactment von historischen Ereignissen.

Und er möchte seinem großen Hobby wieder nachgehen, dem „Reenactment“. Mit einer Gruppe inszeniert er dabei geschichtliche Ereignisse aus den Jahren 1789 bis 1815. Kurz vor der Diagnose war er noch in Belgien zur Schlacht von Waterloo. Uniformen basteln, draußen schlafen, tagelang marschieren. Die Reise in die Vergangenheit mit Gleichgesinnten ist für ihn eine Auszeit in der Natur.

Wenn seine Blutwerte wieder besser sind, kann Thoralf Titze vielleicht für ein paar Tage nach Hause. „Die psychische Stütze, Zeit bei der Familie zu verbringen – das kann kein Krankenhaus liefern.“

Laden Sie sich jetzt hier kostenfrei unsere neue LVZ-App herunter:

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

– Für iOS

– Für Android

Mehr aus Eilenburg

 
 
 
 
 
Anzeige
Empfohlener redaktioneller Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt von Outbrain UK Ltd, der den Artikel ergänzt. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen.

 

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unseren Datenschutzhinweisen.

Spiele entdecken