Gedenkjahr „Dreißigjähriger Krieg“

Eilenburger Kantorei und Dübener Kurrende vereint in einem Konzert

Zwei Chöre vereint in einem Konzert: Die Eilenburger Rinckart-Kantorei und die Dübener Kurrende beim Konzert in der Eilenburger Stadtkirche. Ein Video finden Sie unter LVZ.de/Regional/Eilenburg.

Zwei Chöre vereint in einem Konzert: Die Eilenburger Rinckart-Kantorei und die Dübener Kurrende beim Konzert in der Eilenburger Stadtkirche. Ein Video finden Sie unter LVZ.de/Regional/Eilenburg.

Eilenburg. „Was, schon so voll?“. Mancher Besucher, der erst mit dem Glockengeläut von St. Nikolai zur Stadtkirche im Herzen Eilenburgs eilte, staunte nicht schlecht. Zwei bekannte Chöre der nicht immer nur befreundeten Muldestädte Eilenburg und Bad Düben vereint in einem besonderen Konzert: Das wollten sich viele Musikfreunde nicht entgehen lassen.

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400 Jahre Dreißigjähriger Krieg

Anlass für dieses ungewöhnliche Experiment: Das Gedenkjahr zu „400 Jahre Dreißigjähriger Krieg“ sollte mit dem Konzert am Samstagabend eröffnet werden. Aus gutem Grund, wie Initiator Günter Tempelhof in seiner Begrüßung sagte: „Musik gehörte für die Menschen der damaligen Zeit fest zu ihrem Alltag. Musik gab es sogar in den Zeiten des Krieges, unter den wechselnden Besetzungen der Städte durch fremde Truppen.“ Geistliche Musik half selbst das Grauen von Gewalt und Krieg zu überwinden – oder war zumindest einziger Trost und letzte Zuflucht in Zeiten des Schreckens.

Konzert in der Eilenburger Stadtkirche

Konzert in der Eilenburger Stadtkirche

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So war es nur schlüssig, dass Eilenburger Kantorei und Dübener Kurrende mit der protestantischen Glaubenshymne der Zuversicht schlechthin in den Konzertabend einstimmten: „Nun danket alle Gott“ von Martin Rinckart. Der Kirchenmusiker und Theologe, der Kriegsgrauen und Pesttod in Eilenburg hautnah erlebte, steht sinnbildlich für die Kraft des Glaubens in Zeiten der Not – und wurde genau deshalb als Gemälde im nahen Rinckart-Gymnasium zu DDR-Zeiten angstvoll und schamhaft verdeckt.

Gedenken, Erinnern, Aufrütteln – unter diesem Motto sieht Tempelhof das Gedenkjahr mit seinen zahlreichen Veranstaltungen und Sonderschauen in den Museen der Region, die demnächst beginnen. Kurrende und Kantorei hatten genau in diesem Dreiklang ein wunderbares Programm zusammengestellt. Im stillen Gedenken an die Opfer von Krieg und Verfolgung gelang beispielsweise das „Kyrie“ von John L. Bell. Aufrüttelnd dagegen der im Wechsel mit dem Chor gestaltete Gemeindegesang „Gib uns Frieden jeden Tag“. Dass Frieden keine Selbstverständlichkeit ist, daran erinnerte wiederum das fast flehentliche „Verleih uns Frieden gnädiglich“ von Felix Mendelssohn Bartholdy. Und wie Versöhnung gelingen kann, wenn Glaube die Friedensbotschaft trägt und nicht Abgrenzung schürt – das ließ sich am großartigen Schlussgesang „The lord bless you“ von John Rutter erfahren. Ein Gänsehautmoment und finaler Höhepunkt in einem herausragenden Konzert!

Applaus und Blumen

Dies lag neben einem starken Programm voller Trost und Erbauung vor allem an den glänzend eingestellten Chören. So harmonierten Kantorei und Kurrende beispielsweise bei Johannes Eccard „Wir singen all mit Freudenschall“ derart gut miteinander, als ob der gemeinsame Auftritt beider Chöre eher die Regel und nicht die Ausnahme ist.

Nach dem Schlussakkord gab es verdient Applaus und Blumen – für die beiden Kantorinnen Lena Rudies und Elisabeth Neumann, die sich das Dirigat teilten. Und für Sopranistin Susanne Ferl, die mit sehr schönem Solo zum Konzertbeginn faszinierte.

„Warum treten die beiden Chöre eigentlich nicht öfter gemeinsam auf?“, fragte eine Konzertbesucherin im Hinausgehen. Ja, warum eigentlich nicht? Zumindest hat der Auftritt in St. Nikolai Appetit auf eine Wiederholung gemacht. Vielleicht bei einem Abendsingen der Kurrende in Bad Düben.

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Von Olaf Majer

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