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Familienbetrieb in Krippehna


Wie eine 23-Jährige in Nordsachsen Landwirtin wurde – obwohl sie es nie wollte

Landwirtin Lydia Praters (links) vom Hof Prautzsch in Krippehna und Clara Thoma von der VRD-Stiftung für Erneuerbare Energien bei der Vorbereitung der Pflanzaktion.

Krippehna. Lydia Praters ist gerade einmal 23 Jahre jung und steht als Landwirtin bereits mit beiden Beinen fest im Beruf. Die junge Frau vom Landwirtschaftsbetrieb Hof Prautzsch in Krippehna führt gemeinsam mit ihrer Mutti Sylvia den ökologischen Landwirtschaftsbetrieb der Familie.

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„Uns gehören 180 Hektar Ackerland rund um Krippehna. Dort pflanzen wir Getreide wie beispielsweise Hafer und Gerste an, aber auch Erbsen und Lupinen. Dazu haben wir noch 25 Mutterkühe mit ihren Kälbern. Das sind dann so um die 80 Tiere“, erzählte Lydia Praters.

Neuntklässlerin Anni Törl half mit ihren Mitschülern der Schul-Arbeitsgemeinschaft „Ökologisch-Ökonomisch“ vom Evangelischen Schulzentrum bei der Pflanzaktion mit.

Auf keinen Fall wollte die Krippehnaerin nach ihrem Abitur am Eilenburger Martin-Rinckart-Gymnasium irgendetwas mit Landwirtschaft machen. „Zumindest habe ich das immer gesagt, wenn mich jemand nach meinem Berufswunsch gefragt hat. Landwirtschaft war so gar nicht mein Ding“, erinnerte sich Praters.

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Doch alles kam für die 23-Jährige anders als geplant. „Ich habe im Laufe der Jahre immer mehr auf dem Hof mitgeholfen. So langsam bekam ich dann Freude an dieser Arbeit. Also hab ich mich entschieden, Agrarwirtschaft in Dresden zu studieren. Bis heute habe ich das nicht bereut. Mittlerweile kann ich von ganzem Herzen sagen, das ist für mich der schönste Beruf der Welt“, schwärmt die junge Frau.

Feldarbeit live bei Instagram

Doch der Job verlangt der Krippehnaerin so einiges ab. Jeden Tag draußen. Bei Wind und Wetter. Doch Lydia Praters macht das nichts aus. Im Gegenteil. Oft nimmt sie ihre Social-Media-Gemeinde einfach mit auf das Feld. Dann postet sie ihre tägliche Arbeit gern auch mal bei Instagram. „Vielleicht begeistere ich damit andere junge Menschen, die dann vielleicht auch den Schritt in die Landwirtschaft gehen“, hofft Praters.

Mittlerweile kann ich von ganzem Herzen sagen, das ist für mich der schönste Beruf der Welt.

Lydia Praters

Hof Prautzsch in Krippehna

Der Tagesablauf ist exakt organisiert. Schon morgens, kurz nach sechs, geht es aus den Federn. Dann müssen erst die Tiere versorgt werden. Später wartet die Feldarbeit und je nach Saison die Ernte. „Wir sind auf dem Hof vier Leute. Meine Mutti und ich als sogenannter Zwei-Frauen-Betrieb. Dazu haben wir noch zwei Mitarbeiter.“ Doch immer wieder gibt es neue Dinge, die die 23-Jährige ausprobiert. So wie jetzt auf dem Ackerland vor Krippehna.

Landwirtin verbindet Ackerbau und Forst

Die junge Landwirtin hat sich entschieden, auf 22 Hektar ihrer Flächen ein sogenanntes Agroforstsystem umzusetzen. „Das ist eine Kombination von Wald und Ackerbau auf einer Fläche“, erklärt die Frau. Streifenweise werden dort über 1100 Gehölze wie Bergahorn, Erle, Esskastanien sowie Birnenbäume gepflanzt. Dazu kommen noch Buschwerk und weitere Pflanzen.

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Angepflanzt wird das alles auf insgesamt acht Streifen mit einer Länge von je 500 Metern sowie einem Abstand von 60 Metern zueinander. Neben der Wertholznutzung nach schätzungsweise 80 bis 100 Jahren, dienen die Bäume und Büsche als Windbremsung, schaffen wertvolle Biotope für Vögel, Kleintiere, Insekten und Wildpflanzen und erzeugen ein eigenes Mikroklima, was auf der gesamten Fläche die Luftfeuchtigkeit in trockenen Sommern steigen lassen kann. Dadurch will Lydia Praters ihre Landwirtschaft klimaresilienter gestalten.

Schülerinnen und Schüler der Arbeitsgemeinschaft „Ökologisch-Ökonomisch“ vom Evangelischen Schulzentrum Bad Düben halfen bei der Pflanzaktion mit. Bisher hat die Schule bei zahlreichen Pflanzaktionen schon rund 7000 Bäume gepflanzt.

„Es gibt noch nicht viele Menschen, die dieses System der Landnutzung kennen oder anwenden. Deswegen hoffe ich, damit noch besser in die Zukunft gehen zu können“, hofft Praters. Über die genauen Kosten will Praters nicht sprechen. Das Pflanzprojekt schlägt mit einer fünfstelligen Summe zu Buche, die komplett von der VRD-Stiftung für Erneuerbare Energien getragen wird.

Schüler aus Bad Düben unterstützen das Projekt

Hilfe bekam Lydia Praters bei der Pflanzaktion nicht nur von Familie und Freunden sowie Mitarbeitern der VRD-Stiftung für Erneuerbare Energien, sondern auch von elf Schülerinnen und Schülern des Evangelischen Schulzentrums in Bad Düben.

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„Wir gehören alle der Arbeitsgemeinschaft Ökologisch-Ökonomisch an. Solche Projekte sind unsere Praxis und es ist jedes Mal sehr spannend, was wir dabei machen. Das Beste ist, man lernt dabei jede Menge. Und ja, es ist auf jeden Fall besser als Matheunterricht“, lacht die 14-jährige Schülerin Anni Törl.

Glühweinnacht auf Hof Prautzsch

Traditionell laden Lydia Praters und ihre Mannschaft im Advent zur Glühweinnacht ein. Am 5. Dezember spielt ab 16 Uhr der Posaunenchor des Kirchspiels sowie der Chor „Musica Vokale“ Krippehna im alten Stall auf dem Hof.

Für die Kleinsten gibt es eine Bastelstube und die Hohenprießnitzer Landfrauen bieten Köstlichkeiten zum Mitnehmen an. Im Hofladen gibt es zudem Fleisch von den Weidekälbern und Wurst von den Angusrindern.

LVZ