Arche

Junge Syrer und der Arbeitsmarkt – Einblicke in Eilenburg

Dr. Fouad Rikabi erklärt, welche Herausforderungen kulturelle Unterschiede für die Integration darstellen.

Dr. Fouad Rikabi erklärt, welche Herausforderungen kulturelle Unterschiede für die Integration darstellen.

Eilenburg. Drei Jahre Ausbildung? Wozu soll das gut sein? In Deutschland gibt es das duale System, das Wissen in Theorie und Praxis zusammenführt. Es eröffnet berufliche Perspektiven und damit auch Verdienstmöglichkeiten. Doch wenn ein 18-jähriger geflüchteter Syrer seiner Familie erklärt, dass er eine dreijährige Lehrzeit für einen handwerklichen Beruf antreten will, kann es sein, dass er bei seinen Angehörigen wenig Verständnis und Anerkennung für sein Vorhaben erntet. „Was glauben Sie, wie oft ich auch per Skype überzeugen muss“, erzählte Fouad Rikabi in seinem Vortrag im Mehrgenerationenhaus Arche in Eilenburg. Der promovierte Pädagoge arbeitet bei der Kausa-Servicestelle Leipzig des Arbeit und Leben-Vereins, die sich um die Integration von Geflüchteten in den Arbeitsmarkt kümmert. Er vermittelt ständig zwischen den Kulturen. Und auch bei diesem Abend im Mehrgenerationenhaus hatten sich sowohl Besucher eingefunden, die mit der deutschen Kultur aufgewachsen sind, als auch Gäste, die noch nicht lange hier leben.

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Potenziale fördern

Fouad Rikabi zeigte noch einmal die Situation in Syrien auf, es sei damit zu rechnen, dass viele der Geflüchteten noch lange hier bleiben. Er verdeutlichte, warum Angehörige, die auf die jungen Menschen großen Einfluss haben, nicht verstehen, wozu die Anstrengungen der dreijährigen Ausbildung mit geringem Einkommen nötig sein könnte: Dieser Weg ist ihnen unbekannt. Salopp gesagt: Was sich zwischen dem Arztstudium und sofortigem Geldverdienen mit einem Helferjob abspielen könnte, darüber gibt es keine Vorstellungen und damit auch kaum moralische Unterstützung. Auf der anderen Seite dürften die Potenziale, die so viele junge Leute mitbringen, nicht brach liegen und in die falschen Bahnen kommen, so seine Mahnung.

Unterschiede

Er erklärte auch, was die deutschen Arbeitgeber erwarten: Sprachkenntnisse stehen dabei ganz oben im Ranking. Auch die Zuhörer hatten Fragen, so Bürgerpolizist Thomas Hanitzsch, der oft in Schulen Aufklärungsarbeit leistete. „Warum kommen Eltern oft nicht zum Elternabend? Die Kinder geraten oft in Konflikte zwischen den Kulturen.“

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Rikabi erklärte das mit der gewohnten Mentalität, das Meiste den Staat regeln zu lassen und erst zu reagieren, wenn eine Katastrophe eintritt. Archeleiterin Yvonne Pötzsch interessierte, wer tatsächlich Ansprechpartner in den Familien ist. Wie funktioniert Erziehung? „Die Frau hat Zuhause das Sagen. Der Vater leistet die Vertretung nach außen“, fasste Rikabi mit Humor zusammen. „Deshalb ist es immer besser, beide zu einem Gespräch einzuladen.“ Natürlich hatten auch die Besucher mit Migrationshintergrund ihre Fragen, die sie auch mit ihm direkt klären konnten, „denn fast alle wollen eine Ausbildung machen“.

Von Heike Liesaus

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