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Besuch

Landesbischöfin trifft Eilenburg und Düben auf Kirchgemeinden mit Zukunftssorgen

Landesbischöfin Ilse Junkermann (Mitte) besucht das Mehrgenerationenhaus Arche in Eilenburg. Leiterin Yvonne Pötzsch zeigt ihr die Einrichtung.

Landesbischöfin Ilse Junkermann (Mitte) besucht das Mehrgenerationenhaus Arche in Eilenburg. Leiterin Yvonne Pötzsch zeigt ihr die Einrichtung.

Eilenburg/Bad Düben.Zwei Muldestädte, zwei Kirchgemeinden, ähnliche Probleme – mehr darüber erfuhr Ilse Junkermann jetzt auf ihrer Reise zu Kirchen in der Region. Station 1 – das Mehrgenerationenhaus Arche Eilenburg. Interessiert lässt sich die Kirchen-Frau von Chefin Yvonne Pötzsch durch die Räume führen, besucht den Strickkurs, guckt beim Billard zu, informiert sich über Freizeitangebote. Junkermann ist beeindruckt ob des lebendigen Gewusels im einstigen, von Pfarrerin Angelika Schiller-Bechert gegründeten Arche-Treff, der zum Mehrgenerationenhaus gewachsen ist und allen Menschen offen ist – unabhängig von Alter oder Herkunft.

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Vakanz der Pfarrstelle nicht förderlich

Dann gibt es Kaffee und Kuchen und Zeit für Gespräche. Mathias Imbusch, Superintendent des Kirchenkreises Torgau-Delitzsch, ist da, ebenso Mitglieder von Förderverein, Gemeindekirchenrat und Diakonie. Es geht um die Arbeit der Arche, um das Zusammenwirken mit der Gemeinde, um Kirchenarbeit in Eilenburg. Junkermann hört viel über die Kinder- und Jugendarbeit, erfährt aber auch, dass es die klassische Christenlehre nicht gibt. Die Arche könne dabei vieles bewirken, ersetzen aber nicht.

Kein Zweifel, die Vakanz der Pfarrstelle wirkt sich nicht förderlich aus. Ilse Junkermann hat vom Weggang von Vikar Stephan Hoberg gehört, bedauert diesen. Mathias Imbusch erzählt von der Idee – ein Pfarrer für zwei Städte mit ähnlichen Interessenslagen. Eilenburg würde dem offener gegenüberstehen als Bad Düben. Argumente, warum das nicht gehen soll, habe er noch nicht gehört. Vorerst greift eine Vakanz, für fünf Jahre wird Authausen mit Pfarrer Andreas Ohle um Düben erweitert, Sprottas Pfarrerin Edelgard Richter betreut auch Eilenburg.

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Probleme im Alltag

Das ständige Hin und Her geht an der Gemeinde nicht spurlos vorüber. Es vergehe kein Tag, an dem sie nicht auf das Problem, aber auch die Verantwortung des GKR angesprochen werde, sagt Martina Colditz. Die Christenarbeit mit Kindern sei nur ein Thema. Sie versuche, die Menschen mitzunehmen: „Nicht nur meckern, mitmachen“, lautet dann ihr Appell. Sie weiß sehr wohl: Das Engagement der Mitglieder hat Grenzen. Die meisten seien berufstätig und zeitmäßig gebunden. „Ehrenamtler brauchen eine Rückkopplungsebene. Uns fehlt das Feedback, wo man sich abstimmen kann, was müssen wir in welchem Bereich machen. Die Vakanzregelung ist für viele zu abstrakt“, sagt Torsten Pötzsch. Die kontinuierliche Arbeit fehle, zu oft gab es in den letzten Jahren Wechsel, immer dann, wenn Verbindungen und Projekte aufgebaut waren. Der Wunsch nach einem Pfarrer ist umso drängender.

Eine Patentlösung hat die Landesbischöfin nicht. Da Thema aber will sie mit nach Magdeburg nehmen. Zum Schluss gibt es Geschenke: die Weimarer Kinderbibel für die Bücherregale der Arche, ein Modell der Hospitalkirche Delitzsch und ein Buch über Martin Rinckart für die Landesbischöfin.

Kirche soll nicht weiter schrumpfen

Andere Mulde-Stadt, ähnliche Probleme: Auch in Bad Düben traf die Magdeburger Bischöfin auf eine Gemeinde mit Zukunftssorgen. Für das Treffen wurde ein passender Ort gewählt: In der Evangelischen Grundschule bekam Junkermann einen Eindruck, wie Kirche heute neue Wege geht, aber auch an Grenzen stößt. Denn vieles steht und fällt mit dem Personal vor Ort. „Sie sehen hier viele engagierte Christen, die sich nicht damit zufrieden geben wollen, dass Kirche immer weiter schrumpft“, sagte Gemeindekirchenratsvorsitzender Wolfgang Rieger. Deshalb habe man nach anderen Möglichkeiten gesucht und den Förderverein der Gemeinde gegründet. Mit Spenden wolle man versuchen, die verbliebene halbe Pfarrstelle aufzustocken – aber auch insgesamt das Gemeindeleben zu stärken. Junkermann sympathisiert zwar mit der Fördervereinsidee, eine erhoffte Anschubfinanzierung wird es aus Magdeburg indes nicht geben. Stattdessen will die Bischöfin noch einmal prüfen lassen, ob die Gemeinde Bad Düben eventuell als Erprobungsraum in Frage kommt. Bei diesem Projekt der Landeskirche sollen neue Orte und Formen geistlichen Lebens getestet und wissenschaftlich begleitet werden. Dafür steht ein Fördertopf von insgesamt 2,5 Millionen Euro bereit.

Von Kathrin Kabelitz und Olaf Majer

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