Geburt

Klein-Hannes wurde per Hausgeburt zum echten Calbitzer

Katja Gaitzsch (l.) hat ihren Sohn Hannes mit Hilfe von Hebamme Anke Hübel daheim zur Welt gebracht. Dieses Ereignis verbindet die Frauen.

Katja Gaitzsch (l.) hat ihren Sohn Hannes mit Hilfe von Hebamme Anke Hübel daheim zur Welt gebracht. Dieses Ereignis verbindet die Frauen.

Calbitz. Hannes Gaitzsch ist ein echter Calbitzer. Und das im wahrsten Wortsinn, denn auf der Geburtskurkunde des kleinen Jungen, der am 12. September zur Welt kam, steht als Geburtsort Calbitz. Seine Mutter Katja Gaitzsch entschied sich bewusst, ihr Baby zu Hause zu entbinden. Dabei hatten sich die werdenden Eltern durchaus mit einer Klinikgeburt beschäftigt und sich zunächst dafür auch angemeldet. Seit vor zwei Jahren die Entbindungsstation in der Oschatzer Collm-Klinik geschlossen wurde, müssen Mütter in die umliegenden Krankenhäuser ausweichen. „Darauf hatte ich nicht viel Lust“, erinnert sich Katja Gaitzsch.

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Klein-Hannes am Tag seiner Geburt.

Klein-Hannes am Tag seiner Geburt.

Ihre Vorstellungen hätten sich im Laufe der Schwangerschaft, die unkompliziert verlief, entwickelt. Als Tierärztin hat die junge Frau einen eher unaufgeregten Blick auf das Naturereignis. Bei ihrer Arbeit hat sie oft erlebt, dass Haustiere wie Hund und Katze ihre Nachkommen gut allein auf die Welt bringen. Sie selbst habe sich eine natürliche Geburt ohne Eingriffe gewünscht. Eher zufällig habe sie im Gespräch mit einer anderen Mutter erfahren, dass ihre Hebamme Anke Hübel, bei der sie bereits einen Geburtsvorbereitungskurs angefangen hatte, Hausgeburten durchführt. „Wir haben uns sofort gut verstanden, und ich habe Anke absolut vertraut“, schwärmt Katja Gaitzsch von der professionellen Begleiterin, „da fiel die Entscheidung leicht“.

Sechste Entbindung vor Ort in diesem Jahr

Für die Hebamme, die seit der Schließung der Oschatzer Station freiberuflich arbeitet, war der kleine Hannes die sechste Entbindung vor Ort in diesem Jahr. Zulässig sei das nur, wenn die Schwangerschaft gesund verläuft und weder Mutter noch Kind krank sind. Auch Zwillingsschwangerschaften oder eine Beckenendlage würden eine Geburt daheim ausschließen. „Frühgeburten und Kinder, die deutlich über dem Termin sind, gehören ebenfalls in den Kreißsaal“, sagt sie. Dazu gehöre ein enger Kontakt zum behandelnden Arzt. „Ist ringsum alles in Ordnung, kann das Kind gut in gewohnter Umgebung zur Welt kommen.“ Gerade in den vergangenen Jahren habe immer mehr Technik in der Geburtshilfe Einzug gehalten, sie wolle aber den Frauen helfen, ihre Kinder natürlich zur Welt zu bringen.

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Hannes Gaitzsch kam als Hausgeburt zur Welt. Hier ist er einen Tag alt.

Hannes Gaitzsch kam als Hausgeburt zur Welt. Hier ist er einen Tag alt.

Rund 10 000 Hausgeburten werden jährlich in Deutschland registriert – in den vertrauten vier Wänden und mit einer Hebamme an der Seite, die schon während der Schwangerschaft mit Rat zur Verfügung stand. „Ein Vorteil bei einer Hausgeburt liegt darin, dass sich Mutter und Hebamme schon kennen“, weiß Anke Hübel, „da hat sich eine Beziehung entwickelt, während bei der Ankunft im Kreißsaal beide Seiten oft von Null anfangen. Nicht selten lassen die Wehen nach der Aufnahme auch erst einmal wieder nach.“ Dabei wolle sie die Risiken nicht schön reden und rate Frauen beim kleinsten Anzeichen von Komplikationen, in die Klinik zu gehen. „Wir Hebammen gehen mit den Gebärenden verantwortungsvoll um – egal, wo sie entbinden möchten.“

Meist würden sich Frauen wie Katja Gaitzsch für eine Geburt im eigenen Zuhause entschließen: Werdende Mütter, die sich damit auseinander gesetzt, ein gutes Körpergefühl und keine völlig romantische Vorstellung von der Entbindung hätten. „Ich hatte schon morgens Wehen, wollte aber so lange wie möglich alleine sein und meine Ruhe haben“, blickt die Calbitzerin zurück. Zweimal war Hebamme Anke Hübel da schon bei der werdenden Mutter, bevor sie am Nachmittag vor Ort blieb und um 16.59 Uhr half, Hannes auf die Welt zu bringen: 52 Zentimeter groß, 3900 Gramm schwer und gesund und munter. „Ich konnte bis dahin selber bestimmen, was ich mache und das tat mir gut. Es war alles so, wie ich es wollte“, versichert Katja Gaitzsch.

Regelmäßig zur Nachsorge im Haus

In den Tagen und Wochen danach war ihre Hebamme regelmäßig zur Nachsorge im Haus, Ehemann Frank und ihre eigene Mutter haben die junge Mutter auch nachts unterstützt. Mittlerweile hat sich das Leben der kleinen Familie eingespielt. „Hannes schläft nachts schon fünf Stunden durch und ist wie wir auch gerne an der frischen Luft, es läuft alles entspannt“, sagt die 32-Jährige. Der gute Kontakt zu ihrer Hebamme ist geblieben: Taucht eine Frage auf, ist Anke Hübel erste Ansprechpartnerin. Wie ihre Kolleginnen berät sie junge Mütter auch nach der Entbindung, bietet Kurse und Beratungen an. So könnten Frauen über ihre Krankenkasse eine Haushaltshilfe beantragen, weiß sie: „Das ist vor allem für Mütter mit mehreren Kindern nach der Geburt eine Unterstützung.“ Um überhaupt Entbindungen außerhalb des Kreißsaales anbieten zu können, habe sie sich selbst an Hausgeburtshebammen orientiert und noch einmal viel gelernt. Für die ersten so durchgeführten Geburten habe sie sich eine erfahrene Kollegin an die Seite geholt. Obwohl Hausgeburten für die Krankenkassen günstiger sind als eine Entbindung in der Klinik müssen Hebammen knapp kalkulieren. Mittlerweile werden über 7600 Euro jährlich allein für die Berufshaftpflicht fällig. „Dafür gibt es einen Sicherungszuschuss, so dass es für uns zumindest kein Minusgeschäft ist, aber um unseren Unterhalt bestreiten zu können, sind wir hauptsächlich auf die Einnahmen aus Kursen zur Geburtsvorbereitung, Rückbildung und der Nachsorge angewiesen“, sagt Anke Hübel. Junge Mütter wie Katja Gaitzsch finden das schade: „Eine Geburt ist so etwas Wichtiges im Leben von Mutter und Kind, dafür sollte jeder die beste Betreuung erhalten, ohne dass sich Hebammen oder Familien um die Kosten sorgen müssen.“

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Guter Start ins Leben

Der „echte Calbitzer“ Hannes jedenfalls hatte einen guten Start ins Leben, wofür seine Eltern Katja und Frank Gaitzsch dankbar sind. Für die junge Mutter steht nach der positiven Erfahrung außerdem fest: „Ich möchte auch mein zweites Kind hier zu Hause bekommen.“

Von Jana Brechlin

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