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Nachhaltige Forstwirtschaft

Wald am Collm ist jetzt Beispielrevier in Sachsen

Revierförster Mario Erdmann (r.) und Forstbezirksleiter Andreas Padberg im Wermsdorfer Fasanenholt, das ebenfalls zum Beispielrevier gehört. Dabei handelt es sich um den einzigen Bestand im Wermsdorfer Wald, in dem es nie Nadelholzkulturen gab. Heute entsteht hier ein Eichenbestand komplett aus natürlicher Verjüngung – also durch herabgefallene Samen.

Revierförster Mario Erdmann (r.) und Forstbezirksleiter Andreas Padberg im Wermsdorfer Fasanenholt, das ebenfalls zum Beispielrevier gehört. Dabei handelt es sich um den einzigen Bestand im Wermsdorfer Wald, in dem es nie Nadelholzkulturen gab. Heute entsteht hier ein Eichenbestand komplett aus natürlicher Verjüngung – also durch herabgefallene Samen.

Collm.Im Revier Collm wird mustergültig gearbeitet. Das hat der Forstbezirk Leipzig, jetzt sogar schriftlich. Denn Collm ist jetzt zum Beispielrevier für integrative naturgemäße Waldbewirtschaftung ernannt worden. Was das genau bedeutet, stellen wir hier auf einen Blick vor:

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Wer legt die Beispielreviere fest?

Ernannt wurden besagte Waldeinheiten von Forstminister Wolfram Günther (Grüne). Die Revierförster konnten sich dafür bewerben. Eine Kommission unter Leitung von Landesforstpräsident Utz Hempfling traf schließlich die Auswahl.

Wie viele solcher Beispielreviere gibt es insgesamt?

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2021 waren bereits 13 Beispielreviere ernannt worden. Jetzt kamen vier weitere hinzu. Neben Collm sind das die Staatswaldreviere Neukollm und Lohsa im Forstbezirk Oberlausitz sowie das Privat- und Körperschaftswaldrevier Oelsnitz, das zum Forstbezirk Plauen gehört. Die Ernennung gilt jeweils für fünf Jahre.

Revierförster Mario Erdmann (r.) und Forstbezirksleiter Andreas Padberg im Wermsdorfer Fasanenholt, das ebenfalls zum Beispielrevier gehört. Dabei handelt es sich um den einzigen Bestand im Wermsdorfer Wald, in dem es nie Nadelholzkulturen gab. Heute wachsen hier Eichen komplett aus natürlicher Verjüngung – also durch herabgefallene Samen.

Revierförster Mario Erdmann (r.) und Forstbezirksleiter Andreas Padberg im Wermsdorfer Fasanenholt, das ebenfalls zum Beispielrevier gehört. Dabei handelt es sich um den einzigen Bestand im Wermsdorfer Wald, in dem es nie Nadelholzkulturen gab. Heute wachsen hier Eichen komplett aus natürlicher Verjüngung – also durch herabgefallene Samen.

Was steckt hinter dem Begriff inte-grative naturgemäße Waldbewirtschaftung?

Dabei wird ständig auf natürliche Prozesse geachtet und der Naturschutz spielt eine große Rolle. Der Wald soll zu arten- und strukturreichem Mischwald umgebaut werden, der sich trotz Klimawandel behaupten kann. Dabei wird nicht nur auf Bäume, sondern auch auf eine Strauch- und Krautschicht sowie abwechslungsreiche Waldränder Wert gelegt. Pflanzenschutzmittel werden nicht eingesetzt. Ziel ist auch Erhalt und Renaturierung verschiedener Lebensräume, etwa von Mooren, mehr Totholz und Biotopbäume. Der Bodenzustand soll verbessert werden, zum Beispiel durch breitere Rückegassen, Humusaufbau und schonende Arbeitsverfahren.

Wird in den Beispielrevieren weiter gejagt?

Jagden finden dort auch in Zukunft statt und zielen vor allem auf waldverträgliche Schwarzwildbestände. Fachleute sprechen hier von Jagddruck. Der ist vor allem nötig, um junge Baumkulturen zu schützen – diese sind für die Tiere besonders appetitlich.

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Welche Aufgabe hat das Beispielrevier Collm in den kommenden fünf Jahren?

Hier sollen sich in dieser Zeit verstärkt Fachleute treffen und sich über Möglichkeiten des Waldumbaus und naturgemäßer Bewirtschaftung in der Praxis informieren. Außerdem werden die Orte zur Ausbildung von Forstleuten genutzt. Auch Workhops, Exkursionen und Führungen sind geplant. Die Angebote zielen auf Revierförster wie auch auf Waldbesitzer, Verbände, Unternehmen und interessierte Waldbesucher.

Welche Anforderungen erfüllt das Revier Collm im Wermsdorfer Wald schon jetzt?

Der naturnahe Waldumbau läuft bereits auf vollen Touren – beschleunigt durch trockene Sommer und Stürme in den vergangenen Jahren. Dabei wird mehr und mehr auf natürliche Verjüngung gesetzt. Eine starke Nachfrage erlebt das Angebot für Aus- und Fortbildungen. So gibt es seit Jahren eine Zusammenarbeit mit der Technischen Universität Dresden, Besuche von Förstern aus anderen Bundesländern und Exkursionen im Revier.

Welche Rolle spielt die Erholungsfunktion?

Eine große, schließlich ist der Collm mit dem Albertturm ein beliebtes Ausflugsziel. Deshalb hat der Sachsenforst auf dem Berg eigens eine Schutzhütte gebaut. Zudem engagieren sich Vereine und Ortschaftsräte beim Erhalt von Rastplätzen. Ziel ist zudem ein Wegekonzept für Premiumwanderwege, das in Zusammenarbeit mit der Gemeinde entstehen soll.

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Welche Maßnahmen zum Naturschutz im Wald gibt es?

Revierförster Mario Erdmann arbeitet zum Beispiel mit Ehrenamtlichen des Naturschutzbundes zusammen, etwa beim Springfrosch- oder Fledermausmonitoring. Für Fledermäuse wurden in den vergangenen Jahren rund 130 Kästen angebracht. Auch Streuobst- und Blühwiesen gibt es im Wermsdorfer Wald. Wie diese gelten auch die Strauchbepflanzungen an den Waldrändern als wichtige Maßnahmen zum Artenschutz.

Stimmen und ein Überblick zum Waldumbau am Collm

1994 hat Mario Erdmann als Förster das Revier Collm übernommen, das nun zum Beispielrevier ernannt wurde. Schon damals habe man sich Gedanken zur naturnaher Bewirtschaftung und zum Waldumbau gemacht, sagt er. „Das hat eine lange Tradition. Es gibt hier über hundert Jahre alte Versuchsflächen und andere Flächen, auf denen schon sehr lange Waldumbau stattfindet“, beschreibt er. Dabei setze man vor allem auf natürliche Verjüngung oder Saatkulturen. „Pflanzen, die daraus entstehen, sind von vornherein besser an die klimatischen Bedingungen angepasst“, begründet er.

Mario Erdmann leitet seit 1994 das Revier Collm.

Mario Erdmann leitet seit 1994 das Revier Collm.

Der Nadelholzanbau, der einst verfolgt wurde, weil viel schnell wachsendes Holz gebraucht wurde, sei schon 1920 im Wermsdorfer Wald eingestellt worden. Eine Aufforstung mit Kiefern erfolgte dann nochmals nach dem Krieg, weil auf insgesamt 100 Hektar sogenannte Reparationshiebe geleistet wurden. Dabei handelte es sich um eine angeordnete Holzernte, um Kriegsschuld zu begleichen.

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Fichte ist fast völlig verschwunden

Das hinterlässt deutliche Spuren: „1994 gab es im Revier rund 20 Prozent Fichte, heute gibt diese es nur noch vereinzelt“, so Erdmann. Etwa ein Drittel der Revierfläche sei noch Kiefer und werde bereits in artenreichen Mischwald umgewandelt.

Bestätigung für die Arbeit vor Ort

„Wir verfolgen hier immer schon einen integrativen Ansatz. Unser klares Ziel ist, dass der Waldumbau durch die Naturverjüngung eine eigene Dynamik erfährt“, sagt Forstbezirksleiter Andreas Padberg. Im Revier Collm finde das bereits vorbildlich statt. „Deshalb ist die Ernennung eine schöne Bestätigung der Arbeit. Das freut mich besonders.“

Sachsens Umweltminister Wolfram Günther (Grüne, links) und Forstdirektor Andreas Padberg bei einer gemeinsamen Pflanzaktion.

Sachsens Umweltminister Wolfram Günther (Grüne, links) und Forstdirektor Andreas Padberg bei einer gemeinsamen Pflanzaktion.

Minister Wolfram Günther bestätigt, dass dies beispielgebend für weitere Waldgebiete sein kann: „Unsere Wälder sind durch den Klimawandel und seine Folgen stark gestresst. Zu den dringlichsten Aufgaben zählen darum die Wiederbewaldung und Maßnahmen zur Naturverjüngung, um klimastabile, arten- und strukturreiche, leistungsfähige Mischwälder zu schaffen.“

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Von Jana Brechlin

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