Trinkwasser

Wasserverband Döbeln-Oschatz: Niedriger Mengenpreis, aber hohe Grundgebühr

Als Elektriker betreut Ronny Naake meherer Wasseerver- und entsorgungseinrichtungen beim Wasserverband Döbeln-Oschatz

Als Elektriker betreut Ronny Naake meherer Wasseerver- und entsorgungseinrichtungen beim Wasserverband Döbeln-Oschatz

Collm-Region. Die Sachsen verbrauchen täglich 86,3 Liter Trinkwasser. Damit liegen sie deutlich unter dem Bundesdurchschnitt von 121 Liter pro Person. Bei den Preisen für das kalte oder warme Nass liegt der Freistaat im bundesweiten Vergleich jedoch unter den teuersten Ländern: Laut aktueller Zahlen des Statistische Bundesamtes wird die jährliche Grundgebühr (114,21 Euro in Sachsen) nur in Thüringen überboten (126,07 Euro). Der Preis für einen Kubikmeter, also 1000 Liter Wasser (Sachsen: 1,92 Euro) ist hingegen in Hessen, Bremen, Thüringen, Berlin und Baden-Württemberg höher (1,98 bis 2,17 Euro).

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Collm-Region: Niedrigster Mengenpreis in Nordsachsen

Einwohner aus Oschatz und den umliegenden Gemeinden können sich zumindest in einer Hinsicht glücklich schätzen: Die Verbrauchskosten im Versorgungsgebiet des Wasserverbandes Döbeln-Oschatz (WVDO) sind im nordsachsenweiten Vergleich die niedrigsten. 1,63 Euro brutto zahlen Bewohner der Collm-Region für einen Kubikmeter Trinkwasser – zugleich einer der geringsten Werte in ganz Sachsen. Unterboten wird das nur noch in Görlitz (1,54 Euro) und im Weißeritztal (1,45 Euro).

Auf der Betriebskostenabrechnung macht der Mengenverbrauch aber nur einen Teil aus: Die zweite Hälfte macht die pauschale Grundgebühr aus. Hier hingegen zählt der WVDO mit monatlich 13,48 Euro landesweit zu den teureren Anbietern. Die günstigsten Anbieter sind die Zweckverbände Delitzsch-Rackwitz (7,38 Euro), Torgau-Westelbien (7,49 Euro) sowie die Stadtwerke Dresden (8,19 Euro) und Leipzig (8,25 Euro). Negativer Spitzenreiter: die Weißeritzgruppe mit einer monatlichen Grundabgabe in Höhe von 16,04 Euro.

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„Der Wasserverband hat sich bei der Entgeltkalkulation für ein ausgewogenes Verhältnis von Grund- und Mengenpreis entschieden, um die anfallenden Kosten zu decken und gleichermaßen dem per Gesetz geforderten Kostendeckungsgrundsatz gerecht zu werden“, erklärt Stephan Baillieu, Geschäftsführer des WVDO, das Zustandekommen dieser Kosten. Aufgrund des umfangreichen Anlagevermögens, das der Verband in Form von Wasserwerken, Pumpstationen und Versorgungsnetzen zu unterhalten habe, liegen die Fixkosten der Trinkwasserversorgung bei rund 80 Prozent. „Diese Kosten fallen unabhängig davon an, wie viel Trinkwasser die rund 100 000 im Verbandsgebiet lebenden Menschen verbrauchen. Mit dem Grundentgelt verfügt der Wasserverband über eine stabile Einnahmegröße, um die Trinkwasserversorgung sicherstellen.“ Der Mengenpreis falle aus diesem Grund verhältnismäßig niedrig aus.

Stabile Preis seit 2014 – neue Kalkulation 2019

Gleichermaßen eine Freude für die Verbraucher wie für den Verband ist die Tatsache, dass der Wasserpreis trotz Inflation und gestiegener Unterhaltskosten seit dem 1. Januar 2014 stabil geblieben ist – auch in 2018. Nach spätestens fünf Jahren jedoch müsse der Verband laut Kommunalabgabengesetz seine Preise zwangsweise neu kalkulieren. Dies wird zum 1. Januar 2019 geschehen. Wie sich die Preise entwickeln, dazu könne aktuell noch keine seriöse Aussage getätigt werden, so Baillieu. „Fakt ist, dass in diese Kalkulation viele Faktoren einfließen: Die notwendigen Investitionen in die Erneuerung und Instandhaltung von Netzen und Anlagen, die demografische Entwicklung in der Region und auch der Wasserverbrauch der Kunden.“

Ein weiterer Faktor: „Der Anstieg des Nitratgehaltes im Grundwasser wird bei den Entscheidungen zu Investitionen Berücksichtigung finden und sich damit auch in der Konzeption niederschlagen müssen. Das ist ein Thema, dass die Wasserversorger beschäftigt – im Sinne einer einwandfreien Trinkwasserqualität“, erklärt Baillieu. Im Versorgungsgebiet seien in der Vergangenheit in einigen Brunnen zwar steigende Nitrat-Belastungen gemessen worden, der Geschäftsführer gibt jedoch Entwarnung: Die ermittelten Werte liegen unter dem Grenzwert von 50 Milligramm je Liter. Dennoch werden die Werte – und damit wohl auf die Kosten – weiter steigen: „Das was jetzt gemessen wird, ist vor 50 Jahren auf den Feldern ausgebracht worden“, hieß es auf der Verbandsversammlung des WVDO Mitte Dezember.

Alternative Kostenmodelle für Verbraucher günstiger

Bundesweit stellt das Kostenmodell „Grundgebühr plus Mengenpreis“ das gebräuchlichste dar: In den deutschlandweit 13 140 Tarifgebieten lässt es sich bei 12 662 finden – das betrifft knapp 79 Millionen Verbraucher. Einige wenige Anbieter setzen jedoch auf andere Modelle: In 379 Tarifgebieten (1,4 Millionen Verbraucher) wird ausschließlich ein verbrauchsabhängiges Entgelt erhoben. Und in weiteren 99 Tarifgebieten (rund 13 000 Verbraucher) zahlen die Haushalte ausschließlich ein Grundentgelt. Wie aus Zahlen des Statistischen Bundesamtes von 2016 hervorgeht, zahlen die Verbraucher bei diesen beiden Modellen weniger als jene, die sowohl ein Grund- als auch eine Mengenentgelt zahlen: Beliefen sich die jährlichen Kosten hier auf 233 Euro, so musste die, die nur nach Menge abgerechnet werden, im Durchschnitt 179 Euro pro Jahr zahlen. Wer nur Grundgebühr zahlt, kam sogar mit 85 Euro im Jahr aus. Ob der WVDO möglicherweise die Option sieht, in Zukunft auf eines dieser Modelle umzusteigen? „Aus jetziger Sicht zeigt sich bezüglich der Siedlungsstruktur und der demografischen Entwicklung der Vergangenheit sowie der Zukunftsprognosen im Versorgungsgebiet des Verbandes, dass die bisher praktizierte ausgewogene Splittung der Kosten technisch sowie betriebswirtschaftlich richtig ist“, so Baillieu.

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Fazit

Wer sein Trinkwasser vom WVDO bezieht, zahlt zwar eine der höchsten Grundgebühren, dafür aber einen der niedrigsten Mengenpreise in Sachsen und Nordsachsen. Je mehr Personen also in einem Haushalt leben und je höher der Wasserverbrauch ausfällt, desto günstiger kommen die Bewohner der Collm-Region im Vergleich zu ihren Mitsachsen weg.

Von Christian Neffe

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