Oberschule mit neuem Projekt

Wermsdorfer Jugendliche lernen bald in Betrieben

Schulleiterin Kerstin Krause und Tobias Brion, bei Thiele Glas verantwortlich für die Ausbildung, wollen viele Schüler für die Berufe in Wermsdorf begeistern.

Schulleiterin Kerstin Krause und Tobias Brion, bei Thiele Glas verantwortlich für die Ausbildung, wollen viele Schüler für die Berufe in Wermsdorf begeistern.

Wermsdorf. In Zukunft tauschen die Wermsdorfer Oberschüler ihre Klassenzimmer gegen Arztpraxen, Werkhallen, oder Büros. Zumindest zeitweilig, denn ab dem neuen Schuljahr wird es für die Jugendlichen den Kurs „Lernen im Betrieb“ geben, für den sie regelmäßig praktische Erfahrungen in Firmen sammeln sollen. Auf diese Art sollen sich die Schüler mit mehr als 40 Berufsbildern allein in Wermsdorfer Unternehmen bekannt machen, mitarbeiten – und bestenfalls nach der Schule hier in die Ausbildung einsteigen. Firmen sollen so leichter Nachwuchs und junge Leute eine Perspektive in der Heimat finden.

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17 Betriebe sind dabei

Initiiert hat das Projekt Schulleiterin Kerstin Krause gemeinsam mit Unternehmern wie dem DPS-Geschäftsführer Hartmut Bruder oder Tobias Brion, Verantwortlicher für die Ausbildung bei Thiele Glas in Wermsdorf. 17 Betriebe – vom Handwerker über die Verwaltung bis zum Industriebetrieb – aus dem Ort sind mit im Boot und betreuen ab August Mädchen und Jungen aus der Oberschule. „Für Wermsdorf ist das eine gute Größe“, findet Tobias Brion, „wir haben einen Querschnitt durch alle Branchen erreicht. Das Baugewerbe ist genauso dabei wie sozial-medizinische Berufe oder der Fleischer aus dem Ort.“ Sie alle haben sich zunächst auf einer Berufsmesse präsentiert. „Obwohl es am Anfang Skeptiker gab, erleben wir auch viel Begeisterung. Bei der Messe sind wir regelrecht überrannt worden. Die Schüler waren schon zeitig da und haben sich zielgerichtet kundig gemacht“, beschreibt er. Zuvor habe es Informationen auf einem Elternabend gegeben.

Bewerbungsphase läuft

Nun läuft die Bewerbungsphase, bei der es nicht bei einem Schreiben an die Firmen bleibt, sondern auch Gespräche zwischen Unternehmern und Schülern geführt werden. „Bisher kennen das die Jugendlichen nur aus dem Unterricht, jetzt kommt es darauf an, wie sie sich im Gespräch präsentieren und sie erhalten auch Rückmeldung“, macht Schulleiterin Kerstin Krause deutlich. So manch einer werde wohl damit klar kommen müssen, eine Absage zu erhalten. „Wir haben mehr Bewerber als freie Plätze und müssen dann natürlich aussieben“, so Tobias Brion. Doch jeder habe die Chance, sich anderswo zu bewerben oder werde einem Unternehmen zugeordnet. „Es sollen alle künftigen Neuntklässler einen Platz für das Projekt in Unternehmen bekommen, auch die Hauptschüler“, versichert Kerstin Krause. Man habe sich bewusst für diesen Jahrgang entschieden, weil in der 9. Klasse die Berufsplanung bei den Schülern konkrete Formen annehme.

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Fortsetzung in den nächsten Jahren

Der Kurs „Lernen im Betrieb“ soll künftig 14-tägig stattfinden. Dafür würden Stunden des Fachs Wirtschaft/Technik/Hauswirtschaft sowie der Förderunterricht genutzt. Die Initiative soll in den Folgejahren fortgesetzt werden. Dieser Einsatz werde bewertet, machte Kerstin Krause klar. So werde es eine Abschlussarbeit geben, die die Betriebe zertifizieren sollen und eine Projektarbeit, für die es von der Schule Noten gibt. Die Berufsorientierung spiele eine große Rolle an der Wermsdorfer Oberschule, deshalb bleibe auch das reguläre Praktikum, für das die Neuntklässler zwei Wochen am Stück Betriebe besuchen, davon unberührt, so Krause.

Perspektive vor Ort für Schulabgänger

Man müsse sich als Unternehmen interessant machen, um Nachwuchs zu finden, weiß Ausbildungsleiter Tobias Brion: „Man kann keinen Praktikanten 14 Tage den Hof kehren lassen.“ Andererseits werde Jugendlichen oft suggeriert, dass sie sich derzeit ohne große Mühe den Traumberuf aussuchen können. „Ganz so einfach ist es auch nicht“, widerspricht er. Nach wie vor seien Interesse und Engagement Grundvoraussetzungen. Hapere es in der Schule, biete die Thiele AG Nachhilfe für ihre Azubis an. „Wer sich als Unternehmen engagiert, investiert in seine Zukunft. Wir alle brauchen künftig Mitarbeiter.“ Mit dem Projekt wolle man Jugendlichen aufzeigen, dass man für eine Ausbildung nicht nach Dresden, Leipzig oder Berlin müsse, sondern genauso gut vor Ort fündig wird, meint Brion. Er sehe die Aktion auch als sozialen Auftrag für die Region.

„Ich wünsche mir, dass die Jugendlichen erkennen, welche Möglichkeiten sie hier haben“, fügt Kerstin Krause hinzu. Die Kursteilnehmer hätten die Chance, sich zu beweisen und zu erfahren, das sie etwas können. „Ich freue mich sehr, dass die Unternehmer in Wermsdorf dabei so großartig mitziehen.“

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Sachsen fördert Initiative

Dieses Engagement wird vom Freistaat Sachsen honoriert: Der Förderverein Wermsdorfer Schulen hatte das Projekt unter dem Titel „Fit für die Ausbildung“ beim Wettbewerb „Ideen für den ländlichen Raum“ eingereicht und dafür 5000 Euro erhalten. Mit dem Geld soll die Umsetzung unterstützt werden, sagte Kerstin Krause an. Denkbar sei, mit den Mitteln nötige Schutzkleidung für den Praxisunterricht in den Betrieben anzuschaffen.

Von Jana Brechlin

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