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Entsetzen in Nordsachsen

Wolf reißt Hirschkuh und zwei Kälber im Tiergehege Schöna

Furchtbarer Anblick: Dieses Rotwild hat ein Wolf im Tiergehege Schöna (Nordsachsen) gerissen.

Furchtbarer Anblick: Dieses Rotwild hat ein Wolf im Tiergehege Schöna (Nordsachsen) gerissen.

Schöna.Entsetzen im kleinen Heidedorf Schöna (Gemeinde Cavertitz): Im Tiergehege des Ortes hat ein Wolf in der Nacht zum Mittwoch eine fünf Jahre alte Hirschkuh und zwei einjährige Hirschkälber (Rotwild) gerissen sowie ein weiteres Tier leicht an der Flanke verletzt. Eine weitere Hirschkuh war bereits zu einem früheren Zeitpunkt gerissen worden, von ihr war nur noch das Gerippe übrig.

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Mehrere Tiere fehlten

Als Mitglieder des Vereins „Tiergehege Schöna“ das Rotwild am Mittwochabend füttern wollten, wurden sie stutzig. Beim Durchzählen fehlten mehrere Tiere. „Ich bekam einen Anruf und war erst einmal geschockt“, sagte der Vereinsvorsitzender Steve Richter, der zu diesem Zeitpunkt in Berlin war. In dem weitläufigen Gehege am Ortsrand bot sich ein grausiges Bild: ein vollständig abgenagtes Gerippe, ein halbierter Hirsch und Tiere mit klaffenden Halswunden. „Der Wolf war wahrscheinlich nicht das erste Mal hier“, vermutet Richter im Hinblick auf das abgenagte Gerippe.

Wolfssicheren Zaun überwunden

Das Raubtier hatte sich unter einem zwei Meter hohen, als wolfssicher eingestuftem Maschendrahtzaun, durchgewühlt. Und zwar an der Seite des Geheges, die an den Wald in Richtung Reudnitz grenzt. Steve Richter ist nach der Wolfsattacke beunruhigt: „An unserem Gehege gibt es schließlich auch einen Kinderspielplatz“, sagt der Schönaer.

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„Ich kann diese Information bestätigen“, sagte am Freitag Peter Stracke, Pressesprecher des Landratsamtes Nordsachsen, auf OAZ-Anfrage. Zwei Mitarbeiter der Unteren Naturschutzbehörde seien am Mittwoch vor Ort in Schöna gewesen. Und sie seien sich nach Auswertung der Schäden am Rotwild und der Spuren relativ sicher gewesen: Der Verursacher war höchstwahrscheinlich ein Wolf.

Tierkadaver abgeholt

Die Tierkadaver wurden am Donnerstag abgeholt und zur Tierkörperverwertung transportiert.

Rico Philipp ist als Jäger im Revier Sörnewitz, Jagdbogen Schöna, mit den örtlichen Verhältnissen gut vertraut. „Dass hier ein Wolf unterwegs ist, haben wir schon seit längerer Zeit am Verhalten des Wildes bemerkt“, sagt er. Trotz hervorragender Eichelmast im vergangenen Jahr hätten Wildschweine verhältnismäßig wenig Fett angesetzt. Auch beim Rotwild würden ausgewachsene Tiere bis zu 20 Prozent weniger Gewicht als sonst auf die Waage bringen. „Weil die Tiere immer auf der Hetze sind“, begründet der Jäger diese Erscheinung. Seine Schlussfolgerung: „Das kann nicht so weiter gehen.“ Wenn nichts gegen die Wölfe unternommen werde, drohe das Ende für das Tiergehege in Schöna. „Die Leute machen das schließlich alles ehrenamtlich“, sagte Rico Philipp.

Wolf äugte wieder in Richtung Gehege

Als der Schönaer Jäger Donnerstagfrüh – also einen Tag nach dem Fund der toten Tiere – in Richtung des Waldrandes nach Reudnitz schaute, erhielten seine Befürchtungen neue Nahrung. „Dort stand etwa 200 Meter entfernt in der Morgensonne ein Wolf und äugte in Richtung des Tiergeheges.“ Bei dem Raubtier habe es sich um einen großen Rüden gehandelt, so Philipp.

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Im Tiergehege Schöna gibt es nach der Wolfsattacke laut Vereinschef Steve Richter an Rotwild nun nur noch einen Hirsch und drei Hirschkühe, neun Damwild-Tiere und auch noch mehrere Wildschweine – darunter einen Keiler, zwei Sauen und 14 knapp zwei Wochen alte Frischlinge. An die kleinen Wildschweine hat sich der Schönaer Wolf bisher nicht rangetraut.

Von Frank Hörügel

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