Interview mit der Schauspielerin

Annette Frier über das Tabuthema Organspende: „Eine sehr existenzielle Frage“

Die Schauspielerin Annette Frier.

Die Schauspielerin Annette Frier.

Viele Zuschauerinnen und Zuschauer kennen Annette Frier vor allem aus der „Wochenshow“ oder durch komödiantisch angelegte Rollen wie in „Danni Lowinski“ oder „Merz gegen Merz“. Dass die 48-Jährige aber auch in ernsthaften Rollen glänzen kann, zeigt sie im Organspendedrama „Leben über Kreuz“ (9. Mai 2022, 20.15 Uhr, ZDF).

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Frau Frier, warum ist Organspende für viele immer noch ein Tabuthema?

Die Frage nach einer Organspende ist eine sehr existenzielle Frage, sodass viele Menschen lieber einen großen Bogen darum machen. Und komplexe wissenschaftliche Erklärungen sind nicht unbedingt dafür gemacht, daran etwas zu ändern.

Und wie könnte ein TV-Film daran etwas ändern?

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Ich glaube, dass man die Menschen erreichen kann, wenn man unterhaltend aufklärt, ohne dabei moralinsauer oder pseudowissenschaftlich zu werden. Und das ist genau die Kompetenz, die wir als Filmemacher haben. Deshalb empfinde ich es als Privileg, bei diesem Projekt dabei zu sein.

Annette Frier (r.) und Ava Montgomery in einer Szene des Films „Leben über Kreuz“.

Annette Frier (r.) und Ava Montgomery in einer Szene des Films „Leben über Kreuz“.

Vor einer Überkreuzspende müssen Spender- und Empfängerpaar vor einer Ethikkommission glaubwürdig Sympathie füreinander bekunden. Ist das keine Farce angesichts der Not der Menschen?

Tatsächlich wollte ich zunächst gar nicht glauben, dass eine solche Kommission existiert. Man hat mir aber erklärt, dass erstens formale Gründe das notwendig machen. Ganz oben steht, dass man Organhandel verhindern will. Aber auch wissenschaftliche Erkenntnisse spielen eine Rolle. Man hat entdeckt, dass es – wie zum Beispiel bei einer Krebsbehandlung – enorm hilfreich bei der Gesundung ist, wenn jeder der vier von dem gesamten Prozess wirklich überzeugt ist. Das wird dann psychologisch sehr interessant.

Den eigenen Tod vorausschauend zu verhandeln ist keine Petitesse.

Würden Sie zustimmen, dass für viele trotz all dieser schwierigen Fragen die Beantragung eines Organspendeausweises ein kleinerer Schritt ist als eine Patientenverfügung?

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Da gebe ich Ihnen vollkommen recht. Ich glaube, das liegt daran, dass die meisten Organspende verstehen als die Spende eines Toten, der unerwartet aus dem Leben gerissen worden ist, während man bei Patientenverfügung darüber entscheiden muss, wann das eigene Leben beendet wird. Den eigenen Tod vorausschauend zu verhandeln ist keine Petitesse.

Haben Sie eine Patientenverfügung?

Mein Mann und ich haben schon vor einiger Zeit ein solches Schriftstück aufgesetzt, müssen es aber noch von einem Notar beglaubigen lassen. Allerdings haben wir uns das bereits im vergangenen Sommer vorgenommen.

„Leben über Kreuz“ thematisiert auch, wie schnell man andere Menschen kategorisiert und auch ablehnt.

Ich behaupte, dass sehr viele Menschen solche Situationen kennen. Es muss nicht das Tragen einer Funktionsjacke sein, wie im Film, auch ein Tattoo, ein Haarschnitt, Accessoires aller Art können zu vorschnellen Urteilen führen. Ich ertappe mich selbst immer wieder mal dabei, wenn ich das tue – um schon kurz darauf zu spüren, wie mir die Schamesröte ins Gesicht steigt.

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Haben Sie das Gefühl, dass sich in diesen Krisenzeiten viele noch mehr in ihre jeweilige Blase zurückziehen?

Eigentlich setze ich eher auf das Gegenteil. Dass je offensichtlicher die großen Probleme sind, wir alle enger zusammenrücken.

Sprechen aber viele Phänomene der vergangenen Zeit – von Corona-Leugnern bis zu Trump – nicht eine andere Sprache?

Es stimmt, dass wir immer empfindlicher geworden sind, und diese Empfindlichkeit hat zu einer Vorverurteilung anderer Lebensformen, Weltanschauungen et cetera geführt. Aber man muss auch sehen, dass unsere Welt gefühlt im Minutentakt immer komplexer wird. Das macht Angst. Umso wichtiger ist es jetzt, dass wir wieder miteinander sprechen und einander zuhören, und das, ohne bei Kritik gleich beleidigt zu sein. Es gibt nichts Schlimmeres als beleidigte Erwachsene. Zum Dialog gibt es keine Alternative. Gelingt er nicht, bedeutet das das Ende unserer Zivilisation.

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