In dieser Familie brodelt es gewaltig

Ein dunkles Geheimnis: das ARD-Drama „Auf dem Grund“

Anne (Claudia Michelsen) verzweifelt an der Verschlossenheit ihrer Mutter (Eleonore Weisgerber).

Anne (Claudia Michelsen) verzweifelt an der Verschlossenheit ihrer Mutter (Eleonore Weisgerber).

Nein, ein Mord geschieht in diesem Film nicht. Obwohl gleich zwei prominente ARD-Kommissarinnen, Claudia Michelsen (Magdeburger „Polizeiruf 110″) und Karin Hanczewski (Dresdner „Tatort“), in dem Familiendrama „Auf dem Grund“ mitspielen und sogar auf ungewöhnliche Art ermitteln. Die beiden sind die Töchter einer schwierigen und womöglich psychisch kranken Mutter (Eleonore Weisgerber), unter der die gesamte Familie leidet.

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Was sich genau hinter ihrem fast wahnhaften Verhalten verbirgt, das verrät der Film „Auf dem Grund“ erst nach und nach, daraus bezieht er dann auch seine Spannung, obwohl manch wichtiges Detail nicht immer ganz glaubhaft erscheint. Doch sehenswert ist Thorsten M. Schmidts Film (Drehbuch: Susanne Schneider, Astrid Ruppert) allein schon wegen seiner überzeugend agierenden Hauptdarstellerinnen.

Schauplatz ist eine schrecklich nette Familie. Wobei nett eigentlich nur der äußere Schein ist. Inge und ihr Mann (Michael Wittenborn) leben in einem schmucken Häuschen in der niedersächsischen Provinz, gedreht wurde unter anderem in Lehrte bei Hannover. Tochter Anne (Claudia Michelsen), Ex-Leistungssportlerin, ist Schwimmtrainerin und steht kurz vor einem großen Karrieresprung – allerdings geht ihr Mann fremd und will sich offenbar von ihr trennen. Ihre etwa zehn Jahre jüngere Schwester Miriam (Karin Hanczewski) spielt in einem Orchester und ist alleinerziehende Mutter einer Tochter, die wie einst Anne eine talentierte Schwimmerin ist.

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In dieser Familie brodelt es gewaltig

Alles scheint äußerlich in bester Ordnung zu sein. Doch im Inneren dieser Familie brodelt es gewaltig, es spielen sich kleinere und größere Dramen ab, jeder kämpft irgendwie gegen jeden. Und ein Familienfest wie jetzt der 65. Geburtstag von Mutter Inge ist für alle der blanke Horror. Genauso läuft dann auch diese Feier ab. Es kommt aus einem scheinbar nichtigen Grund zu einem Eklat. Inge, vollgepumpt mit Psychopharmaka, streitet sich heftig mit ihrer Tochter Anne und verlässt schließlich das Fest. Und der Rest der Familie schaut rat- und sprachlos zu, weiß nicht, wie er sich verhalten soll, und Inges Mann, ein ehemaliger Lehrer, flüchtet sich mal wieder beschwichtigend – wie so oft – in ein Bonmot eines großen Dichters und Denkers.

So geht das schon seit Jahren. Und man ahnt als Zuschauerin oder Zuschauer schnell, dass hinter dem Verhalten nicht nur von Inge ein dunkles Familiengeheimnis steckt. Ein vermutlich traumatischer Vorfall, über den keiner spricht, der vielleicht sogar verdrängend in Vergessenheit geraten ist, der aber dennoch das Verhalten der Betroffenen beeinflusst oder sogar bestimmt. Und zusammen mit Anne, die neben ihrer Mutter besonders körperlich und seelisch darunter leidet, geht der Film dann diesem Geheimnis auf den Grund.

Ängste und Halluzinationen

Anne leidet nämlich plötzlich wieder verstärkt unter Ängsten, die schon vor Jahren eine erfolgreichere Schwimmkarriere verhindert haben. Zuweilen hat sie sogar seltsame Halluzinationen, sieht dann beispielsweise merkwürdige Dinge am Grund des Schwimmbeckens – und will nun endlich wissen, was hinter alldem steckt. Und die Hartnäckigkeit, mit der Anne bei ihren Nachforschungen vorgeht, ist wirklich beeindruckend. Äußerlich ist sie stets unheimlich ruhig, agiert richtig cool, obwohl sie in Wirklichkeit äußerst aufgewühlt ist. Offenbar kann oder will sie nicht zu ihren starken Emotionen stehen. Und wie Michelsen das alles spielt, wirkt es sehr glaubhaft. Eine tolle schauspielerische Leistung, die allein schon das Einschalten lohnt.

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Unterstützt wird ihre Anne dabei auch von ihrer früheren Ärztin, die ihr eine Therapie empfiehlt. Und wie nach einem Handbuch der Familientherapie verläuft dann auch das letzte Drittel des Films. Ein Film, der vor allem aufklären und anregen will, sich, wenn nötig, rechtzeitig therapeutische Hilfe zu suchen. Das wirkt allerdings leider bisweilen dann doch auch ein wenig zu übertrieben lehrbuchhaft.

„Auf dem Grund“, ARD, Mittwoch, 23. März 2022, 20.15 Uhr, mit Claudia Michelsen und Karin Hanczewski

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