Wandel des russischen Präsidenten

„Er hat mich blank angelogen“: Kai Diekmann über Putin und dessen Machtspiele

Kai Diekmann (Archivbild)

Kai Diekmann (Archivbild)

Kai Diekmann, früherer Chefredakteur der „Bild“-Zeitung, ist dem russischen Präsidenten Wladimir Putin häufiger begegnet – allerdings veränderte sich das Verhältnis der beiden im Laufe der Jahre, wie der 57-Jährige in einem Interview mit der „Ostsee-Zeitung“ sagt. Diekmann berichtet von unterschiedlichen Erlebnissen mit Putin, über eines davon meint er rückblickend: „Er hat mich blank angelogen.“

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Die Aussage bezieht sich auf ein Interview, bei dem er Putin über ein Treffen mit Angela Merkel im Jahr 2007 befragte. Als die Kanzlerin Putin damals besuchte, ließ der seinen Labrador im Raum – obwohl er wusste, dass Merkel Angst vor Hunden hat. Diekmann fragte Putin, ob er von Merkels Angst vor Hunden nicht gewusst habe, was der verneinte. „Das ist natürlich totaler Bullshit, weil bei der Vorbereitung solcher Treffen diverse Informationen ausgetauscht werden, die von Bedeutung sind.“ Der russische Präsident habe Merkel schlicht einschüchtern wollen. Das sei eine Machtdemonstration gewesen.

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Diekmann trug Putins Badehose

Diekmann berichtet aber auch von vertrauensvollen Begegnungen: Einst habe er sich von Putin eine Badehosen geliehen hat, um mit ihm Schwarzen Meer zu schwimmen. Das war 2001, als Putin gerade mal ein gutes Jahr im Amt war. Der damalige „Bild“-Chefredakteur traf ihn zu einem Interview in dessen privaten Datscha in Sotschi. „Wir haben uns sehr ausführlich über die Anschläge in New York und seine Solidarität für den US-Präsidenten George W. Bush unterhalten. Für einen russischen Präsidenten war diese Haltung gegenüber Amerika sehr bemerkenswert“, so Diekmann.

Im Anschluss habe Putin ihm angeboten, schwimmen zu gehen. Als er meinte, keine Badehose zu haben, bot ihm der Präsident eine von ihm an – sie gingen schwimmen. „Auf die Veröffentlichung der Bilder habe ich aus Gründen der Eitelkeit damals verzichtet“, so Diekmann im Gespräch mit der „Ostsee-Zeitung“.

Diekmann spricht von „Putin eins und Putin zwei″

Heute wäre so etwas für ihn nicht mehr denkbar: „Der Putin, den ich 2016 getroffen habe, war ein anderer Putin, als der, den ich 2000 und 2001 getroffen habe – Putin eins und Putin zwei sozusagen.“ Früher sei er ein junger Präsident gewesen, der eine besondere Beziehung zu Deutschland gehabt hätte. Damals hätte der Kremlchef an das Bild vom gemeinsamen Haus Europa geglaubt, so die Überzeugung Diekmanns.

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„Putin zwei war bereits Kriegspräsident“

„Putin zwei war bereits Kriegspräsident und inzwischen ein erklärter Gegner des Westens, mit dem sich gemeinsames Schwimmen schlichtweg verboten hätte“, ergänzt Diekmann mit Blick auf die Kriege, an denen Putins Russland mitwirkte.

Mittlerweile gäbe es einen Putin drei, der unberechenbar sei: „Niemand weiß genau, wer eigentlich noch Zugang zu ihm hat. Welches Bild von der Realität hat er eigentlich? Das ist alles Kaffeesatzleserei“, so Diekmann. Doch wenn man Frieden in der Ukraine wolle, müsse man trotzdem versuchen, mit ihm im Gespräch zu bleiben.

RND/sf

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