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Münster-„Tatort“ über Alienverschwörung: Wie viele Menschen glauben an Reptiloide?

Professor Boerne (Jan Josef Liefers) und Kommissar Axel Thiel (Axel Prahl) hören aus Ihrem Versteck im Keller, wie sich Frau Mann und Herr Muster auf ihrer Suche immer weiter vorarbeiten.

Vorsicht, hier besteht Hitzschlaggefahr unterm Aluhut! Der zweite neue Münster-„Tatort“ im Jubiläumsjahr der seit 20 Jahren amtierenden Ermittler Boerne (Jan Josef Liefers) und Thiel (Axel Prahl) zählte zu den exzentrischsten der Reihe überhaupt. Reptiloide Außerirdische, Chipimplantate, Deepfakevideos, klandestine Messenger-Gruppen. Die wilde Verschwörungsfarce „Tatort: Propheteus“ wirft viele Fragen auf. Wir versuchen, die wichtigsten zu beantworten.

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Worum ging’s?

Um eine Gruppe Bowling spielende Verschwörungsgläubige, welche die „Versklavung und Ausrottung der gesamten Menschheit“ befürchten und „Kollaborateure der außerirdischen Besatzungsmacht“ zur Rechenschaft ziehen wollen. In diesem ziemlich wilden Kontext ereignen sich auf zwei Zeitebenen ein Mord an einem Mitglied der Gruppe sowie ein von einem Hund vereitelter Anschlagsversuch. Der Verfassungsschutz rückt an, Professor Boerne gerät unter Verdacht, und Kommissar Thiel wird das Fahrrad geklaut. Das komplette Münster-Chaos im Gewand einer Sci-Fi-Groteske.

Worum ging’s wirklich?

Aus der Perspektive von Kommissar Thiel: um eine schwer wahrnehmungsgestörte Gesellschaft, die in ihrer multimedialen Verlorenheit zwischen Wahn und Realität nicht mehr zu unterscheiden weiß. Aus der Perspektive von Professor Boerne: um die sich stetig verschiebenden Grenzen der Erkenntnis sowie die Möglichkeit, über außerirdisches Leben auf der Erde schon lange getäuscht worden zu sein. Der Rechtsmediziner lässt aufhorchen: Über die Jahrtausende seien „so viele Beweise verloren gegangen oder absichtlich vernichtet worden“.

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Reptiloidenverschwörung – wer glaubt denn an so was?

An eine Unterwanderung unserer Gesellschaften durch Reptiloide glaubt aber auch der Rechtsmediziner nicht wirklich – anders als die Antiverschwörungsaktivisten im Film. Reptiloide sind dabei keine Erfindung der „Tatort“-Macher (Buch: Astrid Ströher, Regie: Sven Halfar). Der Glaube an echsenartige Aliens, die in Menschengestalt die Machtzentren der Welt unterwandert haben, ist tatsächlich eine verbreitete Verschwörungserzählung.

Ihren Ursprung hat sie vermutlich in Robert E. Howards Sci-Fi-Kurzgeschichte „The Shadow Kingdom“ aus dem Jahr 1929. Seither geistert die Idee der geheimen Echsenunterjochung durch Serien wie „Star Trek“ und „Doctor Who“, aber auch durch Köpfe, die das Ganze bierernst nehmen. Unter Verdacht, als sogenannte Formwandlerinnen und Formwandler unentdeckt ihr Unwesen zu treiben, standen schon Persönlichkeiten wie Angela Merkel, die Queen, Donald Rumsfeld, Emmanuel Macron und frühere Papst Benedikt XVI.

Verbreitet ist der Glaube an so eine „verkleidete Elite“, die eine „neuen Weltordnung“ anstrebt, vor allem in Großbritannien, noch mehr aber in den USA. Nach Informationen der Bundeszentrale für politische Bildung glauben rund 4 Prozent der Amerikanerinnen und Amerikaner an die Schattenherrschaft der Reptiloiden.

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Wer spielte die beiden schrägen Verfassungsschützerinnen?

Sie sehen aus, als hätten die Coen-Brüder eine „Men in Black“-Neuauflage in Westfalen gedreht. Die beiden Verfassungsschützerinnen mit den Namen Muster und Mann gehören zweifellos zum Skurrilsten, das je durch einen „Tatort“ gelaufen ist. Verkörpert wird das Anzug tragende Pagenschnittduo von einem Geschwisterpaar: Die Zwillinge Daniela und Melanie Reichert sind 34 Jahre alt, stammen gebürtig aus dem Münsterland und werden in Film und Fernsehen nicht selten im Doppel gebucht. Zuletzt etwa für die Erfolgsserie „Babylon Berlin“.

Auch Frau Mann (Daniela Reichert) und Herr Muster (Melanie Reichert)  stellen in dem Fall des ermordeten Programmierers Magnus Rosponi eigene Ermittlungen an. Offenbar im Auftrag des LKA.

Auch Frau Mann (Daniela Reichert) und Herr Muster (Melanie Reichert) stellen in dem Fall des ermordeten Programmierers Magnus Rosponi eigene Ermittlungen an. Offenbar im Auftrag des LKA.

Was soll uns die Schlussszene mit dem Hund sagen?

Der heimliche Star des Münster-„Tatorts“ kam auf vier Pfoten: Jack-Russell-Terrier „Banane“ rettet Boerne und Thiel das Leben und ist auch sonst eine tatkräftige Hilfe, den Fall zu lösen. Am Ende verlässt der Hund die Szenerie so obskur, wie er sie betreten hat: Er läuft ans Ende der Bowlingbahn, eine blauer Blitzschlag – und weg ist er!

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Was uns dieses Filmende mit in die Nacht geben soll? Vielleicht dann doch die augenzwinkernde Behauptung außerirdischer Umtriebe auf der Erde? Vermutlich. Vor allem aber darf man Jack-Russell-Terrier „Banane“ als Filmzitat verstehen. In den Sci-Fi-Komödien der „Men in Black“-Reihe gibt es den berühmten Mops Frank, einen Zigarre rauchenden Agenten im Schoßhundformat. Auch die „Men in Black“-Filme mit den Hollywoodstars Will Smith und Tommy Lee Jones handeln von Außerirdischen, die in Menschengestalt unerkannt unter uns leben.

Bei so viel Zitierlust darf man das geseufzte Schlusswort der Staatsanwältin Klemm (Mechthild Großmann) glatt als Eingeständnis werten: „Ihr habt alle zu viel ferngesehen.“ Der Satz stimmt ja ohnehin in fast jeder Lebenslage. Mit diesem wie auf Droge irrlichternden Jubiläums-„Tatort“ machte man trotzdem nicht viel falsch.

RND/Teleschau

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