Peter Kurth: „Ich halte mich von sozialen Medien fern“

Peter Kurth stellt die Serie „Glauben“ in Cannes vor.

Peter Kurth kennt man als „Tatort“-Kommissar, als Ermittler in „Babylon Berlin“. In der Miniserie „Ferdinand von Schirach: Glauben“ (ab 4. November bei RTL+) hat er auf die Seiten der Juristen gewechselt und spielt den Strafverteidiger Dr. Richard Schlesinger, der für die Unschuld seines Mandanten in einem schwierigen Prozess kämpft.

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Muss man heruntergekommene Typen wie Ihren Boxer „Herbert“, Kommissar Wolter in „Babylon Berlin“, oder jetzt den Anwalt Schlesinger in „Glauben“ selbst fühlen, um sie glaubhaft zu machen?

Um das zu beantworten, müsste ich jetzt mehr aus dem Nähkästchen plaudern, als ich möchte. Man kann das nicht so ohne Weiteres erklären.

Dachten Sie denn, als man Ihnen diese Figur hier angeboten hat: ach, nicht schon wieder so ein vom Leben gezeichneter Typ?

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Nein. Entweder ist es ein gutes Drehbuch, das mich interessiert, weil sich die Geschichte mit der Zeit auseinandersetzt, oder es ist kein so gutes Drehbuch. Mehr ist für mich nicht von Interesse, um eine Rolle anzunehmen.

Sie fanden das Thema organisierter Kindesmissbrauch in diesem Fall also interessant, obwohl das Fernsehen so voll davon ist, dass es jeder Kriminalstatistik widerspricht?

Ja. Zum einen bezweifle ich, dass Sie mit dieser Aussage recht haben. Zum anderen finde ich nicht, dass eine Fernsehserie der geeignete Ort ist, über realistische oder unrealistische Abbildungen der Kriminalstatistik zu diskutieren. Außerdem geht es in „Glauben“ gar nicht so vordergründig um Kindesmissbrauch, sondern darum, unserer Gesellschaft einen Spiegel vorzuhalten, wie schnell sie zu urteilen bereit ist, vor allem falsch zu urteilen. Wie wir gerade im Zeitalter sozialer Medien also mit Denunziation und Lügen umgehen, mit falschen Verdächtigungen und Ängsten.

Wie gehen Sie selbst als Objekt und Subjekt sozialer Medien denn damit um?

Indem ich mich persönlich davon fernhalte, weil sie weder für mich privat noch für meine Arbeit irgendeine Relevanz haben.

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Sie erleichtern aber die Kommunikation enorm.

Natürlich, deshalb bin ich auch kein erklärter Gegner sozialer Medien; zumal sich dieses Rad des technischen Fortschritts ohnehin gar nicht mehr zurückdrehen lässt. Ich nutze sie nur nicht persönlich und würde mir wünschen, dass es da mehr Regulierung gibt, um zumindest die allerübelsten Auswüchse zu verhindern und womöglich sogar eine Art verbindlicher Etikette zu etablieren.

Sind Sie denn guter Dinge, dass sich die Büchse der Pandora von Hass und Hetze wieder schließen lässt?

Sagen wir’s so: Ich möchte gern guter Dinge sein.

Hat die Serie den Anspruch, über die Folgen sozialer Medien aufzuklären und damit also Gutes zu bewirken?

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Wenn die Kunst mit so einem Anspruch antritt, hat sie im Grunde schon verloren.

Erklären Sie damit nicht politische Künstler wie Berthold Brecht oder Kurt Tucholsky zu Verlierern, weil ihre Werke voll von aufklärerischem Anspruch sind?

Wir reden doch nicht von der Zeit, in der Brecht und Tucholsky gearbeitet haben, wir reden doch von heute! Aber natürlich darf eine Serie wie die hier eine Botschaft haben, sonst würde ich daran ja gar nicht mitarbeiten. Mit einer Fiktion Gefahren aufzuzeigen, darf durchaus dorthin führen, Dinge besser zu machen, aber nicht als konkreter Anspruch, sondern allenfalls in Form von Utopien. Denn natürlich möchte ich, dass meine Arbeit etwas erreicht, etwas bewirkt.

Wenn Sie zwei gleich interessante Angebote kriegen, die sich zeitlich ins Gehege kämen – wählen Sie dann das einflussreichere, wirksamere?

Im Zweifel ist mir etwas politisch Relevanteres natürlich lieber.

Gibt es etwas, das Sie unglaublich gerne mal spielen würden, Ihnen bislang aber noch nicht angeboten wurde?

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Sie meinen jetzt vermutlich Komödien. Davon abgesehen, dass ich sowohl am Theater als auch im Fernsehen schon welche gespielt habe, scheue ich mich aber gerade, das zu sagen. Ich warte einfach darauf, was kommt und nehme das Beste.

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