Prequels, Sequels, Neuauflagen – Wenn alte Heldinnen und Helden wiederkehren

Da schau mal einer an: Luke Skywalker (Mark Hamill) ist Jahrzehnte nach „Die Rückkehr der Jedi-Ritter“ in „Die letzten Jedi“ ein Einsiedler geworden wie einst sein Lehrmeister Obi-Wan Kenobi. Rey (Daisy Ridley) will ihn zu neuen Heldentaten animieren – die dunkle Seite der Macht gewinnt wieder Oberwasser.

Drei von vier Ladys kehren 17 Jahre nach „Sex And The City“ zurück – nur Kim Cattrall ist nicht an Bord. Keine schlechte Ausbeute. Dabei ist „And Just Like That“ nicht das erste Wiedersehen mit dem Damengespann aus New York (The City), das uns zum Millenniumswechsel unverblümt verriet, was wir schon immer über Botoxlippen und Intimrasuren wissen wollten. Schon vier Jahre nach dem Serienstopp kam der erste (einzig passable) von zwei Filmen (der zweite kam nur noch auf eine Wertung von 4,5/10 bei IMDB), der Fans frisches Futter gab.

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Sexkolumnistin Carrie (Sarah Jessica Parker) entschloss sich damals im Kino, sich von ihrem Dauerlover Mr. Big nun doch vor den Traualtar führen zu lassen – was sich schwieriger gestaltete als erwartet. Miranda (Cynthia Nixon) erfuhr von den Seitensprüngen ihres Steve. Die einstige Dildoanbeterin Charlotte (Kristin Davis) war guter Hoffnung. Und Samantha (Kim Cattrall) ging weiter auf die Jagd nach attraktiven Männern. Alles toll, und doch passierte nichts Neues – sie waren im Grunde dieselben geblieben, einzig Sarah Jessica Parker beschrieb ihre vier Jahre ältere Carrie als „etwas nachdenklicher“. Das ist jetzt anders. 17 Jahre später sind aus den Boutiquenstürmerinnen Mittfünfzigerinnen geworden. Eventuell mittlebenskriselnd. Das könnte interessant werden.

Fortsetzungen mit Originaldarstellern sind nichts Neues

Nicht zum ersten Mal kramen Fernsehen (und Kino) alte Helden hervor. Der deutsche Regisseur und Autor Edgar Reitz wurde 1984 für seine Serie „Heimat – Eine deutsche Chronik“ gefeiert (der Regisseur sprach trotz monumentaler Länge und vieler Episoden stets von einem Film) und führte die Geschichte der Hunsrücker Familie Simon, speziell des musisch begabten „Herrmännchen“ 1992 („Die zweite Heimat“) und 2004 bis zur Wiedervereinigung (“Heimat 3″) fort. Ein Lebensprojekt.

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Ein Liebesprojekt war die „Before …“-Filmtrilogie von Richard Linklater. 1995 kamen der Amerikaner Jesse (Ethan Hawke) und die Französin Celine (Julie Delpy) in „Before Sunrise“ in Wien nicht zusammen. Als romantisch gesinnter Zuschauer hoffte man auf ein dauerhaftes Miteinander der reiferen Protagonisten beim Wiedersehen in Paris in „Before Sunset“ (2004). Und musste 2013 in „Before Midnight“ erfahren – Céline und Jesse hatten inzwischen Zwillinge – dass auch diese wunderbare Filmliebe auf dem Prüfstein musste. Großer Seufzer.

Nicht immer ist das Wiedersehen mit alten Helden großartig

Originaldarsteller sind authentischer. Nicht immer sind solche Wiedersehen aber so großartig, wie man sie sich erhofft hatte. Was vor allem dann der Fall ist, wenn sich die Drehbuchautoren zu sehr darauf verlassen, dass ikonische Charaktere Selbstläufer sind. Zwar war es durchaus erhebend, 32 Jahre nach „Die Rückkehr der Jedi-Ritter“ die Originalschauspieler Harrison Ford, Carrie Fisher und Mark Hamill in „Das Erwachen der Macht“ (2015) als gealterte Weltraumreckinnen und -recken Han Solo, Prinzessin Leia und Luke Skywalker zu erleben. Aber die Auftritte der „Star Wars“-Stars konnten nicht verhehlen, dass die dritte Trilogie der Saga die erste als Storysteinbruch betrachtete und keine Sternstunde der Drehbuchkunst war.

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2016 kamen nach neun Jahren Pause die „Gilmore Girls“ zurück – mit den gealterten Lorelai (Lauren Graham) und Rory (Alexis Bledel). Auch wenn es nicht mehr ganz so muckelig zuging, und auch wenn Melissa „Sookie“ McCarthy nicht mehr in Stars Hollow wohnte – schön war es doch.

Mit der zehnten und elften Staffel des Science-Fiction-FBI von „Akte X“ samt Gillian Anderson als Agentin Dana Scully und David Duchovny als Agent Fox Mulder machte man Altfans trotz wechselnder Qualität der Folgen eine Freude.

Laura Palmer sagte zu Dale Cooper: „Wir sehen uns in 25 Jahren ...“

Und im Mai 2017 kehrte David Lynchs Mysterythriller „Twin Peaks“ mit einer dritten Staffel auf den Bildschirm zurück – jene paranormale Thrillerserie, die als Großmutter allen gegenwärtigen Qualitätsfernsehens betrachtet wird. „See you again … in 25 years“, hatte Laura Palmer schon 1990 zu Special Agent Dale Cooper gesagt. Und da waren sie wieder: Kyle MacLachlan und Sheryl Lee. Hach!

Für Roseanne Barr dauerte die Wiederkehr in der Comedyserie „Roseanne“ nach 20 Jahren Pause nur eine Saison. Rassistische Tweets brachten ihr den Rauswurf beim Sender ABC, seither führt John Goodman als Familienoberhaupt Dan das Sequel des Sequels unter dem Titel „Die Conners“ weiter. Und Barr betätigt sich im wahren Leben als Corona-Verschwörerin im „Querdenken“.

Die Nummer Sicher – Das Kino schnappte sich alte Filme

Seriencomebacks laufen – weil sich auch die Bildschirmtraumfabriken nicht 20 neue Stoffe pro Tag ausdenken können, greift man dort längst auf Bewährtes zurück. Alte Titel bedeuten für den Zuschauer vertraute Figuren in lieb gewonnenen Kosmen – man möchte doch wissen, wie das Leben ihnen mitgespielt hat. Der Hersteller kann das Originalpublikum mit Nostalgie ködern, und neugierige oder kenntnisfreie Spätergeborene dazugewinnen. Das wurde lange auch im Kino praktiziert – mit meist neuen Darstellern in oft lieblosen, wiewohl hochbudgetierten Filmversionen von Serien: „Starsky & Hutch“, „Mit Schirm, Charme und Melone“, „Mini-Max“, „Drei Engel für Charlie“ oder „Codename U.N.C.L.E.“ Die meisten kamen zu Recht nicht über einen Film hinaus.

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Umgekehrt fanden sich Filmkultfiguren mit ihren Jugendabenteuern im Fernsehen wieder. Der „junge Indiana Jones“ (1992 – 1996) bewies eigentlich nur, dass er schon immer ganz der alte Draufgänger war. Der junge Norman Bates aber zeigte in „Bates Motel“ (2013 - 2017) einer in unsere Gegenwart verlegten Vorgeschichte von Alfred Hitchcocks Kultthriller „Psycho“ (1960) nuanciert, wie das 18-jährige Muttersöhnchen Norman Bates seiner Monsterwerdung entgegen strebte. Norman (Freddie Highmore) und Mama Norma (Vera Farmiga) hatten sich dabei in einer Stadt niedergelassen, die mindestens so gestört war wie David Lynchs Twin Peaks. Die Serie hätte Hitchcock gewiss gefallen.

Und möglicherweise hätte ihm auch Morgan Dexter gefallen, der Serienmörder von Serienmördern, den seine Fans Anfang November dieses Jahres nach acht Jahren Serienpause im verschneiten Upstate New York (statt im sonnengefluteten Miami) antrafen. In „Dexter: New Blood“ ist der ewig jungenhafte Michael C. Hall in der Titelrolle unter anderem Namen ein braver, allseits geachteter Mitbürger, der glaubt, seine Mordlust unter Verschluss halten zu können. Glauben heißt nicht wissen – natürlich fließt wieder Blut.

Heimlich guckten bei Carrie & Co. auch Männer zu

Und nun also „And Just Like That“. In Deutschland warten Millionen Frauen auf die HBO-Serie, insgeheim auch Zigtausende Männer, die damals unter ihresgleichen der Originalserie spotteten, aber unbeaufsichtigt eben doch Pro 7 guckten – und dabei nie zugegeben hätten, wie viel sie mittels dieser frivolen Serienheldinnen über das andere, vermeintlich undurchschaubare und verbal gar nicht so zarte Geschlecht lernten. „Sex And The City“ war nix für Leute aus Prüdhausen, die Generation Klartext sprach aus, was sie unter der Gürtellinie bewegte. Zudem war die Serie eine frenetische Anhimmelung des Materialismus. Gefühlt alle fünf Minuten erschien Carrie in neuer Garderobe. Zwischen Penthouse, Restaurant und Shop-Hopping bewegten sich die Luxusfrauen, alles war so durchgestylt, dass man grün vor Sozialneid werden könnte.

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Hat sich daran was verändert? „Das Leben ist voller Überraschungen“, heißt es im Trailer zu „And Just Like That“. Lassen wir uns am 9. Dezember also überraschen.

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