Rot-Roter Zoff bei Anne Will

Gut vier Wochen vor der Bundestagswahl drehte sich bei „Anne Will“ alles ums Thema Gerechtigkeit. Die Diskussion wurde zum Schlagabtausch zwischen zwei Teilnehmern.

Gut vier Wochen vor der Bundestagswahl drehte sich bei „Anne Will“ alles ums Thema Gerechtigkeit. Die Diskussion wurde zum Schlagabtausch zwischen zwei Teilnehmern.

Berlin. Wow, soziale Gerechtigkeit! Soziale Gerechtigkeit? Hatten wir die nicht schon? Als letzten Strohhalm für Kanzlerkandidaten, denen nichts mehr einfällt? Als Endlosschleife in Fragerunden?

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Egal. Anne Will wollte es trotzdem noch mal wissen: Ist Deutschland sozial tatsächlich so ungerecht, wie SPD und Linke behaupten? Eine Antwort darauf gab es keine. Dafür aber das ultimative Zerwürfnis.

Das nennt man dann wohl ungerecht. Nach einer Dreiviertelstunde durfte Nordrhein-Westfalens Regierungschef Armin Laschet (CDU) endlich mal was sagen. Auch wenn ihm dann wenig einfiel; ausgerechnet in einer politischen Talkshow; an einem Sonntagabend; vier Wochen vor der Bundestagswahl - eigentlich die Höchststrafe für einen Politiker.

Scholz und Wagenknecht zoffen sich

Hätten da nicht zuvor Hamburgs Erster Bürgermeister Olaf Scholz (SPD) und Linken-Spitzenfrau Sahra Wagenknecht mehr als eine halbe Stunde lang die Alleinunterhalter gespielt. Wie die Kesselflicker stritten sich die beiden.

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So sehr, dass es am Ende nicht mehr um die Frage nach der sozialen Gerechtigkeit ging, sondern darum, wem von beiden die Deutungshoheit über dieses so urlinke Thema obliegt. Da konnte es letztlich wohl auch Laschet verkraften, dass ihm an diesem Abend nur die Rolle des lächelnden Statisten zukam. Ihm, dem Vertreter der Merkel-Partei, den man doch eher in der Defensive vermutet hätte.

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Stattdessen ließ Sahra Wagenknecht keine Gelegenheit aus, den Sozialdemokraten, namentlich Scholz, die Leviten zu lesen. Deutschland stehe – Umfragen hin oder her - sozial am Abgrund.

Das habe allein die Agenda-Politik des früheren SPD-Kanzlers Gerhard Schröder zu verantworten. 40 Prozent der Bevölkerung hätten heute weniger Geld in der Tasche als noch vor 20 Jahren. Nie zuvor habe es so viele Milliardäre gegeben wie heute. Die SPD wolle an diesem unglaublichen Kontrast nichts ändern. Deshalb gebe es auch keine Wechselstimmung. „Das ist allein die Schuld der SPD. Und deshalb ist Rot-Rot-Grün auch nur noch eine irreale Träumerei.“

Ein Trump-Vergleich und die Frage des Abends

Scholz gab sich zunächst gar nicht erst die Mühe, Wagenknecht sachlich zu kontern. Sie sei eine Verschwörungstheoretikerin, sagte er. Und weil die erhoffte Reaktion im Publikum ausblieb, legte er noch einen drauf: Darin unterscheide sie sich in nichts von US-Präsident Donald Trump. Beide seien Verschwörungstheoretiker. Beiden sei kein noch so verdrehtes Argument zu schade, um politisch zu punkten. Rums. Sahra Trump und Donald Wagenknecht. Da hatte der Scholz aber einen rausgehauen.

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Was folgte, war die beste Frage des Abends: „Herr Scholz, hat die Agenda, die Sie sonst so gut finden, die soziale Gerechtigkeit nicht erst befördert, die Sie jetzt beklagen?“ Scholz kratzte sich verlegen kurz am Kinn. Dann kam die ebenso kurze Antwort: „Nein.“

Spätestens jetzt hielt es Sahra Wagenknecht kaum noch in ihrem beigefarbenen Talkshow-Sessel. Und auch Anne Will wollte es etwas genauer wissen. Wie halte er, Scholz, es denn mit der versprochenen Erhöhung des Mindestlohnes im Falle eines SPD-Wahlsieges? Na ja, sagte Scholz, man müsse schon so viel verdienen, dass man nicht noch zusätzlich auf soziale Leistungen angewiesen sei. Das seien dann aber fast zwölf Euro in der Stunde, konstatierte Will. „Ja“, sagte Scholz, „es muss beim Mindestlohn in Richtung 12 Euro gehen.“ Immerhin sei das ja mal eine Nachricht, so Will.

Fazit: Das Thema „soziale Gerechtigkeit“ taugt nicht einmal mehr für eine politische Talkshow. Schade eigentlich. Es taugt aber vorzüglich dazu, auch noch den letzten Sozialromantiker davon zu überzeugen, dass es wohl auch diesmal nichts mehr wird mit einer Koalition aus SPD und Linken. Zumindest nicht mit Scholz und Wagenknecht.

Laschet wird es gefreut haben – trotz aller Sprachlosigkeit.

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Von Jörg Köpke/RND

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