Neue Sky Produktion

„This England“: Boris Johnson zwischen Seuche und Shakespeare

Kenneth Branagh als Premierminister Boris Johnson in einer Szene der Dramaserie "This England".

Kenneth Branagh als Premierminister Boris Johnson in einer Szene der Dramaserie "This England".

München. Boris Johnson war eine verhältnismäßig kurze Zeit britischer Premierminister. Nach nur drei Jahren war sein schlagzeilenträchtiges Gastspiel in der Downing Street im September dieses Jahres schon wieder vorbei. Prime Minister Johnson ist Geschichte - und schon kommt eine Serie über seine Anfangszeit an der Spitze der Politik im Königreich heraus: „This England“ heißt sie passenderweise und ist von diesem Donnerstag (6. Oktober) an bei Sky zu sehen.

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Kenneth Branagh als Boris Johnson

Regie führte Michael Winterbottom („The Road to Guantanamo“) und Hauptdarsteller ist niemand geringerer als Britanniens Shakespeare-Experte Nummer eins: Kenneth Branagh.

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Und dem gelingt eine fast originalgetreue Kopie des umstrittenen Brexit-Premiers: respektloses Nuscheln, bucklige Haltung und zerzaustes Haupthaar inklusive. Allein für diesen Anblick lohnt sich die sechsteilige Miniserie, die zu Beginn vor allem zeigt, wie die Corona-Pandemie Großbritannien mehr und mehr in den Würgegriff nimmt und Johnson mit allem Möglichen beschäftigt ist - nur nicht mit der Seuche.

Während die Nachrichten zuerst aus China, dann aus Italien und schließlich auch aus Großbritannien Expertenteams in London in Alarmbereitschaft versetzen, ist der neue Premierminister noch viel zu sehr damit ausgelastet, sich selbst und den Brexit zu feiern.

Winterbottom zeigt eine Regierung, die den Blick so sehr auf sich selbst richtet, dass sie viel zu spät merkt, was wirklich wichtig ist.

Außerdem muss er auch noch versuchen, seine zahlreichen Kinder darüber zu informieren, dass das nächste Johnson-Baby auf dem Weg ist - bevor sie aus der Zeitung erfahren, dass seine (damals noch) Verlobte Carrie schwanger ist. Und dann ist da ja auch noch sein Buch über William Shakespeare (hier schließt sich ein Kreis zu Branagh), das er unbedingt abschließen will.

All das - so interpretiert es zumindest die Serie - hat für Johnson Priorität vor dem Kampf gegen die tödliche Seuche, die allein in Großbritannien mehr als 200 000 Menschen das Leben gekostet hat. Winterbottom zeigt eine Regierung, die den Blick so sehr auf sich selbst richtet, dass sie viel zu spät merkt, was wirklich wichtig ist.

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„This England“ am Wochenende auf dem Münchner „Seriencamp“-Festival

Die Serie läuft an diesem Wochenende auch auf dem Münchner „Seriencamp“-Festival. Dessen Programmleiter Gerhard Maier hat in ihr gleich zwei aktuelle Trends entdeckt. Erstens: „Corona hat die Sogwirkung von Serien und die Abwanderung vom Kinofilm beschleunigt“, sagte er der Deutschen Presse-Agentur. Regisseur und Autor Winterbottom hat bislang vor allem Filme gedreht.

Es gibt einen Trend, Themen, die noch gar nicht verarbeitet sind, so früh wie möglich aufzugreifen.

Gerhard Maier, „Seriencamp“-Festival

Und zweitens sieht Maier insgesamt auf dem Serienmarkt eine „Suche nach Marken“ und in „This England“ ein gutes Beispiel dafür. „Da sind die Marken Corona und Boris Johnson“, sagte er. „Es gibt auf jeden Fall einen Trend, Themen, die noch gar nicht beendet und noch gar nicht verarbeitet sind, so früh wie möglich aufzugreifen.“

The Guardian: „Gleichermaßen früh und überholt“

In „This England“ wird das allerdings auch zum Problem. Denn es ist eine Serie, die von der Geschichte längst eingeholt und sogar überholt worden ist. Die Skandale um Johnsons Partys im Lockdown, sein Sturz - und nicht zuletzt der Tod von Queen Elizabeth II. sind alles Ereignisse, die fehlen und der Serie über den Machtmenschen Johnson wohl mehr Bedeutung, Tiefe und Dramatik gegeben hätten. Die britische Zeitung „Guardian“ schreibt, „This England“ sei „gleichermaßen zu früh und völlig überholt“.

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RND/dpa

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