Stephen Kings Nebel lässt US-Serienfans gruseln

Horch, etwas will von draußen rein: Im Nebel vor dem Supermarkt lauert Schlimmes. Wer seine Einkäufe nach Hause tragen will, kommt garantiert nicht an. Szene aus „The Mist“.

Horch, etwas will von draußen rein: Im Nebel vor dem Supermarkt lauert Schlimmes. Wer seine Einkäufe nach Hause tragen will, kommt garantiert nicht an. Szene aus „The Mist“.

Hannover. Unsäglicher Schrecken lässt sich mit links erschaffen. Jedenfalls wenn man Stephen King heißt. Eine etwas längere Kurzgeschichte namens „Der Nebel“ hatte der amerikanische Schriftsteller 1985 mit einem kräftigen Sommersturm beginnen lassen. Anders als andere Stürme seines Kalibers hatte der stramme Wind aber nicht nur ein paar Häuser kleingehauen sondern einen Riss in der Welt erzeugt. Durch solche Risse dringt selten Gutes.

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Als dann anderntags ein Nebel überm örtlichen See aufzog, der ganz seltsam gegenläufig zur Windrichtung heranrückte, stellten sich des Lesers Nackenhärchen schon steil. Als der Held David Drayton am Nachmittag im Baumarkt der Stadt einkaufen wollte, um sein zerschlagenes Bootshaus zu reparieren, kroch der seltsame Dunst in die Stadt hinein. Und in seinem milchigen Weiß hielten sich grauenvolle Neuankömmlinge in unserer Welt verborgen.

Wenn Rieseninsekten gegen Schaufenster fliegen

Die Idee zu der Geschichte – einer von Kings unheimlichsten – kam dem Autor, als er sich eines Tages vor der Glasfassade eines Supermarkts in Maine fragte, was wäre, wenn plötzlich gigantische Insekten dagegen flögen. Fragen, die sich Horrorschriftsteller wohl zuweilen stellen müssen. Aus diesem Stoff hat der amerikanische Kabelsender Spike jetzt eine zehnteilige Fernsehserie gemacht.

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Einen David Conroy gibt’s darin nicht mehr, aber ersatzweise geraten andere Kleinstadthelden in den Bann des fürchterlichen Nebels. Eine der Hauptrollen spielt Alyssa Sutherland, bekannt aus „Vikings“. Ihre Eve Cunningham ist eine Lehrerin mit dubioser Vergangenheit, die ihre Tochter vor jeder noch so kleinen Herausforderung der bösen Welt beschützen will. Frances Conroy („American Horror Story“) spielt Nathalie, eine Frau mit einer außerordentlichen empathischen Begabung. Ferner gibt es rebellische Teenager, einen Macho-Sheriff, dessen Sohn, eines furchtbaren Verbrechens verdächtigt wird, einen Pfarrer, der seinen Glauben verloren hat und einen tapferen Soldaten ohne Gedächtnis. Und natürlich die Monster, die hungrig sind und mitleidlos. Schnappen sie willkürlich zu, oder duften die moralisch Verwerflichen besonders lecker nach Mist?

Das schlimmste Monster ist – wie immer – der Mensch

Die Charaktere werden gut eingeführt, und als der Nebel sich schließlich wie eine gigantische weiße Totenhand die Berge hinabfingert, ist der Zuschauer ernsthaft um ihr Wohl besorgt. Die Spannung wird langsam aufgebaut, die Macher lassen sich Zeit mit dem Unheil, bis der Bildschirm schier vibriert. Der zweite Nebel kleinstädtischer Geheimnisse ist dabei zuweilen nicht minder finster als der, in dem die Ungeheuer wohnen. Das schlimmste Monster findet sich – wie immer – unter den Menschen, das Böse von außen offenbart die Qualitäten und Mängel des Inneren.

Schon 2007 hatte Frank Darabont den Stoff fürs Kino verfilmt. Nach den Gefängnisdramen „Die Verurteilten“ (1994) und „The Green Mile“ (1997) war „Der Nebel“ die dritte King-Adaption des Regisseurs, der später als Schöpfer und Produzent der Zombieserie „The Walking Dead“ (2010) ewigen Ruhm bei der Horrorfangemeinde erlangte. Seine Variante (mit Thomas Jane als David Drayton) entlockte King den seltenen Ausspruch, er habe sich beim Anschauen des Films „richtig gefürchtet“ (für Darabont „der glücklichste Augenblick meiner Karriere“).

Mal sehen, was der Gruselkönig zu den Anstrengungen von Christian Torpes Serienteam sagen wird. In England und Australien wird die übernatürliche Wetterlage – noch ohne Termin - bei Netflix zu sehen sein, in Deutschland stehen bisher weder Zeit noch Sender fest.

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Von Matthias Halbig / RND

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