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TV-Advokat mit Geschmack

Autos machen Leute – die Anwaltsserie „The Lincoln Lawyer“ startet bei Netflix

Man mit Markenzeichen: Der „Lincoln Lawyer“ Mickey Haller (Manuel Garcia-Rulfo) fährt einen schnittigen alten Lincoln Continental. Szene aus der Netflix-Serie.

Mick Haller – Strafverteidiger? Klingelt da was bei den nicht mehr Blutjungen? Richtig – Matthew McConaughey war in dem Kinofilm „Der Mandant“ vor elf Jahren der Advokat cool, der im Filmverlauf dann immer derangierter aussah. Zu seiner Verzweiflung hatte er allen Grund: Sein eben noch untröstlicher Klient, den er vom Verdacht schwerer Körperverletzung reinwaschen soll, hatte ihm einen Mord gestanden (was Haller – Schweigepflicht! – nicht ausposaunen durfte). Sein Helfer Frank (William H. Macy sah aus wie der nächste Asterix) wurde umgebracht, und Haller sollte der Mörder sein.

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Von einem Whodunnit wurde dieser Thriller schnell zum Suspense-Stück. Der Held fuhr einen 1980er Lincoln Town Car. Massives Gefährt, kein Spritsparmobil. „The Lincoln Lawyer“ hieß der Film nach einem Roman von Michael Connelly denn auch im Original.

Schon der Kinofilm kam dem Publikum wie der „Pilot“ einer Serie vor

Und das klang schon damals irgendwie nach TV-Serie. Auch der Vorspann sah nach Fernsehen aus, nach Oldiekrimis à la „Mannix“ oder „Einsatz in Manhattan“. Und der Streifen war auch so unterhaltsam wie ein Pilotfilm. Die Klischees klatschten einander ab – das reichte vom Sex mit der Ex-Ehefrau bis zur desparaten Suffszene am Tresen.

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Und die Mitglieder einer Bikergang erwiesen sich als Wikingerschwiegersöhne, die böse Schlägereien nur für den Sieg des Guten durchzogen. Die Kamera war unruhig, das oft körnige Bild half in Sachen Realismus. Was man von den lieblosen und zuweilen dusseligen (deutschen) Dialogen nicht sagen konnte. „Ich hab ihr nichts getan, das versprech ich“, sagte da einer. Und als Zuschauer dachte man: So was verspricht man doch nicht, Blödmann! So was schwört man.

Elf Jahre nach dem Film bekommt Mickey eine eigene Serie

Genug von gestern, noch ein paar einleitende Worte zu heute. Elf Jahre nach Brad Furmans mittelprächtigem Film hat man sich nach einigem Hin und Her auf Mickey Haller besonnen und ihm eine Serie geschenkt. Böses Omen ist die Automobilwahl des Helden: Haller fährt einen Lincoln Continental, ein nach einem ermordeten US-Präsidenten benanntes wunderschönes Automobil, in dem ein anderer US-Präsident (Kennedy) ermordet wurde.

Mickey Haller (Manuel Garcia-Rulfo) ist ein Familienmensch. Seine Tochter Hayley (Krista Warner) ist sein Ein und Alles. Cr. Lara Solanki/Netflix © 2022

Mickey Haller (Manuel Garcia-Rulfo) ist ein Familienmensch. Seine Tochter Hayley (Krista Warner) ist sein Ein und Alles. Cr. Lara Solanki/Netflix © 2022

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Und die Serie scheint anfangs auch genau so medioker wie der Film zu sein, nur dass Manuel García-Rulfo noch blasser wirkt als der inzwischen für die Rolle zu alte McConaughey.

Der neue „Lincoln Lawyer“, dem Thrillermeister David E. Kelley („Ally McBeal“, „Boston Legal“) höchstselbst auf den Bildschirm verhalf, basiert auf Connellys zweitem Haller-Roman „So wahr uns Gott helfe“. Erzählt wird, wie der Held anderthalb Jahre nach einem Surfunfall und einer anschließenden Opioidabhängigkeit, wieder Tritt fasst.

Ein erschossener Anwalt vermacht Mickey seine Kanzlei

Unverhofft kommt sein berufliches Comeback – der in einer Tiefgarage erschossene Kollege Jerry Vincent hat ihm seine Kanzlei samt aller anstehenden Fälle vermacht. Im Nu ist Haller überarbeitet. Der brisanteste Prozess: Trevor Elliott, ein Videospielmogul, steht unter Mordverdacht. Er soll seine Frau und deren Liebhaber umgebracht haben.

Wenn auch nur ein weiterer Aufschub des Prozesses erfolge, verliere er einen wichtigen Deal, beteuert Elliott, und sei ruiniert. Neun Tage Zeit hat Mickey Haller also für die Vorbereitung der Verteidigung – nach juristischem Ermessen unmöglich. Naja, oft genug betont Mickey, dass er „der Beste“ sei. „Unmöglich“ und „geht klar“ sind für den Besten ein und dasselbe.

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Der 2009 mit dem Anthony Award preisgekrönte Thriller erfährt in der Umsetzung von Kelley und Co-Drehbuchautor Ted Humphrey einige Änderungen. Die Wichtigste: Harry Bosch, Hallers Halbbruder und Held von Connellys anderer Romanserie (erfolgreich verfilmt in sieben Staffeln „Bosch“ mit Titus Welliver in der Titelrolle) taucht in der Serie nicht auf. Keine Ablenkungsmanöver!

„The Lincoln Lawyer“ wächst einem mählich ans Herz

Viele kleinere Gerichtstermine geben „The Lincoln Lawyer“ das Gepräge einer klassischen Fall-der-Woche-Anwaltsserie, während zugleich der große Prozess und der Fall des getöteten Kollegen die dominante horizontale Erzählweise ausmachen.

Hallers Team, bestehend aus Lorna, seiner handfesten Exgattin (Becki Newton), deren bärigem Bräutigam-to-be Cisco (Angus Sampson) und der strapazierfähigen Fahrerin Izzy (Jazz Raycole) wächst einem schnell ans Herz. Seine andere Ex, die Staatsanwältin Maggie McPherson (Neve Campbell) und seine Teenagertochter Hayley (Krista Warner) sorgen für eine private Dimension des Helden. Natürlich liebt Mickey seine Tochter und natürlich sind seine Gefühle für Maggie so, dass er Sachen sagt wie: „Wenn du mich schon wie den letzten Dreck behandelst, tu mir den Gefallen, und sieh dabei nicht so unglaublich heiß aus.“ Geht‘s noch? Heiß ist dann am ehesten eine berufliche Überraschung, die Maggie für Mickey bereithält.

Eine Serie fürs reuefreie Bingen

Naja, und so weiter. Solide ist diese Serie, angenehm und reuefrei runterzubingen, aber eher vergleichbar mit Kelleys klassischer Thrillerserie „Big Sky“ (seit 2020), weniger mit seine Mordio-Meisterwerken „Big Little Lies“ (2017-2019) und „The Undoing“ (2020). An dem wunderschönen blauen Lincoln Continental kann man sich freilich nicht sattsehen. Und man nimmt es Mickey fast übel, wenn er in einem modernen, langweiligen Lincoln Town Car sitzt.

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„The Lincoln Lawyer“, erste Staffel, zehn Episoden, von David E. Kelly, mit Manuel García-Rulfo, Neve Campbell, Becki Newton, Angus Sampson, Jazz Raycole (ab 13. Mai bei Netflix)

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