Überlastetes Klinikpersonal

Corona-Hilferuf: Sachsen sucht Helfende für Krankenhäuser

Weil die Krankenhäuser in Sachsen überlastet sind, müssen schwerkranke Corona-Patienten in andere Bundesländer verlegt werden. Auf der Intensivstation in der Universitätsklinik Rostock werden auch sächsische Covid-19-Patienten behandelt.

Weil die Krankenhäuser in Sachsen überlastet sind, müssen schwerkranke Corona-Patienten in andere Bundesländer verlegt werden. Auf der Intensivstation in der Universitätsklinik Rostock werden auch sächsische Covid-19-Patienten behandelt.

Dresden. Die Lage in den sächsischen Krankenhäusern spitzt sich weiter zu – deshalb sucht der Freistaat nun Freiwillige, die in den Kliniken aushelfen können. „Das Personal arbeitet schon lange an der Grenze der Erschöpfung. Diese Menschen brauchen Ihre Unterstützung, unser Land braucht Ihre Unterstützung. Helfen Sie, wo immer Sie können“, appellierte Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) am Donnerstag an die Bevölkerung.

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Freiwillige sollen Klinikpersonal entlasten

Demnach sind nahezu alle 78 sächsischen Kliniken dringend auf personelle Hilfe angewiesen. Gesucht werden Krankenschwestern und -pfleger, Helferinnen und Helfer, Ärztinnen und Ärzte – auch im Ruhestand. Auch Medizinstudierende sowie Helferinnen und Helfer für Serviceleistungen wie Mahlzeiten reichen oder Transporte können sich melden. Dafür hat der Freistaat auf einem Online-Portal unter dem Stichwort "Ärzte- und Pflegepool Sachsen" ein entsprechendes Formular freigeschaltet: www.buergerbeteiligung.sachsen.de.

Ärzte bitten um Unterstützung: Brauchen jede helfende Hand

Sachsens Krankenhaus-Koordinator Professor Michael Albrecht erklärte: „Aufgrund des Personalmangels mussten wir die Intensivstationen mit Personal aus anderen Bereichen verstärken. Um die entstandenen Lücken auszugleichen und die Patientenversorgung zu gewährleisten, bitten wir um freiwillige Unterstützer und Helfer aus der Bevölkerung.“ Deshalb solle sich jede und jeder, „die denken, etwas beitragen zu können“, auf dem Online-Portal oder direkt in den Kliniken melden. Auch Erik Bodendieck, der Präsident der Sächsischen Landesärztekammer, mahnte: „Sachsen erlebt gerade eine schwere Zeit. Deshalb kommt es jetzt darauf an zu helfen, wo immer eine helfende Hand gebraucht wird.“

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Für Impfteams haben sich schon 700 Ehrenamtliche gemeldet

Als Vorbild dient der jüngste Aufruf, als Ehrenamtliche bei den mobilen Impfteams auszuhelfen: Binnen weniger Tage haben sich mehr als 700 Freiwillige gemeldet, darunter Ärztinnen und Ärzte sowie medizinisches Personal im Ruhestand. „Das ist ein tolles Signal der Solidarität. Auch das Personal in den Krankenhäusern benötigt dringend Unterstützung und Entlastung. Ich bin mir sicher, dass die Hilfsbereitschaft in Sachsen auch hier groß ist“, sagte Gesundheitsministerin Petra Köpping (SPD).

Immer mehr Corona-Patienten in sächsischen Kliniken

Aktuell werden in sächsischen Krankenhäusern auf Normalstationen 2074 Corona-Patienten behandelt. Das sind 160 mehr als noch vor einer Woche. Gleichzeitig müssen 609 schwerkranke Covid-19-Patienten auf Intensivstationen betreut werden (Vorwoche: 534) – tatsächlich sind die Fallzahlen noch höher, da bereits 22 Verlegungen in andere Bundesländer wie Mecklenburg-Vorpommern oder Nordrhein-Westfalen vorgenommen wurden. Für fünf weitere Schwerkranke wird eine Verlegung vorbereitet. Die Auslastung auf Intensivstationen durch Covid-19-Patienten beträgt 95,3 Prozent.

Klinikum Chemnitz muss Tumor-Operationen verschieben

Schon jetzt sind die Kliniken per Allgemeinverfügung dazu angehalten, planbare Behandlungen und Operationen – wie etwa Hüft- oder Knie-Prothesen – möglichst zu verschieben und mehr Betten-Kapazitäten zur Verfügung zu stellen. "Seit Tagen und Wochen finden bereits Priorisierungen statt. Die Versorgungsqualität wird beeinträchtigt", sagte Albrecht, der auch medizinischer Vorstand des Universitätsklinikums Dresden ist. Aktuelle Prognosen besagen, dass in zwei Wochen etwa 800 Betten auf Intensivstationen für Corona-Patienten benötigt werden. "Wir müssen verhindern, dass eine Mangelversorgung entsteht", warnte Albrecht eindringlich, "es gibt momentan kein zusätzliches Personal.".

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Besonders dramatisch ist die Lage am Klinikum Chemnitz – dort müssen bereits „problematischere Fälle“ aufgeschoben werden, sagte der Ärztliche Direktor Ralf Steinmeier. „Hier denke ich insbesondere an Tumor-Patienten, die eigentlich zeitnah operiert werden müssten, denen es aber noch so gut geht, dass sie aktuell keinen Notfall darstellen“, machte Steinmeier klar. Niemand wolle, dass Operationen verschoben würden – aber es gebe momentan keine freien Kapazitäten.

Die meisten Regionen Sachsens liegen über 1000er Inzidenz

Die Sieben-Tage-Inzidenz im Freistaat liegt aktuell bei 1180,1. Das ist ein leichter Rückgang im Vergleich zu Mittwoch (1209,4), der allerdings aus Meldeverzögerungen resultieren kann. Außer Leipzig (689,5) sowie die Landkreise Nordsachsen (984,6), Zwickau (972,7) und Vogtland (964,7) haben alle Kreise und kreisfreien Städte die 1000er-Marke überschritten. Sachsen bleibt weiterhin bundesweiter Corona-Hotspot vor Thüringen (994) und Sachsen-Anhalt (724).

Von Andreas Debski

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