Auszeichnung

Deutschlands letzter Oscar: Ulrich Mühe aus Grimma erhielt zuletzt den Filmpreis

Der Regisseur Florian Henckel von Donnersmarck gestikuliert bei der Premiere seines Films "Das Leben der Anderen". «Wir sind Oscar» hieß es vor 15 Jahren. Damals holte Deutschland zuletzt den sogenannten Auslands-Oscar.

Der Regisseur Florian Henckel von Donnersmarck gestikuliert bei der Premiere seines Films "Das Leben der Anderen". «Wir sind Oscar» hieß es vor 15 Jahren. Damals holte Deutschland zuletzt den sogenannten Auslands-Oscar.

Berlin/Los Angeles. Volker Schlöndorff, Caroline Link und Florian Henckel von Donnersmarck: Erst drei deutsche Regisseure gewannen den Preis für den besten internationalen (nicht-englischsprachigen) Film in der mehr als 90 Jahre langen Geschichte der Oscars. 15 Jahre ist an diesem Freitag (25.2.) die Hollywood-Ehre für das Stasi-Drama „Das Leben der Anderen“ her. Für Ulrich Mühe sollte es die letzte große Rolle sein: Wenige Monate nach der Oscar-Verleihung starb er mit 54 Jahren an Krebs.

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Ulrich Mühe - der Schauspieler

2004 stellte Ulrich Mühe (*20. Juni 1953 in Grimma; † 22. Juli 2007 in Walbeck) den Stasihauptmann Gerd Wiesler in Florian Henckel von Donnersmarcks Kinofilm „Das Leben der Anderen“ dar, der im März 2006 in die deutschen Kinos kam und 2007 den Oscar als bester fremdsprachiger Film erhielt. Ulrich Mühe wurde für diese Rolle mit dem Deutschen Filmpreis 2006 als bester Hauptdarsteller und dem Europäischen Filmpreis 2006 als bester Darsteller ausgezeichnet. Woody Harrelson äußerte Anfang 2010, dass Mühe hierbei die für ihn beste schauspielerische Leistung der letzten Dekade erbracht habe. Weiterhin erhielt er 2006 die Goldene Henne. In der Wendezeit engagierte sich Mühe bei öffentlichen Diskussionen in der DDR und war einer der Initiatoren der Demonstration vom 4. November 1989 auf dem Berliner Alexanderplatz. Er las öffentlich im damals von Dieter Mann geführten Deutschen Theater in Berlin aus Walter Jankas Buch „Schwierigkeiten mit der Wahrheit“, noch bevor dieses in der DDR erscheinen durfte.

Die Filmstars Cate Blanchett und Clive Owen traten damals - in Deutschland war schon Montag, der 26. Februar 2007 - bei den 79. Oscars auf die Bühne und präsentierten die fünf nominierten Filme. Blanchett las schließlich den Zettel aus dem Umschlag vor: „And the Oscars goes to... Germany - for „The Lives of Others“.“

Viel Wirbel um das Werk

In seiner Dankesrede erwähnte der damals erst 33 Jahre alte Regisseur Henckel von Donnersmarck seine männlichen Hauptdarsteller, seine Frau und einige andere. Außerdem sagte er: „Ich danke Deutschland und Bayern dafür, dass sie diesen Film möglich gemacht haben.“ Der Film war fast ein Jahr zuvor in Deutschland ins Kino gekommen (23.3.2006).

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Der Schauspieler und Hauptdarsteller Ulrich Mühe (r) spricht neben Oscar-Preisträger Florian Graf Henckel von Donnersmarck.

Der Schauspieler und Hauptdarsteller Ulrich Mühe (r) spricht neben Oscar-Preisträger Florian Graf Henckel von Donnersmarck.

Um das Werk hatte es damals auch Wirbel gegeben. Nicht nur die Schauspielerin Martina Gedeck bemängelte etwa die Rolle der einzigen Frau im Film. Bezeichnenderweise gab Henckel von Donnersmarck keine Oscar-Einladung an Gedeck ab, womit sie als einzige der Hauptdarsteller und als eigentlich zentrale Figur und tragende Säule des Films nicht bei den Academy Awards dabei war.

„Das Leben der Anderen“ spielt 1984 in Ost-Berlin. Der ehrgeizige Stasi-Hauptmann Gerd Wiesler (Mühe) bekommt den Auftrag, den Theaterautor Georg Dreyman (Sebastian Koch) zu überwachen. Allerdings soll er das nicht aus politischen Gründen machen, sondern der Kulturminister (Thomas Thieme) will Dreyman aus dem Weg räumen, um dessen Lebensgefährtin, die Schauspielerin Christa-Maria Sieland (Gedeck), für sich zu haben. Eigentlich ist Wiesler von der DDR und dem System überzeugt, gerät durch die Überwachung von Dreyman aber ins Zweifeln.

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Regiedebüt von Henckel von Donnersmarck

„Das Leben der Anderen“ war das Regiedebüt von Henckel von Donnersmarck. Nach seinem Abschluss an der Münchner Filmhochschule recherchierte er jahrelang, sprach mit Opfern und Tätern der Stasi. Schließlich soll er die Schauspieler überredet haben, für eine geringere Gage als sonst zu arbeiten, und realisierte den Film mit einem Budget von rund 1,8 Millionen Euro - weltweit spielte er in den Kinos dann 77,4 Millionen US-Dollar ein. Laut Filmförderungsanstalt (FFA) hatte der Film in Deutschland 2,4 Millionen Kinobesucher.

Er wurde mit sieben Deutschen Filmpreisen, drei Europäischen Filmpreisen und in den USA eben auch als bester fremdsprachiger Film ausgezeichnet. Es war erst der dritte Film aus Deutschland, dem der sogenannte Auslands-Oscar gelang und es ist bis heute der letzte: nach Volker Schlöndorffs „Die Blechtrommel“ (1980) und Caroline Links „Nirgendwo in Afrika“ (2003). Deutsche Staatsbürger haben natürlich schon öfter gewonnen, etwa Komponisten und Kurzfilmmacher. Auch deutsche Koproduktionen wurden schon öfter ausgezeichnet, waren dann aber von einem anderen Land offiziell eingereicht worden.

Seit 2007 war Deutschlands eingereichter Langfilm-Beitrag nur noch viermal für den Oscar nominiert: Henckel von Donnersmarck war 2019 mit „Werk ohne Autor“ nochmals auf der Liste, daneben waren dies noch 2009 „Der Baader Meinhof Komplex“ von Uli Edel, 2010 „Das weiße Band – Eine deutsche Kindergeschichte“ von Michael Haneke und 2017 „Toni Erdmann“ von Maren Ade. Der für 2022 in Los Angeles eingereichte Film „Ich bin dein Mensch“ von Maria Schrader schaffte es nicht unter die letzten Fünf des Abends. Die diesjährige Oscar-Verleihung - die 94. - soll am 27. März über die Bühne gehen.

Von RND/dpa

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