"Die Semperoper hatte ihr Rückgrat verloren"

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Jan Seeger:

Die Flut kam für alle Mitarbeiter sehr überraschend. Ich hatte noch um sechs Uhr beim Wachdienst der Oper telefonisch angefragt, ob alles in Ordnung ist, was mir bestätigt wurde. 7.45 Uhr war die Oper voll Wasser gelaufen.

Was waren die gravierendsten Schäden für die Staatsoper?

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Die Zerstörung der haus­technischen Basis war am gravierendsten. Damit hatte die Oper ihr Rückgrat verloren. Die Niederspannungshauptverteilung, die Klimaanlagen und die Dimmeranlage der Beleuchtung waren zerstört worden, ebenso die Steuerung der hydraulischen Bühnenmaschinerie.

Welches Bild bot sich, als die Schlammmassen weggeräumt waren?

Ein chaotisches Bild, gekennzeichnet von einer puren Verwüstung der Räume. Vor allem die Druckunterschiede zwischen bereits vollgelaufenen Räumen und noch leeren haben zu besonderen Zerstörungen geführt.

Wie hoch war der Gesamtschaden am Haus?

Der Schaden lag bei etwa 26 Millionen Euro. Diese Summe wurde für den Wiederaufbau benötigt.

Was war das schwierigste Unterfangen?

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Die Herausforderung lag besonders in der Zeit des Jahreswechsels darin, am Abend für unser Publikum zu spielen und am Tage bzw. in den Nachtstunden weiter zu bauen. Der Wiederaufbau hat bis zum März 2003 gedauert.

Könnte man sagen, dass das "Jahrhunderthochwasser" zwar schlimm war, aber letztlich durch die nachfolgend notwendigen Investitionen auch zu besseren Produktions- und Arbeitsbedingungen geführt hat?

Ja, das ist in Teilbereichen richtig.

Sind alle durch die Flut entstandenen Baustellen beseitigt?

Die Semperoper betreffend sind alle Maßnahmen abgeschlossen. Das Schutzkonzept der Oper ist aber im Zusammenhang mit dem gesamten Hochwasserschutz des Freistaates und der Stadt Dresden zu sehen, und da sind noch nicht alle Maßnahmen beendet.

Ist die Semperoper heute besonders geschützt gegen solche Katastrophen?

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Ja, die Semperoper hat einen spe­ziellen Hochwassermanagementplan, der bereits bei Alarmstufe 1 beginnt und vorbeugende Maßnahmen festlegt. Die Oper ist durch Tiefbrunnen, die mit Hoch­leistungspumpen ausgerüstet sind, und durch ein spezielles mobiles Dammsystem geschützt. Diese mobilen Dämme (mit Wasser füllbare über­dimensionale Schläuche) können um die gesamte Sem­peroper verlegt werden und einen zirka einen Meter hohen Damm bilden. Dafür wurden die Mitarbeiter der Oper speziell geschult und übernehmen diese Aufgabe im Gefahrenfall selbst.

Interview: Kerstin Leiße

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