Talkreihe „RND vor Ort“

Gauck in Leipzig: „Wenn wir nicht kämpfen wollen, können wir etwas mehr riskieren“

Alt-Bundespräsident Joachim Gauck (82) beim Talk „RND vor Ort“ in der LVZ-Kuppel im Gespräch mit LVZ-Chefredakteurin Hannah Suppa (l.) und Eva Quadbeck, Leiterin RND-Hauptstadtbüro.

Alt-Bundespräsident Joachim Gauck (82) beim Talk „RND vor Ort“ in der LVZ-Kuppel im Gespräch mit LVZ-Chefredakteurin Hannah Suppa (l.) und Eva Quadbeck, Leiterin RND-Hauptstadtbüro.

Leipzig. Alt-Bundespräsident Joachim Gauck (82) hat in Leipzig an die Bundesregierung appelliert, die Unterstützung für die Ukraine weiter zu verstärken und sich nicht durch Drohungen Russlands einschüchtern zu lassen. "Deutschland hat eine besondere Neigung zur Ängstlichkeit und das äußert sich manchmal in einer Zurückhaltung, wo wir nicht zurückhaltend sein dürfen", sagte Gauck am Donnerstag im Medienhaus der Leipziger Volkszeitung. Das ehemalige Staatsoberhaupt (2012-2017) war Gast der Talkreihe "RND vor Ort". Moderiert wurde die Veranstaltung von LVZ-Chefredakteurin Hannah Suppa und Eva Quadbeck, Leiterin Hauptstadtbüro des RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND).

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Joachim Gauck bei „RND vor Ort“: Die wichtigsten Momente im Video

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„Als Reaktion auf Lawrows Drohung nicht lieb gucken“

Ausdrücklich ging Gauck auf die Folgen von Putins Krieg in der Ukraine ein. „Wenn Menschen Opfer von Gewalt werden, dann dürfen wir nicht zurückhaltend sein und müssen alle Möglichkeiten suchen, um diesen Menschen beizustehen“, betonte er. Die Aussagen des russischen Außenministers Sergej Lawrow über einen möglichen Atomkrieg seien eine „sehr bewusst eingesetzte Strategie“. Russlands zur Einschüchterung, die besonders in der Mitte Europas verfange, warnte Gauck. Er habe aber in seinem Alter und auch als DDR-Bürger gelernt, den „Homo Sowjetikus“ zu lesen und auch zu verstehen. Man dürfe als Reaktion auf die Drohung Lawrows deshalb nicht „lieb gucken, damit der Täter nichts Böses mit uns veranstaltet“. Tue man dies, habe man sich selber aufgegeben, so Gauck.

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„Nach Gas-Stopp wäre nicht gleich das ökonomische Unglück da“

Angesprochen auf die Frage, ob Deutschland gerade vor dem Hintergrund des Krieges in der Ukraine zu wenig riskiere, antwortete Gauck mit einem deutlichen „Ja“, das sehe er genauso. „Wenn wir nicht kämpfen wollen, können wir etwas mehr riskieren“, forderte er. Es könne nicht sein, dass wir unverändert unseren Wohlstand vor dem Hintergrund des Sterbens und des Schlachtens in der Ukraine genießen.

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Gauck sprach sich zudem offen dafür aus, die gesamten Energie-Importe aus Russland zu beenden, also auch die Gas-Einfuhren. „Selbst wenn wir zu einem absoluten Stopp kommen, dann wäre die wirtschaftliche Delle da. Aber dann wäre hier nicht gleich das ökonomische Unglück da.“ Man habe zudem in zurückliegenden Krisen erlebt, wie zum Beispiel durch Kurzarbeiterregelungen Härten abgefedert worden seien.

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„Habe erlebt, dass man nicht gleich an Entbehrungen stirbt“

Gauck verteidigte im RND-Talk seine Äußerung, man müsse auch einmal für die Freiheit frieren. „Ich gehöre zu dem Teil der Bevölkerung, der sagt, wenn wir schon nicht kämpfen wollen für unschuldige Opfer, dann sollten wir wenigstens das tun, was uns vielleicht auch ein wenig schmerzt, um diesen Menschen zu helfen“, so der Altbundespräsident. Er gehöre einer Generation an, die im Krieg und in der Nachkriegszeit zahlreiche Entbehrungen erlitten habe. „Und ich habe auch erlebt, dass man daran nicht gleich stirbt“, so der ehemalige Bundespräsident.

„Traurig“ über Alt-Kanzler Schröder

Hart ins Gericht ging Gauck mit Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD). Er warf ihm vor, kein Format mehr zu besitzen. Schröder sei ein äußerst ernst zu nehmender Politiker gewesen, der in seiner Amtszeit an manchen Stellen einen enormen Mut bewiesen habe, sagte er. „Das tragische ist, das ein Mensch, der Verdienste hat, sein Format verlieren kann, absolut verlieren kann“, fügte der Alt-Bundespräsident hinzu. „Darüber bin ich traurig“, sagte er.

Das RND der MADSACK Mediengruppe war im vergangenen Sommer mit der neuen Veranstaltungsreihe „RND vor Ort“ gestartet. Die damaligen Kanzler-Kandidaten Olaf Scholz (SPD), Armin Laschet (CDU) und die Kanzler-Kandidatin Annalena Baerbock (Bündnis 90/Grüne) waren in Kiel, Rostock und Hannover bereits Gäste der Reihe. Der Talk mit Gauck sollte eigentlich schon Ende November 2021 in Leipzig stattfinden, musste aber aufgrund der Corona-Lage verlegt werden. In Köln war am Anfang April Hendrik Wüst (CDU), Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen, zu Gast.

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Von André Böhmer und Tim Szent-Ivanyi

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