9.Oktober-Gedenken

Gysi-Auftritt: Schorlemmer sagt als Co-Redner ab –„Leipzig braucht keinen Sängerwettstreit“

Absage für den 9.Oktober: Der frühere DDR-Bürgerrechtler Friedrich Schorlemmer will bei dem Gysi-Auftritt in der Leipziger Peterskirche nicht als Co-Redner auftreten.  

Absage für den 9.Oktober: Der frühere DDR-Bürgerrechtler Friedrich Schorlemmer will bei dem Gysi-Auftritt in der Leipziger Peterskirche nicht als Co-Redner auftreten.

Leipzig. Der Wittenberger Theologe und frühere DDR-Bürgerrechtler Friedrich Schorlemmer (75) wird nicht als Co-Redner von Gregor Gysi bei einer geplanten Veranstaltung am 9. Oktober in der Leipziger Peterskirche auftreten. „Das ist das falsche Format zum falschen Tag. Leipzig braucht am 9. Oktober keinen Sängerwettstreit zweier Redner. Ich stehe dafür jedenfalls nicht zur Verfügung“, sagt Schorlemmer am Donnerstag auf Anfrage von lvz.de

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Werner Schulz kritisiert Schorlemmer

Der Grünen-Politiker und Bürgerrechtler Werner Schulz hatte Schorlemmer im LVZ-Interview zuvor indirekt ins Spiel gebracht. "Bei seinem grenzenlosen Verständnis für diese (Gysi)-Einladung wäre Friedrich Schorlemmer als Ersatzredner gut geeignet. Er wollte ja schon vor Jahren mit den Stasi-Akten ein Freudenfeuer entfachen", hatte Schulz Schorlemmer kritisch vorgehalten.

Der Orchester-Vorstand der Leipziger Philharmonie Michael Köhler hatte aufgrund der starken Kritik von Bürgerrechtlern erklärt: „Wir möchten einen Zeitzeugen aus dem Lager der Bürgerrechtler als Pendant zu Gysi mit in die Veranstaltung einbinden.“ Konkrete Namen gebe es zwar noch nicht, die Verhandlungen aber liefen bereits.

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„Gysi war Anwalt der Bedrängten“

Schorlemmer verteidigt derweil erneut den Auftritt von Gysi, der während eines Konzert der Leipziger Philharmonie mit dem Motto „Freiheit schöner Götterfunken“ am 9. Oktober in der Peterskirche eine Rede halten soll. „Er soll da reden, alles andere wäre lächerlich“, so der Wittenberger Theologe. Alle, die jetzt über den Linken-Politiker herfielen, sollten lieber nachdenken, wer nicht alles von Anwalt Gysi zu DDR-Zeiten verteidigt wurde. „Er war ein Anwalt der Bedrängten und kein Mensch der Repressalien.“

Bereits in einem schriftlichen Statement vor einer Woche hatte Schorlemmer den Gysi-Auftritt unterstützt. Eine Ausladung des früheren SED-/PDS-Vorsitzenden käme einer Zensur gleich. Denn schließlich sei auch Gregor Gysi „in der friedlichen Revolution befreit worden, befreit auch von den Einmauerungen in einer Ideologie und Praxis des Marxismus-Leninismus.“

„Bürgerrechtler dürfen nicht Bürgerrächer werden“

Er selbst, so Schorlemmer, sei immer für einen zivilisierten Streit, der um der Sache willen auch geführt werden muss. „Aber nicht am 9. Oktober in Leipzig, das ist nicht der passende Tag für einen zivilisierten Streit.“ Daher sollten auch alle, die jetzt verbittert reagieren und mit scharfen Worten den Gysi-Auftritt in Leipzig kritisierten, nicht weiter Öl ins Feuer gießen. „Ich möchte nicht, dass aus Bürgerrechtlern Bürgerrächer werden“, so Schorlemmer. Denn das würde dem wichtigen Gedenken an den 30. Jahrestag der friedlichen Revolution schaden.

Von Olaf Majer

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