Studie der Techniker Krankenkasse

Herzinfarkt-Risiko ist in Sachsen am höchsten

Schmerzen in der Brust können auf ernste Herzprobleme hindeuten.

Schmerzen in der Brust können auf ernste Herzprobleme hindeuten.

Leipzig. Die Zahlen der Techniker Krankenkasse sind alarmierend: In Sachsen sterben deutlich mehr Menschen an Herzinfarkt und Erkrankungen der Herzkranzgefäße als in anderen Bundesländern. Das geht aus einer aktuellen Analyse der Krankenkasse hervor, die die bundesweiten Herzberichte seit 2008 ausgewertet hat. Danach liegt die Sterbezahl bei Herzinfarkten zwischen 2008 bis 2016 mit 19 Prozent deutlich über dem Bundesdurchschnitt. Bei den erkrankten Herzkranzgefäßen als Todesursache liegt der Wert sogar 30,7 Prozent über dem bundesdeutschen Schnitt.

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Auch die Tatsache, dass stationäre Behandlungen mit diesen Diagnosen leicht abnehmen, sei kein Grund zur Entwarnung. „Patienten versterben vorher, bevor sie überhaupt in die Klinik kommen. Die Herzerkrankungen werden entweder nicht oder zu spät erkannt“, kritisiert Simone Hartmann, Leiterin der TK Sachsen. Das offenbare auch Qualitätsdefizite in der ambulanten Versorgung.

Höherer Altersdurchschnitt ist schon herausgerechnet

Steigende Tendenz weist die Sterblichkeit bei Herzklappenkrankheiten und Herzrhythmusstörungen auf, was die insgesamt rückläufigen Zahlen relativiere. „Diese Ergebnisse sind angesichts des medizinisch-technischen Fortschritts Besorgnis erregend“, so Hartmann. Der höhere Altersdurchschnitt der Sachsen scheide aufgrund der altersstandardisierten Daten als Ursache aus. Vielmehr gebe die Fallzahl der stationären Behandlungen Aufschluss über mögliche Gründe.

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Auffällig dabei: Sächsische Kliniken behandeln im bundesweiten Vergleich überdurchschnittlich viele Patienten mit der Diagnose Herzinsuffizienz (Herzschwäche). „Herzinsuffizienz und Herzrhythmusstörungen gehören nicht per se in die Klinik. Wenn diese Diagnosen in Kliniken steigen, ist das ein Hinweis, dass die ambulante Behandlung nicht wirkungsvoll oder intensiv genug erfolgt“,warnt Hartmann. Es fehle die engmaschige, interdisziplinäre Betreuung von Hausärzten und fachärztlichen Schwerpunktpraxen in enger Kooperation.

Versorgung hat sich verschlechtert

Hartmann verweist auch auf falsche Vergütungsanreize im ambulanten System. In der Herz- und Diabetesbehandlung per Rechtsverordnung sieht Hartmann deshalb auch eine wesentliche Ursache für die Qualitätsdefizite in Sachsen. Der Mehrwert für die Patienten in Sachsen sei nicht zu erkennen. „Im Gegenteil. Die Versorgung hat sich in den letzten Jahren sogar deutlich verschlechtert.“

Krankenkassen und Vertragsärzte hatten in Sachsen von 1999 bis 2002 eine bundesweit einmalige Diabetes-Vereinbarung abgeschlossen. Die enge Betreuung der Patienten fand nach festgelegten Behandlungswerten interdisziplinär zwischen Hausarzt, Schwerpunktpraxen und Kliniken statt. Bereits innerhalb eines Jahres verbesserte sich die Einstellung der Patienten auf relevante Werte wie Blutzucker oder Blutdruck deutlich.

Politik hat sächsisches Modell als minderwertig abgestempelt

Im Jahr 2003 führten die damalige Bundesgesundheitsministerin Ursula Schmidt und der Bundestagsabgeordnete Karl Lauterbach (beide SPD) die sogenannten Disease Management Programme (DMP) – also bundesweit einheitliche Betreuungsprogramme – ein, die die Versorgung auf den kleinsten gemeinsamen Nenner beschränkte. Das sächsische Versorgungsmodell kam für die Bundespolitik als Vorbild nicht infrage und wurde als minderwertig abgestempelt.

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„Die Folgen für Sachsen tragen die Patienten unmittelbar. Die anhaltend hohe Zahl von Todesfällen über einen neunjährigen Analysezeitraum muss die Verantwortlichen betroffen machen und endlich zum Handeln bewegen.“ Sachsen solle über den Bundesrat wirksamen Einfluss auf die aktuelle Gesetzgebung nehmen, fordert Hartmann.

Von Roland Herold

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