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„Letzte Generation“

Nach zwei Nächten: Klima-Aktivisten räumen besetzten Uni-Saal, Universität erfüllt Forderungen nicht

Am Mittwoch hatten Aktivistinnen nach einem Vortrag das Audimax der Uni Leipzig fest in ihrer Hand. Eine Räumung schloss die Universität aus.

Am Mittwoch hatten Aktivistinnen nach einem Vortrag das Audimax der Uni Leipzig fest in ihrer Hand. Eine Räumung schloss die Universität aus.

Leipzig.Seit Mittwochabend hatten Klima-Aktivisten das Audimax der Universität Leipzig besetzt. Sie hatten Isomatten und Schlafsäcke dabei, ließen sich Pizza vom Lieferdienst kommen. Der für 817 Studierende ausgelegte, mit Abstand größte Vorlesungssaal der Universität war seither unbenutzbar.

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Jetzt, nach zwei Nächten, ist die Besetzung vorbei. „Wir sind sehr froh zu verkünden, dass die Unibesetzung erfolgreich war“, schreibt Sprecherin Lina Schinköthe, 20 Jahre, die aus den Niederlanden stammt und in Leipzig im zweiten Semester Philosophie studiert.

Dabei wurden die Ansprüche der Gruppe „Letzte Generation“ nicht ganz erfüllt: Dafür hätte das Rektorat der Universität eine von den Aktivistinnen geforderte „Lebenserklärung“ unterzeichnen müssen. Damit hätte sich die Universität im Kern „gegen neue Ölbohrungen in der Nordsee“ positioniert.

Durch Besetzung keine Jura-Vorlesungen

Am Donnerstag beriet sich das Rektorat über die Erklärung. „Wir finden die Forderung gut“, sagte am Freitag Kanzlerin Prof. Dr. Birgit Dräger gegenüber LVZ. „Aber wir können in solchen Fragen nicht für die gesamte Universität sprechen.“ Anstatt die Erklärung zu unterzeichnen, wolle das Rektorat sie nun dem Senat vorlegen, dem gewählte Mitglieder aus allen Bereichen der Universität angehören. Gleichwohl erklärte das Rektorat in einer eigenen Erklärung: „Wir anerkennen, gestützt auf wissenschaftliche Erkenntnisse, die klimaschädliche Wirkung fossiler Energieträger.“

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Die Aktivistinnen feiern das als Sieg. „Die Universitätsleitung erklärte öffentlich, die tatsächliche, wie auch vom Stadtrat Leipzig ausgerufene, Dringlichkeit des Klimanotstands“, gaben sie bekannt. „Die erfolgreiche Besetzung der Uni zeigt uns erneut: Entschlossener, ziviler Widerstand funktioniert!“

Sprecherin Lina Schinköthe im Gespräch mit Uni-Kanzlerin Prof. Dr. Birgit Dräger, die vorab über die geplante Besetzung informiert wurde.

Sprecherin Lina Schinköthe im Gespräch mit Uni-Kanzlerin Prof. Dr. Birgit Dräger, die vorab über die geplante Besetzung informiert wurde.

Für den universitären Betrieb hatte die Besetzung Folgen: Im Audimax konnten seit Mittwochabend nicht wie üblich Vorlesungen abgehalten werden – vor allem von der juristischen Fakultät, der einzigen in ganz Sachsen.

Die Besetzung nahm ihren Lauf am Mittwochabend, als die Aktivistinnen nach einer Veranstaltung die Bühne des Audimax betraten und ein langes Banner mit der Aufschrift "Lebenserklärung" zeigten. In den folgenden beiden Nächten hatten etwa 35 Mitglieder der Gruppe im Audimax auf Bänken und auf dem Boden mit Isomatten und Schlafsäcken geschlafen.

Klimaaktivisten kleben sich auf Jahnallee fest

Bereits am Montagmorgen blockierten Mitglieder der Gruppe im Berufsverkehr eine viel befahrene Straße in Leipzig. Dabei klebten sich einige Aktivisten mit Sekundenkleber an die Straße. Die Feuerwehr hatte sie mit Öl ablösen müssen. Die Straße war nach Polizeiangaben ungefähr anderthalb Stunden blockiert. Es wurden Ermittlungen gegen je drei Frauen und Männer im Alter zwischen 20 und 24 Jahren wegen des Anfangsverdachts der Nötigung eingeleitet.

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Verzicht auf neue Ölbohrungen

Die Protestler forderten im Zuge ihrer Besetzung von Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne), auf weitere fossile Energie zu verzichten. Von der Rektorin der Leipziger Universität forderten sie, von Habeck „offiziell und öffentlich“ zu verlangen, auf den Bau und die Finanzierung neuer fossiler Infrastruktur zu verzichten. Insbesondere auf neue Ölbohrungen in der Nordsee und neue Flüssiggas-Terminals müsse verzichtet werden, hieß es in einer Mitteilung der Gruppe.

Von RND/dpa

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