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Jeder Sechste verdient zu wenig

Mehr als 600.000 Sachsen sind armutsgefährdet

Bis zu einem Monatseinkommen von 866 Euro netto (Singlehaushalt) gilt man in Sachsen als armutsgefährdet. (Archivfoto)

Bis zu einem Monatseinkommen von 866 Euro netto (Singlehaushalt) gilt man in Sachsen als armutsgefährdet. (Archivfoto)

Leipzig. Trotz allmählicher Verbesserung der sozialen Lage im Freistaat ist immer noch jeder Sechste akut von Armut bedroht. Das hat Sachsens Sozialministerin Barbara Klepsch (CDU) auf Nachfrage des Landtagsabgeordneten André Schollbach (Linke) bekannt gegeben. „Für die Betroffenen stellt diese Situation häufig eine große Belastung dar. Am Ende des Monats ist die Haushaltskasse meistens leer. Urlaube oder größere Anschaffungen sind kaum drin“, sagte Schollbach gegenüber der LVZ.

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Zum Jahresende 2017 hatten insgesamt 676.000 Menschen in Sachsen weniger als 60 Prozent des mittleren Äquivalenzeinkommens zur Verfügung. Mit diesem lassen sich auch Lebensgemeinschaften unterschiedlicher Größe miteinander vergleichen. Bei einem sächsischen Singlehaushalt liegt der Schwellenwert für eine Armutsgefährdung bei maximal 866 Euro netto im Monat, eine Familie mit zwei Kindern gilt ab 1818 Euro Haushaltseinkommen als arm.

Im Vergleich zum Vorjahr sank die Quote der Betroffenen in Sachsen zwar um 0,9 Punkte auf 16,8 Prozent. Im Bundesvergleich liegt sie dennoch immer einen Prozent über dem Durchschnitt. Am wenigsten von Armut bedroht sind demnach die Einwohner in Bayern und Baden-Württemberg (jeweils 12,1 Prozent), am stärksten die in Bremen (23 Prozent) und in Sachsen-Anhalt (21 Prozent).

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Linken-Politiker André Schollbach machte eine jahrelang verfehlte Sozialpolitik für die prekäre Lage vieler Menschen mitverantwortlich. „So werden etwa Gewinne aus Aktienspekulationen recht zurückhaltend besteuert, während der Staat bei der Besteuerung von Arbeitseinkommen kräftig zulangt“, sagte er gegenüber der LVZ. Vermögen und Einkommen seien in Deutschland insgesamt höchst ungerecht verteilt. „Es gibt viele Menschen, die nichts haben und wenige, die enormen Reichtum anhäufen konnten.

Sachsens Sozialminister Barbara Klepsch hatte am Dienstag in Dresden den Sozialbericht für die Jahre 2005 bis 2015 vorgestellt und dabei von einer deutlichen Verbesserung der Lage im Freistaat gesprochen. Unter anderem seien Einkommen und Lebenserwartung der Sachsen in dieser Zeitraum gestiegen. Das Risiko, arm zu werden, sei in Sachsen vergleichsweise gering, so Klepsch.

Von Matthias Puppe

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