Image beschädigt

Nach tödlicher Messerattacke: Chemnitz sagt Stadtfest ab

Polizisten vor dem Marxmonument in Chemnitz.

Polizisten vor dem Marxmonument in Chemnitz.

Chemnitz. Ein Jahr nach der tödlichen Messerattacke auf einen 35-Jährigen wird in diesem Jahr in Chemnitz kein Stadtfest stattfinden. Die Chemnitzer Wirtschaftsförderungs- und Entwicklungsgesellschaft mbH (CWE) sagte am Mittwoch die für den 23. und 24. August geplante Veranstaltung ab. „Eine Wirtschaftlichkeit sowie der imageprägende und identitätsstiftende Sinn und Zweck eines Stadtfestes“ seien nicht mehr gegeben, hieß es in einer Mitteilung auf Facebook.

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Grund für die Absage sei, dass das Stadtfest 2018 mit dem Tod des 35-jährigen Daniel H. und mit den darauf folgenden Ereignissen verbunden worden sei – und somit "das Image dieses Festes nachhaltig negativ besetzt wurde".

Stadt war wochenlang in den Negativ-Schlagzeilen

Der Mann war im Vorjahr am Rande des Stadtfestes am 26. August mutmaßlich durch zwei Asylbewerber getötet worden. Das hatte in der Stadt fremdenfeindliche Übergriffen, rechte Demonstrationen mit zahlreichen Straftaten wie dem Zeigen des Hitlergrußes sowie Anschläge auf ausländische Restaurants ausgelöst. Die Stadt war deshalb über Wochen bundesweit in den Schlagzeilen.

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Seit vergangenem Montag muss sich ein tatverdächtiger Syrer unter anderem wegen Totschlags vor dem Landgericht Chemnitz verantworten. Beim Prozessauftakt in Dresden beantrage die Verteidigung eine Einstellung des Verfahrens aus Mangel an Beweisen. Für den Prozess, der nächsten Dienstag fortgesetzt werden soll, sind zwei Dutzend Verhandlungstage bis Oktober terminiert.

Biermann: „Orgie des Fremdenhasses“

Noch bevor die Stadtfest-Absage am Mittwoch öffentlich wurde, bezeichnete der Liedermacher Wolf Biermann (82) die rechtsextremen Ausschreitungen im vergangenen Jahr in Chemnitz als „Orgie des Fremdenhasses“. Er habe das Geschehen im Fernsehen verfolgt und nicht auf der Straße, „zum Glück nicht Aug’ in Aug’ mit den zusammengerotteten Heil-Hitler-Athleten aus der Muckibude“, sagte er der Chemnitzer Freien Presse (Mittwoch/online).

„Solche Hass-Hysterie gegen Flüchtlinge ist im Osten bei einigen noch wutblinder als im Westen, weil es dort weniger normale Lebenserfahrungen mit Ausländern gibt“, so Biermann. Der in Hamburg geborene Liedermacher war 1956 in die DDR gezogen und hatte in Ost-Berlin gelebt. Seine Ausbürgerung 1976 löste in Ost und West einen Sturm der Entrüstung aus.

Von Martin Kloth und Sebastian Engel

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