Berühmter Wissenschaftspreis

Neandertaler-Forscher des Max-Planck-Instituts in Leipzig hat urzeitlichen Sex wissenschaftlich bewiesen

Svante Pääbo ist Direktor des Max-Planck-Instituts für evolutionäre Anthropologie in Leipzig.

Svante Pääbo ist Direktor des Max-Planck-Instituts für evolutionäre Anthropologie in Leipzig.

Leipzig/Hamburg. Der in Leipzig lebenden schwedischen Mediziner und Biologen Svante Pääbo soll den Nobelpreis für Medizin erhalten. Der 67-Jährige wurde bereits 2018 mit dem Körber-Preis für die Europäische Wissenschaft für seine Pionierleistungen auf dem Gebiet der Paläogenetik ausgezeichnet, als deren Begründer er gilt. Zu Pääbos bedeutendsten wissenschaftlichen Durchbrüchen zählt die Entschlüsselung des Neandertaler-Genoms.

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2010 war ein Team unter seiner Leitung erstmals auf Hinweise darauf gestoßen, dass es vor 50 000 bis 60 000 Jahren im Nahen Osten zu Begegnungen der fruchtbaren Art zwischen dem Neandertaler und dem Homo sapiens kam. Die beiden Gruppen, so konnte Pääbo nachweisen, hatten urzeitlichen Sex miteinander. Noch immer tragen die modernen Menschen außerhalb Afrikas in ihrem Erbgut bis zu drei Prozent DNA-Anteile des ausgestorbenen Neandertalers in sich. „Neandertaler sind die engsten Verwandten des heutigen Menschen“, so Pääbo. „Vergleiche ihrer Genome mit denen heutiger Menschen sowie mit denen von Menschenaffen ermöglichen uns zu bestimmen, wann genetische Veränderungen bei unseren Urahnen eintraten.“ Dabei könnte künftig auch geklärt werden, warum moderne Menschen eine komplexe Kultur und Technik entwickelten, die ihnen ermöglichten, fast die ganze Welt zu kolonisieren.

„Hamburger-Nobelpreis“

Der Körber-Preis zähle zu den angesehensten Auszeichnungen für Forscherinnen und Forscher in Europa, sagte Hamburgs Erster Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) bei der Preisverleihung im Rathaus der Hansestadt. Die Auszeichnung ist oft als „Hamburger Nobelpreis“ bezeichnet worden – zu Recht, denn immerhin haben bereits fünf Körber-Preisträger später die berühmte Auszeichnung in Stockholm erhalten. „Svante Pääbo ist ein außerordentlicher Wissenschaftler“, so Tschentscher weiter, „dessen Arbeit die Evolutionsgeschichte und die Paläogenetik, die er selbst mit begründet hat, einen großen Schritt voranbringt.“ Pääbo sammelte bislang Ehrungen wie andere Briefmarken, publizierte vielfach seine Untersuchungsergebnisse in namhaften Journalen, bekam das große Verdienstkreuz mit Stern der Bundesrepublik, wurde vom Magazin Science zu einem der weltweit renommiertesten Wissenschaftler gekürt und räumte 2015 einen mit drei Millionen Dollar dotierten Preis in den USA ab. Aus triftigem Grund, wie der langjährige LVZ -Wissenschaftsjournalist Mario Beck meint: „Der Kletterer im Stammbaum der Evolution konnte dessen Verästelungen immer weiter auffächern. Unter seiner Ägide wurden neben der Entschlüsselung des Genoms des Neandertalers auch ein bis dato unbekannter Urzeitler, der sogenannte Denisova-Mensch, entdeckt.“

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Pääbo habe seine Disziplin nie als eine nur rückwärtsgewandte betrachtet, sondern als eine, die genetische Vergleichsmöglichkeiten zum Hier und Heute eröffne, so Beck weiter. Sie sei ein Schlüssel zum Ergründen, was den Menschen zum Menschen macht. Mit Pääbo sei ein Gelehrter gekürt worden, der nicht nur mit Spitzenleistungen glänze, sondern sich auch als Teamarbeiter ohne elitäres Gehabe verstehe. Die von Pääbo geschaffene Leipziger Schule der Evolutionsgenetik gelte als Lehrbeispiel dafür, wie das Prinzip Fördern und Fordern auf wissenschaftlichem Weltniveau funktioniere.

Pääbo kam 1997 an das neu gegründete Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie in Leipzig. Zuvor forschte er im kalifornischen Berkeley und in München. Studiert hatte er in Schweden Ägyptologie und Medizin.

Derzeit arbeiten Pääbo und seine Kollegen an einer Methode, wie man noch geringere DNA-Mengen aus altertümlichen Organismen entschlüsseln kann. Das Preisgeld kommt da nicht ungelegen.

Von Andreas Dunte

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