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Gutachten

„Die Leute wollen Bahnfahren“ – Sachsen will stillgelegte Strecken reaktivieren

Sachsen will wieder mehr Bahnstrecken nutzbar machen.

Sachsen will wieder mehr Bahnstrecken nutzbar machen.

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Dresden. Sachsen will stillgelegte Bahnstrecken wiederbeleben und hat deshalb ein Gutachten in Auftrag gegeben. „Die stillgelegten Strecken in Sachsen wurden nicht von der Regierung stillgelegt oder weil auf diesen zu viel Verkehr war. Sondern die Zweckverbände haben den Betrieb einstellen lassen, weil die Nachfrage der potenziellen Bahnnutzer nicht mehr gegeben war“, sagte Verkehrsminister Martin Dulig (SPD) am Sonntag.

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Mit dem Gutachten habe man untersuchen lassen, ob ein wirtschaftlicher Betrieb auch mit Blick auf ein verändertes Mobilitätsverhalten der Menschen wieder gegeben sein könnte.

Strecke Döbeln – Meißen soll reaktiviert werden

Dulig zufolge gibt es schon erste Folgerungen. Zwischen dem Ministerium und der Nossen-Riesaer Eisenbahn-Compagnie GmbH sei im Sommer 2021 ein Planungsvertrag für die Reaktivierung der Strecke von Döbeln nach Meißen abgeschlossen worden, der derzeit angepasst werde.

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Auch in den Strecken von Marienberg nach Pockau-Lengefeld und von Beucha über Brandis nach Trebsen sehen die Gutachter Potenzial. „Für beide Strecken weisen die Analysen ein ausreichendes Fahrgastpotenzial, moderate Investitionskosten und Zuschussbedarfe auf“, hieß es. Im Fall von Marienberg würden sich die Investitionskosten auf 15 Millionen Euro belaufen, bei der Strecke von Beucha auf 32 Millionen Euro. Allerdings soll die Beucha-Strecke trotz vergleichsweise guter Parameter vorerst zurückgestellt werden, hieß es.

Einige Bahnrouten in Sachsen sollen wiederbelebt werden.

Einige Bahnrouten in Sachsen sollen wiederbelebt werden.

Vorprüfung bei der Muldentalbahn

Für die Strecke von Kamenz nach Hosena hätten Planungen für die Elektrifizierung begonnen, teilte das Ministerium mit. Zur Reaktivierung der Muldentalbahn zwischen Großbothen, Rochlitz und Narsdorf werde eine Vorstudie erstellt. Für die Strecken zwischen Löbau und Ebersbach sowie Niedercunnersdorf und Oberoderwitz (Herrnhuter Bahn) wurde kein wirtschaftlicher Betrieb gesehen.

„Die Leute wollen Bahnfahren. Nicht nur, weil es gut für die Umwelt ist, sondern immer mehr, weil es schlicht bares Geld spart“, sagte SPD-Chef Hennig Homann, der in der Landtagsfraktion seiner Partei für Verkehrspolitik zuständig ist. Mit dem Deutschland-Ticket sei Mobilität mit Bus und Bahn so günstig und so einfach wie nie zuvor. „Jetzt wollen wir Schritt für Schritt das Angebot ausbauen und beginnen damit, alte Strecken wieder zu nutzen. Und zwar dort, wo es auch wirtschaftlich sinnvoll ist.“

Sachsens Tourismus soll profitieren

Jörg Markert, Tourismusexperte der CDU-Fraktion im Landtag, freute sich vor allem über die mögliche Wiederbelebung der Verbindung von Marienberg nach Pockau-Lengefeld. „Gerade für die Region um Marienberg, die auch stark vom Tourismus lebt, ist dies ein positives Signal. Denn viele Urlauber reisen gern bevorzugt mit dem Zug an und ab. Und auch für Tagestouristen aus dem Chemnitzer Raum könnte damit in absehbarer Zeit die Eisenbahn wieder eine echte Alternative darstellen. Davon könnte dann das gesamte Erzgebirge profitieren.“

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Markert zufolge zeigen die Untersuchungsergebnisse insgesamt, dass es gerade in bevölkerungsschwachen Gebieten schwierig ist und wohl auch bleibt, Eisenbahnstrecken wieder an das Kernnetz der Deutsche Bahn anzuschließen. „Die zunächst anfallenden Investitionskosten für viele der untersuchten sächsischen Eisenbahnstrecken sind so hoch, dass derzeit eine vertiefende Betrachtung nicht in Frage kommt. Dennoch besteht grundsätzlich die Chance, diese Strecken zu einem späteren Zeitpunkt wieder in den Blick zu nehmen.“

LVZ

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