Waldbrandeinsätze

Feuerwehrleute kritisieren Brandschutz in Sachsen: „Sparmaßnahmen fallen uns auf die Füße“

Freiwillige Feuerwehrleute des Internationalen Katastrophenschutz Deutschland "@fire" stehen nach dem Einsatz gegen die Waldbrände im Nationalpark Sächsische Schweiz auf einer Wiese vor einem Hubschrauber der Bundespolizei. (Archivbild)

Freiwillige Feuerwehrleute des Internationalen Katastrophenschutz Deutschland "@fire" stehen nach dem Einsatz gegen die Waldbrände im Nationalpark Sächsische Schweiz auf einer Wiese vor einem Hubschrauber der Bundespolizei. (Archivbild)

Dresden/Oybin. Für Feuerwehrleute ist dieses Szenario kaum auszuhalten: Meterhoch schlagen die Flammen aus dem trockenen Wald und sie sind fast zur Untätigkeit verdammt. Weil das Brandgebiet in der Nähe des sächsischen Kurortes Oybin steil und unwegsam ist, müssen die Einsatzkräfte am Freitag auf einen Löschhubschrauber warten. Sachsen hat aber keinen eigenen und muss andere Bundesländer um Hilfe bitten. „Es wurde in den vergangenen Jahren zu viel gespart, das fällt uns nun auf die Füße. Jetzt wird es teuer“, sagt Kreisbrandmeister Björn Mierisch im Landkreis Görlitz am Samstag.

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Helikoptereinsatz erst Stunden nach der Alarmierung

Erst sechs Stunden nach der Feueralarmierung kommt Hilfe von der Polizei Thüringen. Deren Hubschrauber kann einen Behälter anhängen, der bis zu 400 Liter Wasser aufnimmt und über dem Brandherd abwirft. „Das war im allerletzten Moment. Der Wind frischte immer mehr auf und drohte die Flammen weiter zu verbreiten“, erläutert Mierisch. Viel Zeit sei verloren gegangen. In der Zwischenzeit wurde der Ort abgeriegelt. Zum Glück wehte der Wind die Flammen in die entgegengesetzte Richtung und die Bevölkerung war nicht gefährdet.

Stundenlang können die Einsatzkräfte in Oybin lediglich versuchen, das Feuer von den Seiten in Schach zu halten. Mit Hilfe von erfahrenen Bergsteigern werden Pumpen und Schläuche in das Brandgebiet gebracht, um eine Wasserversorgung aufzubauen.

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Eine gefährliche und bei Außentemperaturen von über 30 Grad in Vollschutzmontur auch eine kräftezehrende Arbeit. Zwei Feuerwehrleute werden bei dem Einsatz verletzt, einer bekommt Kreislaufprobleme und ein anderer eine Rauchgasvergiftung.

Was dagegen ein Hubschrauber bewirkt, wird in Oybin schnell klar: Etwa ein Dutzend mal wirft er seine Ladung ab und die Flammen sind nahezu gelöscht, die Feuerwehrleute können übernehmen. Rasch ist der Brand unter Kontrolle.

Ein Hubschrauber fliegt mit einem Löschwasserbehälter im deutsch-tschechischen Grenzgebiet bei Bad Schandau. (Archivbild)

Ein Hubschrauber fliegt mit einem Löschwasserbehälter im deutsch-tschechischen Grenzgebiet bei Bad Schandau. (Archivbild)

30 Millionen für Waldbrandschutz

Auch im Waldbrandgebiet im Nationalpark Sächsische Schweiz mussten die Einsatzkräfte zunächst auf Luftunterstützung warten, weil die Hubschrauber in anderen Brandgebieten im Einsatz waren. Mittlerweile unterstützen dort zwölf Löschhubschrauber die Brandbekämpfung.

Sachsens Innenminister Armin Schuster will nun rund 30 Millionen Euro zusätzlich in den Schutz vor Waldbränden investieren. „Damit meine ich beispielsweise die Anschaffung von drei zusätzlichen Katastrophenschutzlöschzügen für Waldbrände, dann hätten wir insgesamt sechs – aber auch weitere Spezialfahrzeuge und Sonderausstattung“, sagte der CDU-Politiker der „Sächsischen Zeitung“.

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Schuster will Großtanklöschfahrzeuge, die bis zu 10.000 Liter Wasser fassen können, sowie sehr kleine, geländegängige Löschfahrzeuge, die auch in topographisch schwierige Gebiete hineinfahren können. Erst im kommenden Jahr soll der erste löschfähige Polizeihubschrauber in Sachsen einsatzbereit sein. Zwei weitere sollen in den beiden folgenden Jahren kommen.

„Schneller wäre schön, aber die Lage auf dem Markt ist schwierig und es gibt lange Lieferzeiten“, erläutert Kreisbrandmeister Mierisch. Zudem fehle es derzeit noch an Piloten, die mit der zusätzlichen Last fliegen können. „Derzeit lassen sich sächsische Piloten in Bayern dafür ausbilden“, sagt Mierisch. Die Außenlastbehälter sind zusammenfaltbar und können ständig an Bord der Hubschrauber mitgenommen werden. Bei Bedarf ist er schnell einsatzbereit.

Innenminister Schuster hält auch tragbare Wärmebildgeräte für die Einsatzkräfte am Boden für sinnvoll, um Glutnester zu bekämpfen, die bis zu einem halben Meter tief im Boden sind. Derzeit gelinge die Ortung lediglich mit Polizeihubschraubern und Wärmebildkameras.

Von RND/dpa

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