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Unachtsamkeit und zu hohe Geschwindigkeit

Steigende Unfallzahlen an Sachsens Autobahn-Baustellen

Baustelle auf der A14 (Archivfoto)

Baustelle auf der A14 (Archivfoto)

Leipzig.620 Autofahrer wurden im ersten Halbjahr auf Sachsens Autobahnen bei Unfällen verletzt. Ein Rekordwert. Zum selben Zeitraum im Vorjahr waren es noch vier Prozent weniger und damals stand am Ende ein Spitzenwert in der jährlichen Polizeistatistik. Allein im Juli 2018, zu Beginn der Sommerferienzeit in Sachsen, registrierten die Behörden auf den 567 Kilometern Autobahn im Freistaat 119 mindestens leicht verletzte Pkw-Insassen – fast eine Verdopplung gegenüber dem Juli 2017.

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In gut zwei Dutzend Fällen endeten die Unglücke in diesem Jahr sogar tödlich, so wie beispielsweise am vergangenen Mittwochabend auf der A4 bei Dresden. Gesundheitliche Probleme sollen Ursache für diesen Unfall gewesen sein, heißt es im Polizeibericht. Bei anderen Unglücken stehen häufig zu hohe Geschwindigkeit oder zu geringer Sicherheitsabstand im Protokoll.

17 Autobahn-Baustellen im Freistaat

Laut Behördenangaben sind darüber hinaus in zunehmendem Maße auch die vielen Autobahn-Baustellen zwischen Leipzig, Dresden, Chemnitz, Görlitz und Zwickau zumindest indirekt an den Verkehrsunfällen beteiligt. Gefühlt tauchen im Minutentakt Warnschilder auf, die von notwendigen Geschwindigkeitsbegrenzungen und Fahrbahnreduzierungen künden. Die sächsische Polizei listet derzeit nicht weniger als 17 Stellen mit Behinderungen durch Arbeiten neben oder auf dem Asphalt auf – zwölf davon sind längerfristige Angelegenheiten.

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Im Zuständigkeitsbereich der Polizeidirektion Leipzig ist derzeit vor allem die A14 betroffen. Neben der Sanierung am Rastplatz Birkenwald werden auf knapp sechs Kilometern zwischen den Abfahrten Leipzig-Nord und Leipzig-Mitte noch bis Anfang November verschlissene Fahrbahnen erneuert. Am Mittwochmorgen geriet dort ein niederländischer Lkw-Fahrer rechts von der Fahrbahn ab, versuchte noch gegenzulenken und prallte gegen die mobile Mittelleitwand. Diese verschob sich und auf der Gegenfahrbahn konnte ein Pkw-Fahrer nicht mehr ausweichen. Zum Glück blieb es beim Blechschaden.

Zu hohe Geschwindigkeiten bei der Annäherung

Kein Einzelfall, sagt Behördensprecher Uwe Voigt. „Wir merken auf jeden Fall, dass es an den Baustellen auf der A14 zur Zeit deutlich mehr Unfälle gibt als üblich.“ Vergleichende Statistiken zu Baustellenunfällen gebe es zwar nicht, aber beim täglichen Schreiben der Meldungen sei eine Häufung schon auffällig. In den meisten Fällen gehe es um Blechschäden und Unachtsamkeiten beim Ein- oder Befahren der Baustellen. „In der Folge passieren dann Auffahrunfälle“, so Voigt weiter. Solche Situationen kennt auch Markus Löffler, Verkehrsingenieur beim sächsischen ADAC, nur zu genüge. „Baustellen haben in der Regel engere Fahrstreifen und keinen Standstreifen. Wenn es dort zu einer Störung kommt, können die Autofahrer ja nicht auf den Standstreifen ausweichen und schon haben wir einen Stau. Weiter hinten sind dann nicht selten Auffahrunfälle die Folge – häufig auch mit Lkws“, sagte Löffler.

Marko Laske von der Polizeidirektion Dresden bestätigt die zunehmende Problemsituation. Auch er hat dem eigenem Empfinden nach in den vergangenen Monaten häufiger als sonst Unfälle im Baustellenbereich vermeldet. „Wir haben hier ja einige Baustellen, vor allem rings um das Dreieck Nossen und an der Abfahrt Dresden-West. Und natürlich führen solche Behinderungen naturgemäß zu einer erhöhten Zahl an Verkehrsunfällen.“ Seiner Erfahrung nach ist allerdings weniger die beengte Situation in den Baustellen das Problem, sondern die Annäherung der Autofahrer dorthin. „Die zulässige Höchstgeschwindigkeit wird in Stufen verringert, aber es gibt immer Autofahrer, die sich daran nicht halten wollen“, sagte Laske. Dann kracht es unter Umständen schon, bevor der Abschnitt mit den Arbeiten überhaupt beginnt. Nicht selten bilden sich zudem Staus beim Einfädeln. Im Juli raste ein Lkw vor den Toren der Landeshauptstadt in einen solchen, zwei Menschen kamen ums Leben.

Autofahrer haben Probleme an Überleitungen

Tendenziell sei das Befahren der verengten Spuren meist sogar sicherer als das Rasen auf freier Strecke – einfach weil es langsamer voran geht. Das hat eine Untersuchung der TU Dresden im Auftrag der Unfallforschung der Versicherer (UVD) herausgefunden. Richtig sei aber auch, dass Autofahrer innerhalb der Baustellen häufig Probleme beim Befahren von Überleitungen von einer Fahrbahnseite auf die andere oder an verkürzten Behelfs-Anschlussstellen haben. „Hier kommt es bis zu sechs mal häufiger zu Unfällen als auf Autobahnabschnitten ohne Baustellen“, heißt es dazu in der Studie.

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Nicht zuletzt sei das Ende einer jeden Baustelle besonders anfällig für Unglücke. „Anscheinend führt das schon zu erkennende Schild ’Aufhebung der zulässigen Höchstgeschwindigkeit’ zu starken Beschleunigungen und großen Streuungen der Geschwindigkeiten“, erklärte UVD-Sprecher. Die Forschungsgruppe empfiehlt deshalb, beim Aufbau von Baustellen möglichst auf unnötige Überleitungen zu verzichten und das Ende analog zum Anfang mit stufenweisen Geschwingkeitserhöhungen auszustatten.

Von Matthias Puppe

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