Klimaschutz

„Du sollst nicht rasen“: Sachsens Kirche wartet beim Tempolimit für Pfarrer erst mal ab

Bleibt Tempo 100 nur ein frommer Wunsch? Die EKD hat mit ihrem Beschluss zum freiwilligen Tempolimit für Kirchenmitarbeiter die ­Debatte neu entfacht.

Bleibt Tempo 100 nur ein frommer Wunsch? Die EKD hat mit ihrem Beschluss zum freiwilligen Tempolimit für Kirchenmitarbeiter die ­Debatte neu entfacht.

Leipzig. Die Evangelische Kirche tritt auf die Bremse. Eine Synode hat jüngst beschlossen, sich für eine generelle Geschwindigkeitsbegrenzung von 120 Kilometern pro Stunde auf Autobahnen einzusetzen. Mehr noch: Ein freiwilliges Tempolimit von Kirchenmitarbeitern soll dafür sorgen, dass ein Beitrag zum Klimaschutz geleistet wird: auf Autobahnen 100 und auf Landstraßen 80 Kilometer pro Stunde.

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Nur ein frommer Wunsch?

Bundesweit betrifft diese Entscheidung 241 .000 Beschäftigte der EKD und 600 .000 Mitarbeiter der Diakonie. Der Beschluss zur freiwilligen Selbstverpflichtung soll künftig für alle dienstlichen Kirchenfahrten gelten. "Du sollst nicht rasen" als elftes Gebot für Pfarrer und Katecheten? Lässt sich das überhaupt umsetzen? "Nur um einen frommen Wunsch handelt es sich nicht", versichert der stellvertretende Sprecher der Evangelischen Landeskirche Sachsen, Matthias Oelke. Auch wenn sich die Landeskirche in dieser Frage noch nicht explizit festgelegt habe, so gehöre der Vorschlag dennoch zum Gesamtkonzept, das die Evangelische Kirche bereits seit Jahren verfolge.

Neben der Bewahrung der Schöpfung sei da natürlich auch das Bemühen, angesichts steigender Energiepreise Kosten zu senken, räumt er ein. Allerdings dürfe die verminderte Geschwindigkeit nicht dazu führen, dass andere behindert oder gefährdet würden. Ergo: „Es bleibt letztendlich im Ermessen desjenigen, der mit dem Fahrzeug unterwegs ist.“ Ohnehin müsse sehr sorgfältig begründet werden, warum eine Fahrt nicht auch mit Bus oder Bahn möglich ist. „Wir haben ja auch Referenten, die in völliger Selbstbescheidung bei dienstlichen Einsätzen mit dem Fahrrad unterwegs sind.“ Oelke wartet nun auf Order von oben. Im konkreten Fall, dass sich die EKD erklärt und Empfehlungen ausspricht.

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Herbstsynode bleibt vage

Auch die kürzlich stattgefundene Herbstsynode der Evangelischen Kirche Mitteldeutschlands bleibt in dieser Frage eher vage. Zum Thema Klimaschutz und Pkw-Verkehr heißt es da: „Wir begrüßen die Bemühungen um die Einführung eines plausiblen Tempolimits im Kontext mit vielen anderen notwendigen Maßnahmen.“ Der gegenwärtige Stand der Bemühungen entspreche „noch nicht unseren eigenen Ansprüchen“. Die Arbeit an der Erstellung einer Klimakonzeption und eines Mobilitätskonzeptes und deren Umsetzung sollten darum bleibend hohe Priorität besitzen.

Späte Anerkennung für Petition

Für Oberkirchenrat Christian Fuhrmann dennoch eine späte Genugtuung. „Es war vollkommen richtig, was wir gemacht haben“, sagt Fuhrmann mit Blick auf eine Petition des Landeskirchenrates aus dem Jahre 2019. Seinerzeit war gefordert worden, ein Tempolimit von 130 Kilometern pro Stunde auf Autobahnen zu beschließen, um rund zwei Millionen Tonnen CO2 einzusparen. Wörtlich sagte Fuhrmann seinerzeit im Bundestag: „Die Zeit drängt, wir können es uns schon lange nicht mehr leisten, nicht auch kleine Schritte zu gehen.“

Dass die damals großes Aufsehen verursachende Petition letztendlich scheiterte, hält er für verschmerzbar. „Wichtig war doch die Debatte darum. Was braucht die Gesellschaft? Worauf sind wir bereit zu verzichten?“ Solche Diskussionen täten der Demokratie immer gut, sagt Fuhrmann und will damit auch den Bogen zum neuen Vorschlag geschlagen wissen.

Käßmann will mit Fisch fahren

Die Theologin Margot Käßmann jedenfalls findet die Idee einer Selbstverpflichtung von Tempo 100 auf Autobahnen gut. „Ich bin dabei. Für das Klima. Um Verkehrstote zu reduzieren. Um der größeren Entspannung beim Fahren willen“, bekannte sie gegenüber der „Bild am Sonntag“. Und fügte hinzu: „Vielleicht sollte ich so einen Fisch an meinem Auto anbringen. Dann sagen die Leute: Ach, die tuckert so langsam, weil sie von der Christenfraktion ist.“ Es gehe um ein Signal an die Politik, betonte die Theologin: „Wir machen das einfach.“

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Nach einer aktuellen Umfrage des ADAC unter seinen Mitgliedern ist mittlerweile erstmals eine Mehrheit für ein generelles Tempolimit. 52 Prozent sprachen sich dafür aus und 44 Prozent dagegen. Geschwindigkeitsbeschränkungen gibt es derzeit auf knapp einem Drittel des deutschen Autobahnnetzes.

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