Verdi fordert mehr Lohn

Warnstreik legt Leipziger Flughafen teilweise lahm

Wartende auf dem Leipziger Flughafen: Das Sicherheitspersonal streikt, sodass mehrere Flüge ausfallen.

Wartende auf dem Leipziger Flughafen: Das Sicherheitspersonal streikt, sodass mehrere Flüge ausfallen.

Leipzig/Halle. Auf dem Flughafen Leipzig/Halle herrschte am Dienstag gähnende Leere. Nur vereinzelt saßen Passagiere in den Cafés und im Wartebereich. Grund dafür waren 28 Ausfälle im Flugbetrieb, denn das Sicherheitspersonal hatte gestreikt.

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„Zuerst war ich verunsichert, aber gestern kam die Info des Veranstalters, dass wir doch fliegen können“, erzählte Ines Birkmann. Sie ist Dienstagmittag nach Antalya geflogen. Dafür musste sie allerdings fünf Stunden vor Abflug am Flughafen sein, da nur wenig Personal bei den Sicherheitskontrollen gearbeitet hat. So wollte der Flughafen Verzögerungen vermeiden. „Ich sehe das ganz entspannt“, so die Reisende, während sie die Streikenden beobachtete.

Andere Passagiere seien gar nicht erst aufgetaucht, erzählte der Sprecher für die Flughäfen Leipzig und Dresden, Uwe Schuhart. Es waren diejenigen, die eine Verbindung innerhalb Deutschlands gebucht hatten. „Die Flugtickets konnten als Bahnfahrkarten genutzt werden“, so der Pressesprecher.

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Jubel und Trillerpfeifen

Rund 70 Mitarbeiter des Sicherheitspersonals streikten von 4 Uhr morgens bis 18 Uhr. Sie versammelten sich in den frühen Morgenstunden bis in den Vormittag hinein im Gebäude des Airports. Auch in Dresden und Erfurt wurde gestreikt. Da in Erfurt allerdings nur Frachtflüge geplant waren, streikten die Sicherheitsmitarbeiter in Leipzig mit, um dort für Unterstützung zu sorgen – und die war lautstark.

Jedes Mal, wenn ein Mitarbeiter in einer gelben Weste mit der Aufschrift von Verdi die Abflughalle betrat, wurde er mit Trillerpfeifen begrüßt und gejubelt. Obwohl es so aussah, als hätten die Mitarbeiter Spaß dabei, waren sie doch für eine wichtige Sache am Flughafen versammelt. „Wir erhoffen uns, dass es durch den Warnstreik zu einem besseren Angebot kommt“, erklärte die Verdi-Gewerkschaftssekräterin Christel Temepl. Derzeit würde das Sicherheitspersonal im Bereich der Passagierkontrollen 15,70 Euro pro Stunde verdienen. Die Mitarbeiter in den Personen- und Warenkontrollen 12,90 Euro oder 11,30 Euro. Mit dem Warnstreik wollen sie einen bundeseinheitlichen Tarifvertrag erreichen, sodass jeder Mitarbeiter in jedem Bundesland zukünftig einen Stundenlohn von 20 Euro bekommt.

Mitarbeiterin selbst vom Streik betroffen

„Wir wollen niemandem den Urlaub versauen, aber wenn kein Flug geht, bemerkt den Streik auch niemand“, erklärte Sicherheitsmitarbeiter Mathias Fleck. Auch eine Kollegin sei betroffen gewesen. Da sie allerdings ins Ausland flog, habe sie das Flugzeug noch erreicht.

Fleck ist seit 23 Jahren im Betrieb. „Ich arbeite gerne mit den Menschen“, so der 58-Jährige. Er ist im Bereich der Passagierkontrollen tätig und erlebt jeden Tag etwas anderes: Mal kommen Reisende, die an Flugangst leiden, andere sind aufgeregt und freuen sich. „Wir haben eine Verantwortung den Menschen und dem Fluggerät gegenüber“, erklärte er. Wenn etwas schief laufe und Fleck jemanden durchließe, der Böses im Sinn hat, würde er seine Arbeit verlieren.

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„Und wir haben unmenschliche Arbeitszeiten. Mein Freundeskreis ist im Laufe der Zeit kleiner geworden“, erzählte der Mitarbeiter. Dabei wolle Fleck nicht meckern, weil er gerne am Flughafen arbeitet. „Allerdings können wir doch erwarten, dafür richtig entlohnt zu werden. In den westdeutschen Bundesländern funktioniert das auch.“

Verhandlung am 23. Januar

Zweimal liefen alle Beteiligten durch den Flughafen. Dabei waren sie laut, trommelten auf weißen Eimern und trugen in ihren Händen rot-weiße Flaggen mit der Aufschrift Verdi. Ein Mitarbeiter erläuterte per Megafon die Gründe für den Streik. Die wenigen Leute vor Ort – in den Reisebüros und Geschäften oder auf den Flug wartetend – schauten interessiert dabei zu. „Wir sind nicht die Großverdiener, deshalb haben wir auch nichts zu verlieren, zumindest sehe ich das so“, sagte Fleck.

Am 23. Januar findet die nächste Verhandlungsrunde zwischen Verdi und dem Bundesverband der Luftsicherheitsunternehmen (BDLS) statt.

Von Nicole Grziwa

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