Großübung für Ernstfall

Sirenen und Cell Broadcast – der Warntag in Sachsen

Auch Sirenen werden beim Warntag überprüft. In Sachsen gibt es noch immer noch zu wenige.

Auch Sirenen werden beim Warntag überprüft. In Sachsen gibt es noch immer noch zu wenige.

Leipzig. Bei einem bundesweiten Warntag haben Bund und Länder am Donnerstag ihre Warnmittel sowie technische Abläufe überprüft. Pünktlich um 10.59 Uhr haben auch in Leipzig und Sachsen vielerorts die Smartphones angeschlagen – auch wenn es nicht bei allen funktioniert hat.

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Wer Warn-Apps wie Nina oder Katwarn auf seinem Smartphone installiert hat, bekam auch auf diesem Weg einen Hinweis auf die Probewarnung. Doch was genau hatte es mit dieser Übung auf sich? Und warum beteiligen sich nicht alle Kommunen in Sachsen daran? Die LVZ beantwortet die wichtigsten Fragen.

Wie lief der Warntag ab?

Am 8. Dezember, ab 11 Uhr, erging eine Probewarnung an alle sogenannten Warnmultiplikatoren wie beispielsweise App-Server und Rundfunksender, die am Modularen Warnsystem (MoWaS) des Bundes angeschlossen sind. Diese Multiplikatoren versenden die Probewarnung weiter, sodass sie über Fernseher und Radios sowie Smartphone-Apps wie Nina empfangbar sind. Auch auf den Bahnsteigen und in den Zügen der Deutschen Bahn, auf Internetseiten, bei Social Media und auf digitalen Stadtanzeigetafeln werden die Warnungen verbreitet. Zudem können zeitgleich in Landkreisen und Kommunen verfügbare Warnmittel wie Sirenen und Lautsprecherwagen ausgelöst werden. Um 11.45 Uhr sollte auf den gleichen Kanälen eine Entwarnung gesendet werden. Zu den in Sachsen geltenden Sirenensignalen informiert ein Merkblatt.

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Was ist dieses Mal neu?

Erstmals kommt das Cell-Broadcast-Verfahren zum Einsatz. Um dieses System zu testen, findet der Warntag ausnahmsweise im Dezember statt. Normalerweise wird die Großübung jährlich an jedem zweiten Donnerstag im September durchgeführt. Das Verfahren, welches sich schon in den USA und in Japan bewährt hat, ermöglicht die Verteilung von Warnmitteilungen an Handys in Mobilfunkzellen in potenziellen Gefahrengebieten, ohne dass eine App installiert werden muss. Handynutzer müssten vorab eine SMS ihres Mobilfunkproviders dazu erhalten. Vom Auslösen des Alarms bis zur Warnmeldung auf dem Endgerät mit Infos zur Gefahrenquelle und Handlungsanweisungen sollen maximal 30 Sekunden vergehen.

Kann jeder Warnungen über Cell Broadcast erhalten?

Nein, aus technischen Gründen sind nicht alle Mobiltelefone in der Lage, diese Nachrichten zu empfangen. Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe hat auf seiner Homepage eine Übersicht mit kompatiblen Geräten veröffentlicht. Um Cell Broadcast-Nachrichten empfangen zu können, sollte das Smartphone zudem über die aktuellen Updates verfügen und darf nicht im Flugmodus sein.

Beteiligen sich alle Kommunen in Sachsen an dem Warntag?

Die Erprobung eigener Warnmittel ist für die Kommunen und Landkreise freiwillig. Aus diesem Grund ist es nach Informationen des Innenministeriums möglich, dass örtliche Warnmittel nicht in allen Gemeinden und Städten eingesetzt werden. Im Freistaat würden sich allerdings alle zehn Landkreise und die drei kreisfreien Städte beteiligen, hieß es auf Nachfrage. Ein vollständiger Katalog örtlich verfügbarer Warnmittel liege dem Innenministerium aber nicht vor. Insofern könne keine abschließende Aussage darüber getroffen werden, welche davon voraussichtlich nicht zum Einsatz kommen. Detaillierte Auskünfte erhalten Bürger bei Landratsämtern, Gemeinde- und Stadtverwaltungen sowie örtlichen Katastrophenschutzbehörden.

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Warum ist eine solche Großübung notwendig?

Die technischen Abläufe im Fall einer Warnung und auch die Warnmittel selber können auf diese Weise überprüft werden, um Schwachstellen zu erkennen und zu beseitigen. Und natürlich ist es auch eine Möglichkeit, Menschen für diese Warnungen zu sensibilisieren. Schon der erste Warntag vor zwei Jahren brachte die ernüchternde Erkenntnis, dass es in Deutschland zu wenig Sirenen gibt und es auch der Handywarnung bedarf, um die Bevölkerung vor Gefahren zu warnen.

Welche Konsequenzen hatten die Ergebnisse beim ersten Warntag 2020?

Für 2022 wurde vom Bund ein Sirenenförderprogramm aufgelegt. Dem Freistaat Sachsen standen daraus 4,3 Millionen Euro zur Verfügung. Mit diesem Geld wurden nach Angaben des Innenministeriums 292 Sirenen neu errichtet oder modernisiert. Aktuell sind in Sachsen mehr als 3200 Sirenen zur Warnung der Bevölkerung in Betrieb. Aber auch das ist noch nicht genug. Sachsen habe daher im nächsten Doppelhaushalt für die beiden kommenden Jahre ein eigenes Sirenenförderprogramm im Volumen von rund 3,2 Millionen Euro aufgelegt, um die Warnmöglichkeiten der Bevölkerung weiter zu verbessern, so Innenminister Armin Schuster (CDU). Ziel sei es, bis zu 300 neue Sirenen zu errichten. „Dies wird aber nicht für eine vollständige Abdeckung des Freistaates ausreichen“, so Schuster. „Wir hoffen hier auf die weitere Sirenenförderung durch den Bund, der plant, in den nächsten Jahren weitere 30 Millionen Euro für die Sirenenförderung in den Ländern bereitzustellen.“

Wie viele Sirenen fehlen in Sachsen?

Wie viele Sirenen noch notwendig sind, ist nach Auskunft des Innenministeriums abhängig von der Einschätzung der Landkreise und kreisfreien Städte zu Gefährdungsschwerpunkten sowie örtlichen, topografischen oder demografischen Gegebenheiten. Dies könnten daher nur die Landkreise und Kreisfreien Städte abschließend beurteilen, hieß es. So habe beispielsweise die Stadt Leipzig weiterhin keine Sirenen als Warnmittel im Stadtgebiet vorgesehen und setze somit weiterhin auf Lautsprecherdurchsagen als geeignetes Warnmittel. Eine ungefähre Schätzung über den Bedarf im Freistaat lasse sich jedoch aus den für das Sirenenprogramm des Bundes eingereichten sächsischen Zuwendungsanträgen ableiten. Sachsen standen daraus insgesamt rund 4,3 Millionen Euro zur Verfügung, die Zuwendungsanträge umfassten in der Summe allerdings rund zwölf Millionen Euro.

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