Ab Schuljahr 2019/20

Weniger Mathe, Sport und Musik – Sachsen dünnt die Lehrpläne aus

Sachsen entschlackt ab dem Schuljahr 2019/20 die Lehrpläne.

Sachsen entschlackt ab dem Schuljahr 2019/20 die Lehrpläne.

Dresden. Sachsen entschlackt ab dem Schuljahr 2019/20 die Lehrpläne. Gleichzeitig werden in allen Schularten auch Unterrichtsstunden gestrichen. „Hohe Priorität hat für uns, die Stundenlast der Schülerinnen und Schüler zu verringern und zugleich Freiräume für bestimmte Lerninhalte und mehr individuelle Förderung zu eröffnen“, sagte Kultusminister Christian Piwarz (CDU) am Dienstag in Dresden. Ziel sei, im Gegenzug die politische und die Medienbildung zu stärken. Ein positiver Effekt der reduzierten Stunden sei auch, dass angesichts des Lehrer-Mangels damit Arbeitszeit für die Unterrichtsabsicherung freigesetzt werde, räumte der Minister ein – damit könne die Ausfallquote vermindert werden.

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Schulen dürfen Vorgaben auch ändern

Die CDU/SPD-Koalition hatte sich zuvor im Handlungsprogramm „Nachhaltige Sicherung der Bildungsqualität im Freistaat Sachsen“ darauf verständigt, die im bundesweiten Vergleich sehr hohe Stundenzahl der sächsischen Schüler um vier Prozent zu senken. Jetzt legte Piwarz die Ergebnisse vor. Demnach werden ab dem Schuljahr 2019/20 an Grundschulen in der 3. Klasse je eine Unterrichtsstunde weniger Musik und in der 4. Klasse je eine Stunde weniger Deutsch und Sport unterrichtet. Damit gibt es im letzten Grundschuljahr nur noch 24 Stunden statt bislang 26 Wochenstunden. Neu sind zwei Stunden „Anfängerunterricht“ in der ersten Klasse.

Für Schüler an Oberschulen wird in der 7. und 8. Klasse je eine Stunde Gemeinschaftskunde/Rechtserziehung zur Pflicht. Eine Unterrichtsstunde weniger wird dagegen in Mathematik (ab Klasse 5), Biologie (ab Klasse 7) und Sport (ab Klasse 7) erteilt. Englisch wird bis zur 10. Klasse um zwei Stunden auf nur noch drei reduziert. Insgesamt soll die Wochenstundenzahl von 31 auf 28 bis zur Klasse 10 sinken. In Gymnasien wird bei der zweiten Fremdsprache, bei Mathematik, Musik, Sport und im Profilunterricht ausgedünnt. Damit sinkt die Gesamtstundenzahl auf 29 (Klasse 5) bis 35 (Klasse 10). Gleichzeitig gehört ab Klasse 7 das Fach Gemeinschaftskunde/Rechtserziehung/Wirtschaft zur Pflicht. Sowohl in der Oberschule als auch im Gymnasium wird die Informatik-Ausbildung verstärkt.

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Schulen erhalten allerdings die Möglichkeit, unter bestimmten Bedingungen von den Vorgaben abzuweichen. Was bislang nur für Spezialgymnasien möglich war, soll künftig für alle Grundschulen, Oberschulen und Gymnasien gelten. Schulen können demnach auch eigene Stundentafeln unterrichten. Ein Beispiel: Wer bei Sport nicht kürzen möchte, kann dafür die Pflichtstundenzahl in einem anderen Fach senken. Davon ausgenommen sind Ethik und Religion sowie Abschlussklassen der Haupt- und Realschule.

Kritik aus der Opposition

Kritik kam umgehend von Bildungspolitikerinnen aus der Opposition. „Der Kultusminister zäumt das Pferd von hinten auf: Erst werden die Stundentafeln gekürzt, dann – ,begleitend’ – die Lehrpläne überarbeitet“, monierte Petra Zais (Grüne), „so bleibt der schale Nachgeschmack, dass letztlich doch der Wille zur Freisetzung von Lehrer-Ressourcen handlungsleitend war.“ Ähnlich äußerte sich Cornelia Falken (Linke): „Die Änderungen, von denen eine Reihe von Fächern betroffen ist, sollen Lehrerarbeitsvolumen freisetzen, das gebraucht wird, um den Unterricht abzusichern. Die Freiräume für bestimmte Lerninhalte und mehr individuelle Förderung, die sich der Minister erhofft, sind angesichts des akuten Lehrer-Notstands kaum realistisch.“

Piwarz hielt dem entgegen, dass parallel zu den reduzierten Stunden mehr Geld für Ganztagsangebote zur Verfügung gestellt würde – „um die Lebenskompetenz der Schülerinnen und Schüler durch Ganztagsangebote vor allem auch in Sport, Musik und Kunst zu fördern“. Dafür seien 37 und 45 Millionen Euro in den kommenden beiden Jahren vorgesehen, bislang sind es 26 Millionen Euro.

Daneben soll an den Oberschulen die berufliche Orientierung verbessert werden. Ein Programm, das das Kabinett an Dienstag beschlossen hat, sieht bis 2021 insgesamt 22,5 Millionen Euro vor. Damit soll erreicht werden, dass mehr Schulabgänger eine duale, berufliche Ausbildung aufnehmen. Gleichzeitig sollen die hohen Quoten derjenigen, die die Schule oder eine Lehre abbrechen, spürbar gesenkt werden. „Wir wollen die Oberschule und die duale Ausbildung stärken und in den Fokus der öffentlichen Wahrnehmung rücken – und auch zeigen, wie vielfältig die Möglichkeiten für Absolventen der Oberschule sind und dass ihnen alle Wege offen stehen“, machte Piwarz klar.

Neues Sanierungsprogramm für Schulen

Außerdem legt der Freistaat ein neues Paket für Schulsanierungen auf: Landkreise, Städte und Gemeinden erhalten 195,8 Millionen Euro zusätzlich. Davon steuert der Bund 178 Millionen Euro bei, der Rest stammt aus Landesmitteln. Die Abwicklung erfolgt durch das Umwelt- und Landwirtschaftsministerium, ähnlich wie bei dem Programm „Brücken in die Zukunft“. Die Fördermittel müssen bis zum Jahresende beantragt werden, für die bauliche Umsetzung haben die Städte und Gemeinden bis Ende 2022 Zeit. Dabei werden – so die Vorgabe des Bundes – nur die Sanierung, der Umbau,die Erweiterung oder der Ersatzbau von Schulgebäuden gefördert, während Neubauten ausgeschlossen sind. Im Regelfall können die Maßnahmen mit bis zu 75 Prozent der Kosten gefördert werden.

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Von Andreas Debski

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