Wie die Weißeritz Dresden in den Rücken fiel: Schutz vor Jahrhunderthochwasser steht inzwischen

2002 flutete die Weißeritz den Dresdner Hauptbahnhof.

2002 flutete die Weißeritz den Dresdner Hauptbahnhof.

Dresden. Es entsteht eine scharfe Linkskurve, der Weißeritzknick. 2002 rächte sich dies.

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Nach tagelangen Starkregenfällen laufen die Talsperren Klingenberg und Malter unkontrolliert über. Die bereits Hochwasser führende Rote und Wilde Weißeritz verwandelt sich plötzlich in einen mitreißenden Strom. Der Plauensche Grund wird zur Flutröhre. Der Weißeritzknick kann die Wassermassen nicht mehr halten. Auf breiter Front läuft die Weißeritz über und überflutet Dresdens Altstadt. Eiskalt und unerwartet binnen weniger Stunden von hinten – wie ein Dolchstoß.

Das 1893 künstlich geschaffene Bett war auf einen Wasserdurchfluss von 180 Kubikmeter pro Sekunde ausgelegt. Doch die ab Freital vereinigte Weißeritz flutete Dresden in der Nacht vom 12. auf 13. August mit bis zu 430 Kubikmeter pro Sekunde. Die Regenmassen aus dem Gebirge, die Enge im Tal und das starke Gefälle lassen die sonst so beschaulich dahinfließende Weißeritz zum mitreißenden Strom anschwellen, bescheren Dresden die erste große Flutkatastrophe, noch bevor die Elbe Tage später langsam, aber gewaltig die Stadt überschwemmen sollte. Der Fluss fällt der Stadt in den Rücken.

Das Heizkraftwerk an der Nossener Brücke wird überflutet, muss vom Netz genommen werden. In Friedrichstadt und Löbtau werden Straßen zu reißenden Bächen. Sturzfluten ergießen sich in den Hauptbahnhof, schießen aus dem Haupteingang. Die Weißeritz hat sich gnadenlos ihr altes Bett gesucht. Die Flut richtet im Bahnhof für 42 Millionen Euro Schäden an. Zum Glück laufen die Baulöcher am Wiener Platz voll und verhindern, dass die Massen das Rathaus erreichen. Die Prager Straße wird dennoch Opfer des Wassers.

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Zehn Jahre danach sind alle Schäden beseitigt, Brücken neu gebaut, der Fluss verbreitert, verstärkt und ausgebaggert worden. Wie Dresdens Umweltbürgermeister Dirk Hilbert (FDP) erklärt, sei die Weißeritz nun so gesichert, dass sie einer Flut standhält, wie sie statistisch gesehen alle 100 Jahre („HQ 100“) einmal vorkommt. Dennoch wird weiter „gebuddelt“. Ziel: Bis Ende 2015 soll es einen Schutz vor einer Flut geben, die statistisch einmal in 200 Jahren auftreten kann. So wird das Flussbett am Emerich-Ambros-Ufer um 1,50 Meter abgesenkt, um bei Hochwasser einen besseren Durchfluss zu erreichen. Damit die Weißeritz nicht so schnell wieder ihr altes Bett aufsuchen muss.

rare

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